Wenig Wirkung, hoher Preis

ARBON. Lärm und Erschütterungen an der ehemals ruhigen Promenade verursachen Risse an Häusern und trüben die Lebensqualität der Anwohner. Sie fordern eine Rückkehr zur alten Verkehrsführung.
25. März 2014, 02:34
MAX EICHENBERGER

«Wir kennen die Busfahrpläne schon auswendig», sagt John Moetteli. Sechs grosse Busse bremsen jede Stunde vor ihrer Liegenschaft ab, wo die Haltestelle eingerichtet ist, und dröhnen wieder los um die Kurve in die Bahnhofstrasse. Das Vibrieren der Motoren sei in den Häusern auf sehr unangenehme Weise zu spüren – von morgens früh bis mitten in der Nacht. «Die Erschütterungen machen nervös», berichtet Gattin Novella Moetteli. Auch wenn Lastwagen über die Pflästerung vor dem Pfarreizentrum rollen, lärmt es.

Deutlich mehr Verkehr

Seitdem auf der Hauptstrasse Einbahnverkehr gilt, wird der andere Teil des Verkehrs über die Promenadenstrasse geführt. Wo zuvor noch eine ruhige Flanierzone war, zählen die geplagten Anwohner heute 150 Fahrzeuge pro Stunde. Um ein Vielfaches hätten mit der Einführung des neuen Verkehrsregimes die Frequenzen zugenommen, stellt John Moetteli fest. Er hat 2007 die Liegenschaft Untertorgasse 7 erworben, das neben dem Römerhof wohl beliebteste Arboner Fotosujet mit dem Schloss im Hintergrund. Bei einem in Korea verlegten Buch über die Schweiz, worin Moetteli blättert, ziert es sogar die Frontpage – und befindet sich damit in einer Reihe mit dem Kolosseum in Rom oder der Freiheitsstatue in New York. Und davor werde jetzt der Verkehr durchgeschleust.

Kratzer an Postkartenidylle

Für John Moetteli ist unverständlich, dass nun diese Sonnen-exponierte Vorstadtpromenade entwertet und dem Moloch Verkehr geopfert wird. Zumal die Hauptstrasse in der engen Häuserschlucht, die kaum einen Sonnenstrahl abbekommt, nicht das grosse Potenzial einer Begegnungszone habe. Für die vergleichsweise geringe weitere Entlastung neben dem Effekt, den die neue Kantonsstrasse NLK bringt, zahlten die Anwohner der Promenadenstrasse und Turmgasse jedenfalls einen hohen Preis. Und damit auch die Stadt, weil das Bild historischer Ensembles einen empfindlichen Kratzer bekommt.

Schlafen im Souterrain

Das sagt die Interessengemeinschaft Promenadenstrasse, die inzwischen bereits 200 Unterschriften für ihre vorbereitete Petition beigebracht hat, die sie im April einreichen wird. «Uns hat man gesagt, es werde weniger Verkehr in der Altstadt geben und es werde ruhiger. Jetzt sieht es für uns anders aus», klagt Moetteli, dessen Firma Mieterin des Rathauses ist. Es hat Risse bekommen. Auch das Wohnhaus zeigt Spuren der Erschütterungen. Seine Schlafstätte hat Moetteli inzwischen ins Souterrain verlegt, wo es kein Fenster, dafür dicke Mauern nach Süden hat. «Ich konnte nicht mehr schlafen.»

Workshops als «Alibiübung»

Viele Anwohner, die nicht zu den Workshops eingeladen worden waren oder daran nicht aus eigenem Interesse teilgenommen hatten, wurden offenbar überrascht. Moetteli bezeichnet sie als Alibiübung. «Alles war schon geplant», war auch Monique Tomaselli perplex, als sie von der Einführung des Einbahnsystems erfahren hatte. «Alle, die nicht involviert waren, wurden über Nacht vor Tatsachen gestellt», sagt die um ihre Tochter Thea besorgte Mutter. Der Platz vor dem Pfarreizentrum birgt nun plötzlich Gefahren. Einmal hatte das Mädchen Glück, als der Bus herannahte.

Verkehr vor dem Schulareal

Unverständlich ist aus der Sicht der Interessengemeinschaft ausserdem, den Verkehr nun direkt am Schulzentrum Reben 4, das mit dem Promenadenschulhaus wie weitere Objekte geschützt ist, vorbeizführen. Tangiert sind Schul- und Kindergartenwege. Das Konzept sei auch deshalb nicht in sich stimmig, weil der versprochene Ortsbus noch länger auf sich warten lassen dürfte. Auch ein Parkhaus – als weitere ursprüngliche Rahmenbedingung – gebe es bis heute nicht.

Viel Umwegverkehr

Viele Anwohner oder Leute, die Ziele in der Altstadt anfahren, seien gezwungen, zusätzliche Fahrwege zu machen – zum Beispiel Anwohner der Gerbergasse in der nördlichen Altstadt, die um die Altstadt herumkurven müssen. Das generiere Zusatzverkehr und könne so nicht gewollt sein, argumentiert die IG.

Deshalb fordert sie noch vor Ablauf des Testjahres den Abbruch der wenig zukunftsträchtigen Übung: Die Verkehrsführung soll wie bisher in beide Richtungen über die Hauptstrasse erfolgen. Die IG hat inzwischen eine eigene Homepage aufgeschaltet (www.arboner.ch).


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