Rückkehr auf die Politbühne mit 90

ARBON ⋅ So alles seinen ordentlichen Gang nimmt, wird Marlies Näf-Hofmann im Mai für Philipp Hofer in das ­Arboner Stadtparlament nachrücken. Die langjährige Kantonsrätin hat auch im hohen Alter noch etwas zu sagen.
02. Februar 2017, 05:36
Max Eichenberger

Max Eichenberger

max.eichenberger@thurgauerzeitung.ch

«Ich muss der Form halber von der Stadt angefragt werden. Ich werde zusagen», regt sich bei der unermüdlichen Grande Dame schon der Tatendrang, als sie mit der Munkelei konfrontiert wird. CVP-Parteipräsident Claudio Fortunato verweist darauf, die CVP werde zum gegebenen Zeitpunkt offiziell kommunizieren. Philipp Hofer (27) selber betont, er habe den Rücktritt noch nicht ­ordentlich eingereicht. Es treffe aber zu, dass er aufhören werde. Seinen bevorstehenden Rückzug aus dem Parlament haben Exponenten der Partei bestätigt.

Sie fühle sich nicht zu alt, um noch etwas be­wegen zu können, freut sich Maries Näf Hofmann.Ohnehin fände sie es diskriminierend, würde sie auf ihr hohes Alter reduziert und man deswegen an ihrer geistigen Frische zweifeln. Nein, diese Gelegenheit wolle sie beim Schopf packen. Vor allem die Alters- und Wertepolitik liegt ihr am Herzen: «Es wird zu wenig gemacht für das Alter. Dafür ­werde ich meine Stimme erheben.» Tagesstätten für leichtere Demenzfälle blieben ein Bedürfnis – gerade, weil stationäre Angebote etwas völlig anders seien. «Und der Kanton hat hier viel weniger gemacht, als er versprochen hat.» Nicht zusehen könne sie zudem, wie das Städtli zugrunde geht. Nein, eine Mitläuferin werde sie nicht sein, gibt die gelernte ­Juristin durch. Wenn sie nachrückt, werde sie übrigens der CVP beitreten, fügt sie an.

Philipp Hofer dürfte im Mai seinen Sitz räumen

In der Arboner Volksvertretung ist in letzter Zeit in kürzeren Intervallen Stühlerücken angesagt. Die Abgänge von der Parlamentsbühne betreffen nicht nur altgediente Semester, wie im letzten Jahr etwa Andrea Vonlanthen, das Zugpferd der SVP-Fraktion, oder Kaspar Hug, der wieder zum Tourismuspräsident mutiert ist.

Nicht eben ausgeprägt ist das Sitzleder der jüngeren Generation; Ausnahmen bestätigen die Regel. So gaben etwa Angela Di Santo in der CVP- oder Tobias Zürcher in der FDP-Fraktion ein kurzes Gastspiel in der städtischen Politik. Von den Twenties hatte sich Ekin Yilmaz (SP) verabschiedet. Meist erfolgten die Abgänge berufs- oder ausbildungsbedingt. Weil ihn der Beruf stark in Anspruch nimmt und dieser ihn häufig an die Metropole Zürich bindet, räumt im Mai nun ein weiterer Jungspund das Feld: Philipp Hofer war noch Student der Betriebswirtschaften, als er bei der CVP auf Patrick Hug ins Präsidium folgte. Als Senkrechtstarter schaffte er bald den Sprung ins Parlament. Hofer war nicht nur als CVP-Präsident äusserst aktiv und besetzte die Polit-Agenda als Netzwerker umtriebig. Anders als die anderen jungen bürgerlichen Alterskollegen kreierte Hofer ­zudem Vorstoss um Vorstoss, war präsent am Mikrofon. Doch seit einem Jahr ist es ziemlich still um ihn geworden. Der Sohn von alt Stadtrat Markus Hofer gab, beruflichstark beansprucht, im Juni 2016 bereits das Parteipräsidium an Claudio Fortunato ab.

Vor einem wohl einmaligen Comeback

In den Startlöchern, Hofers Mandat anzutreten, steht als ­erster Ersatz eine alles andere als unbekannte Frau, die zwanzig Jahre lang kantonale Politik im Grossen Rat mitgeprägt hat: Marlies Näf-Hofmann. Die heute 90-Jährige erreichte bei den Wahlen 2015 als Parteilose das siebtbeste Ergebnis auf der CVP-Liste. Nach dem Rückzug aus der kantonalen Politik wollte sie es auf dem lokalen ­Parkett noch einmal versuchen. Nachdem sie 2015 die Wahl noch verpasst hatte, verschafft ihr nun Hofer mit seinem Rücktritt unverhofft ein erstaunliches und wohl auch einmaliges Polit-Comeback. Und das mit 90 Lenzen.


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