Schöne Landschaften im Sucher

ARBON. Wenn sich eine Front verzieht, kribbelt's in ihm besonders: Dann geht Herbert Haltmeier mit seiner Kamera auf Pirsch. Vom Arboner Fotografen ist ein neuer Fotoband mit stimmungsvollen Thurgauer Landschaften erschienen.
06. Januar 2011, 08:12
max eichenberger

Warm eingepackt, den Rucksack mit Objekten, aufgeschnalltem Stativ und anderem Equipment über der Schulter, mit dem neugierigen Blick eines Buben, der auf Entdeckungsreise geht, stapft Herbert Haltmeier über die gefrorene Riedwiese.

Wie so oft, wenn Wetterwechsel eine besondere Stimmung versprechen, ist der 65jährige Arboner Fotograf unterwegs. Ausschau nach Sujets hält er in der Natur draussen. Er klappert versteckte Winkel ab. «Ich habe meinen Schwerpunkt komplett auf die Landschaftsfotografie verlagert», berichtet Haltmeier.

Er ist Autor zahlreicher Bildbände: die Landschaften der Schweiz und speziell der Ostschweiz sind sein Thema.

Glück für einen Superschuss

Von der Mode- und Werbefotografie hat sich Haltmeier inzwischen ganz verabschiedet. Er müsse terminlich frei und unabhängig sein, wenn das Wetter in der jeweiligen Saison ihm sozusagen eine Einladung schickt. «So bin ich eigentlich immer auf dem Sprung.» Wie ein Jäger, erzählt er, der auf Beute aus ist. «Darum stimmt für mich auch das geflügelte Wort .

Etwas Glück braucht es für einen Superschuss auch.» Das Wetter könne er so gut lesen, «dass mich sogar Gartenbeizer fragen, wie's wird». Bei Haltmeier kribbelt's vor allem dann, wenn eine Front vorbeigezogen ist und es mit Restwolken aufklart. «Rückseitenwetter nennen das die Meteorologen.» Jetzt sind die Wolken zusammengefallen, die Sicht ist milchig.

Der gelernte Drucker, der sich das Fotohandwerk in der Lehrzeit autodidaktisch aneignete und sich vor bald vierzig Jahren selbständig machte, packt zusammen.

Natur führt Regie

«Manchmal muss ich viermal einen Ort aufsuchen, der von der Kulisse her stimmig ist, bis auch die Lichtverhältnisse für meine Ansprüche stimmen.» In einem Notizblock vermerkt er die rekognoszierten Standorte. Studioaufnahmen könne man planen, Landschaftsaufnahmen hingegen nicht.

«Hier führt die Natur Regie. Das ist das Faszinierende und die Herausforderung zugleich.»

Immer wieder zeigt sich Haltmeier überrascht, wie die Stimmungen wechseln können - nicht selten innert Minuten. «Ich treffe nie zweimal die gleiche Situation an», wie es auch nie identische Augenblicke gebe, hebt er beim Weiterschreiten zu schon fast philosophischen Gedankengängen ab. «Ein Sonnenaufgang zum Beispiel ist immer wieder anders.»

Wenn der Blueser demütig wird

Vor der Natur mit ihrer beeindruckenden Vielfalt wird der rauhbeinige Saiten-zupfende Blueser, der in der Freizeit auch schon mal in die Klaviertasten haut, mit dem Gespür für ihre feinen Schönheiten fast demütig.

Der Fotograf, bei dem Beruf und Passion eins sind, schwärmt von den heimatlichen Landschaften: «Vieles findet man schon fast vor der Haustüre, haben wir es hier», sagt er, und schreitet mit dem Blick des Jägers die Uferpartie ab.

«Ich ahne oft, was ich antreffen könnte, lasse mich aber auch überraschen», beschreibt er den Kick.

Zu jedem Bild eine Geschichte

Um seine Bilder in den Kasten zu bekommen, kraxelt er Hügel und Berge hoch, pirscht sich durchs Hochmoor oder hockt in eine Piper, «die schön langsam fliegen kann». Einige hundert Kilometer macht er zu Fuss. Zu jeder seiner Aufnahmen hat er deren Geschichte und Entstehung noch genau im Kopf.

Etwa das Schiff Emily im Lichtkegel mitten im dampfenden Morgennebel drin: «Eine Fotografie wie ein Bild von William Turner. Oder dann sagt mir eine Frau zu einer anderen Fotografie: »

Tausende Bilder hat Haltmeier gemacht, gegen 5000, nur die wirklich guten, hat er im Archiv. «Ich selektioniere knallhart.» Da ist der melancholische Blueser mit sich unzimperlich.


Leserkommentare

Anzeige: