Stadt geht beim Bauen neue Wege

ROMANSHORN ⋅ Die Verantwortlichen haben am Mittwoch den überarbeiteten Bau- und Zonenplan vorgestellt. Die Hafenstadt wechselt als erste Gemeinde in der Ostschweiz zu einem neuen Berechnungsmodell.
12. Januar 2018, 06:52
Markus Schoch

Markus Schoch

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Es war sehr viel Arbeit, und sie dauerte Jahre. «Wir haben aber nicht alles auf den Kopf gestellt. Es ist eine Evolution, und keine Revolution», sagt Stadtpräsident David H. Bon.

Am Mittwochabend stellte das Projektteam unter der Leitung von Stadtentwicklerin Nina Stieger das überarbeitete Baureglement sowie den neuen Zonen- und Schutzplan vor. Auch zum Gestaltungsrichtplan Innenstadt gab es erste Informationen. «Wir haben punktuell und fein eingegriffen», sagte Bon. Es sei nicht darum gegangen, aus Romanshorn eine Grossstadt zu machen.

Grünflächenziffer statt Ausnützungsziffer

Es bleibt aber auch nicht alles beim Alten. Romanshorn geht sogar ganz neue Wege. Bis jetzt wurde über die Ausnützungsziffer geregelt, wie dicht ein Grundstück überbaut werden kann. An ihrer Stelle möchte die Hafenstadt die Grünflächenziffer einführen – als erste Gemeinde in der Ostschweiz.

Es ist gemäss Stadtplaner Beat Rey «die grösste Änderung» und eine eigentliche Systemumkehr. Mit dem neuen Modell wird festgelegt, welcher Teil der Grundstückfläche natürlich beziehungsweise unversiegelt bleiben muss. Der Name ist allerdings verfänglich. Die Grünflächenziffer bringt nicht mehr Natur in den Siedlungsraum. «Es ist von den Bau-Volumen her viel mehr möglich», sagte Bon. Indirekt sollen aber Fauna und Flora profitieren. Denn durch den haushälterischen Umgang mit dem Boden nimmt der Druck auf die unverbaute Landschaft ab. Nur so gelinge die Entwicklung nach Innen, meinte Raumplaner Rey.

Die Stadt schlägt der Bevölkerung zwei zusätzliche Massnahmen vor, damit es in die richtige Richtung geht: Erstens müssen in den Zonen W3/WA3 und W4/WA4 (neu) mindestens zwei beziehungsweise drei Vollgeschosse gebaut werden. Und bei einer Unternutzung der Parzelle von mehr als 30 Prozent muss der Bauherr zweitens einen Nachweis erbringen, wie er nachverdichten kann.

Das neue Baureglement unterscheidet sich auch in Bezug auf die Definition verschiedener Zonen vom alten. «Die heutige Regelung der Kernzone sagt praktisch nichts aus», sagte Hans Munz, der die Stadt in rechtlichen Fragen beraten hat. In der überarbeiteten Version ist unter anderem festgelegt, dass es an öffentlichen Strassen im Erdgeschoss zur Strasse hin keine Wohnungen geben darf. Neu geschaffen haben die Verantwortlichen eine Arbeitszone Hafen im Bereich der Werften. «Es ist eine Art Gewerbezone mit Wasserbezug.» Wohn- und andere Nutzungen sind nicht zulässig. Geregelt wird weiter, wo und unter welchen Bedingungen höhere Häuser beziehungsweise Hochhäuser gebaut werden können. Es gibt aber keine eigentliche Hochhauszone. Die Stadt sagt einfach, wo sie sich vorstellen kann, dass in die Höhe gebaut wird. Daraus lasse sich aber kein Anspruch ableiten, betonten die Verantwortlichen. Die Projekte müssten in jedem Fall sehr hohen städtebaulichen ­Anforderungen genügen, sagte Munz. Es besteht in jedem Fall Gestaltungsplanpflicht. Um deren Qualität zu sichern, kann der Stadtrat Modelle oder Varianzverfahren verlangen.

Grössere Kernzone, neue Industriezone

Änderungen gibt es auch bei Zonenplan. Die Stadt möchte beispielsweise mit Blick auf den Bau der BTS eine zusätzliche Arbeitszone Industrie an der Hofstrasse schaffen, er will die Kernzone erweitern und Wohnquartiere beruhigen, indem er stellenweise keine Gewerbenutzung mehr zulässt.

Ersichtlich im neuen Zonenplan sind auch die Gefahrenzonen. Das Problem ist vor allem Hochwasser. Handlungsbedarf besteht gemäss Rey hauptsächlich im Süden der Stadt wegen der Aach, dem Hofbächli, dem Lochebach und dem Meilenbach. Den betroffenen Grundeigentümern machte er wenig Hoffnung auf baldige Entwarnung. «Die Sanierung der Gewässer dauert in der Regel lange und kostet viel Geld.»

Den Schutzplan hat die Stadt mehr oder weniger unverändert gelassen. Die Ortsbildschutzzonen wurden dort ergänzt, wo dies vom Inventar der Schützenwerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) her notwendig war. Zudem werden die bisher in verschiedenen Instrumenten enthaltenen Kulturobjekte gesamthaft im Schutzplan dargestellt.

Bis zum 12. März kann sich die Bevölkerung schriftlich zu den Vorschlägen der Stadt äussern. Die Ergebnisse sollen im Sommer präsentiert werden.


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