Lehrlinge unter einem Dach

Der Verein Brüggli plant weiter: Ein Wohnhaus für die jüngsten Angestellten nahe des Firmensitzes soll entstehen. Heute wohnen 70 Lernende in diversen betreuten Wohnungen verstreut von Romanshorn über Salmsach bis Amriswil.

08. Januar 2011, 01:05
christa kamm-sager

Immer mehr Jugendliche absolvieren im Brüggli, der grössten Ausbildungs-und Integrations-Institution der Ostschweiz, eine Lehre. Zurzeit sind von den 700 Mitarbeitenden im Brüggli 260 Lernende. Früher seien eher 20- bis 40-Jährige im Brüggli tätig gewesen. Heute verlagere sich der Schwerpunkt hin zu jugendlichen Angestellten, die in der Sozialfirma einen geschützten Ausbildungsplatz finden.

«Wir haben für diese Lehrlinge schon immer Wohnplätze angeboten, derzeit etwa 70», so Alois Schütz, Mitglied der Geschäftsleitung. Doch mit der Verzettelung der insgesamt 20 Wohnungen an verschiedenen Standorten in Romanshorn, Amriswil und Salmsach sei der Betreuungsaufwand grösser geworden.

Betreute Freizeit

«Wir haben den Anspruch, mit den Lehrlingen, die unter 18 Jahre alt sind, auch eine betreute Freizeit zu verbringen.

Neben der eigentlichen Lehre werden sie bei uns auch in den täglichen Pflichten eines selbständigen Lebens angeleitet», so Alois Schütz. In den verschiedenen Wohnungen sei das nur schwierig und personalintensiv zu bewerkstelligen. Der Verein Brüggli konnte vor gut zwei Jahren eine 8000 Quadratmeter grosse Wiese von einer Erbengemeinschaft erwerben, mit dem Ziel, hier ein Lehrlingshaus zu erstellen. Dieses Grundstück liegt gleich gegenüber des Firmensitzes. Im hinteren Teil, der Wohnzone, soll nun ein dreistöckiges Wohnhaus entstehen.

Der vordere Teil des Landes liegt in der gemischten Gewerbe- und Wohnzone. Hier möchte das Brüggli Firmen-Parkplätze erstellen.

Infoabend mit Nachbarn

Am Montag wurde der öffentliche Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Auflage für die Architekten ist, in einem dreistöckigen Gebäude 48 Wohneinheiten mit je einer Nasszelle auf einer Grösse von 20 Quadratmetern zu planen. Immer acht Einheiten haben zusammen eine Küche. Im Wohnhaus soll zudem ein Musik- und Bastelraum und ein grösseres Mehrzweckzimmer entstehen.

Ebenso werden Büroräume, ein Zimmer für den Pikettdienst und ein Empfangsbereich darin untergebracht. «Am Mittwoch haben wir die angrenzenden Nachbarn zu einem Informationsabend eingeladen und sie aus erster Hand über unsere Pläne informiert», so Schütz. Der Abend sei einvernehmlich verlaufen, einige Bedenken seien geäussert worden.

Klar sei, dass das Wohnhaus 24 Stunden täglich betreut werde und dass an den Wochenenden zwei Drittel der Jugendlichen nach Hause fahren würden.

Riesiger Bedarf

Es sei ein riesiger Bedarf an betreuten Ausbildungsplätzen für Jugendliche in der Schweiz festzustellen. «Wir möchten den Bedürfnissen entsprechend bauen.» Ältere Lehrlinge, die bereits selbständiger sind, werden nicht im Wohnhaus leben, sondern in den Liegenschaften Hafenstrasse 58 und Arbonerstrasse 50, die dem Brüggli gehören.

«Diese werden wir behalten, die 20 Mietwohnungen werden wir aufgeben», so Michael Haller, Leiter Unternehmenskommunikation.

Ende Juli steht Siegerprojekt fest

Der Architekturwettbewerb läuft bis Ende Mai. Ende Juli wird die Jury nach SIA-Norm, in der auch der Kanton als Aufsichtsorgan Einsitz hat, das Siegerprojekt auswählen.

Läuft alles optimal, könnte das Lehrlingshaus schon Ende 2012 bezugsbereit sein. «Für uns kommt der Neubau mittelfristig kostengünstiger als die 20 verschiedenen Mietlösungen», so Schütz. Finanziert würden die 8 bis 10 Mio. Franken Investitionskosten über Tariferlöse.


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