Standard – nicht Rolls-Royce

ARBON ⋅ Das neue Friedhof-Werkgebäude wird in Minergiestandard erstellt. Der Zertifizierungsaufwand wäre unverhältnismässig für ein höheres Level. Dafür kommt jetzt noch ein Sonnenkollektor aufs Dach. Die Gesamtkosten sind trotzdem tiefer als die Kredithöhe.
13. September 2017, 07:15
Max Eichenberger

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

Arbon ist Energiestadt. Das entsprechende Label ist eine Auszeichnung – und für das Image ein Faktor. Darum weiss Stadtrat Konrad Brühwiler. In seinem Ressort ist der Friedhof angesiedelt. Und damit der Bau des neuen Werkgebäudes.

Derzeit wird auf der stadteigenen Parzelle neben der Wärmezentrale der ­Arbon Energie AG der Kanalisationsanschluss erstellt.

Fünfstelliger Betrag für fragwürdigen Nutzen

«Wir haben als Energiestadt einerseits eine Verpflichtung und Vorreiterrolle inne.» Anderseits stelle sich bei einem reinen Werkgebäude tatsächlich «die Frage der Verhältnismässigkeit, ob wir energetisch eine Rolls-Royce-Lösung fahren sollen». Diese wäre Minergie-P – also eine Liga höher als der Minergiestandard.

«Eine zusätzliche Zertifizierung würde uns einen fünfstelligen Betrag kosten – bei einem letztlich höchst fraglichen Nutzen», sagt Stadtrat Brühwiler. Denn was bei einem Wohngebäude durchaus Sinn macht, sei bei einem kleineren Gebäude, worin nicht gewohnt wird, nicht ge­geben. «Praktisch bringt das nichts», begründet Brühwiler den stadträtlichen Entscheid zu Gunsten der Light-Variante. «Wir haben einen geringen Energiebedarf für Heizung und Warmwasser.» Das rechtfertige einen höheren Zertifizierungsaufwand und eine noch bessere Isolierung nicht. Die Kosten dafür ebenso wenig. Den vom Kanton verlangten Energienachweis hat die Stadt als Bauherrin zwar erbringen müssen. Man belässt es nun bei Minergiestandard. «Womit wir der Labelverpflichtung Genüge leisten», betont Brühwiler.

Sonnenenergie deckt Eigenbedarf nahezu

Dafür setzt die Stadt auf erneuerbare Energie. Auf das Flachdach kommt in Ergänzung zum Projekt, das die Volkshürde genommen hat, noch ein Sonnenkollektor. Dieser werde so positioniert, dass er für die Anwohner im Quartier nicht sichtbar ist. «Wir können damit den eigenen Energiebedarf praktisch decken.» Nur im Winterhalbjahr müsse zeitweilig Strom übers Netz bezogen werden. «Selbst mit den Zusatzkosten von 6000 bis 8000 Franken für die Installation zur Gewinnung von Solarenergie liegen wir – auf der Basis des Kostenvoranschlags – unter dem Kredit von 670000 Franken», sagt Brüh­wiler.

Nächste Woche beginnt der Aushub der Baugrube. Im Oktober dann starten die Betonarbeiten. Brühwiler zufolge ist die Fertigstellung im April 2018 geplant. Dieses Datum sehnt das Personal, das für die Friedhofwartung zuständig ist, herbei.


Leserkommentare

Anzeige: