Preis mit Signalwirkung

ROMANSHORN. Der Verein rund um David Oser hat mit seinem Wirken ein Stück Bahnkultur von Romanshorn gerettet. Deshalb hat er am Wochenende den Thurgauer Heimatschutzpreis 2012 verliehen bekommen.
12. November 2012, 01:36
SEVERIN SCHWENDENER

So rasch kann aus einer Hypothek ein Gewinn werden: Noch im Sommer 2010 rostete die alte Signalbrücke in Romanshorn auf einem Haufen vor sich hin, und am Samstagabend wurde dem Verein, der sie gerettet hatte, der Thurgauer Heimatschutzpreis verliehen. «Es ist erstaunlich, wie viel ein kleiner Verein mit einer riesigen Portion Engagement zustande bringt», brachte der Präsident des Heimatschutzvereins, Uwe Moor, die Auszeichnung auf den Punkt.

Aus den Augen, aus dem Sinn

Auslöser der Restauration war der Egnacher David Oser. Er anerbot dem Locorama, den rostenden Haufen beiseite zu schaffen. «Aus den Augen, aus dem Sinn; das war es, was uns vorschwebte.» Doch es kam anders. «Plötzlich fand ich es schade, diese Brücke einfach so verfallen zu lassen, und wollte sie restaurieren.» Er gründete mit anderen Angefressenen den Verein zur Rettung der Signalbrücke Romanshorn, VRSR. Das war im Dezember 2010. «Damals war es fünf vor zwölf», sagte dessen Vizepräsident Bernhard Berger. Denn die Brücke befand sich in desolatem Zustand. Doch der Verein machte sich unverzüglich an die Arbeit: Man musste Geld beschaffen, einen Standort finden, ein Baugesuch einreichen, Fundamente giessen. «Von aussen ist kaum abschätzbar, was eine solche Restauration wirklich bedeutet», würdigte Oser den grossen Einsatz der zahlreichen Vereinsmitglieder und Helfer.

Vor allem musste die Brücke entrostet werden. Die grössten Teile konnten dabei nicht vor Ort sandgestrahlt werden und mussten nach Sins im Kanton Zug geschafft werden. «Der Transport allein hätte uns 1000 Franken LSVA-Gebühr gekostet», veranschaulichte Berger das ewige Dilemma aller Vereine, nämlich das knappe Geld. «Um dieses Geld zu sparen, sind wir kurzerhand mit dem Traktor gefahren.»

Im Mai kommen die Signale

Mittlerweile steht die Signalbrücke stolz über dem Gleisfeld vor dem Locorama, einzig die Signale fehlen noch. Das Geld war wieder knapp, die Restauration in Frage gestellt.

Da kommt der Thurgauer Heimatschutzpreis wie gerufen. «Mit den 5000 Franken Preisgeld wollen wir vor allem den grossen Einsatz würdigen, der bisher geleistet wurde», sagte Moor anlässlich der Verleihung. «Es soll aber auch ein Ansporn sein, die begonnene Arbeit jetzt fortzuführen.» Etwas, was man den Mitgliedern des VRSR nicht zweimal sagen musste: Bereits werden die Signale im Locorama frisch gestrichen. Im Mai 2013 soll die dann fertige Brücke zur Feier ihres 100jährigen Bestehens ans Locorama zurückfallen.


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