Ein Gotteshaus hat ausgedient

ARBON. Seit einem Jahr steht es leer. Jetzt soll das Gotteshaus der Neuapostolen abgebrochen werden – im hundertsten Jahr des Bestehens der Arboner Gemeinde. Auf dem Grundstück plant die Neuapostolische Kirche ein Mehrfamilienhaus.
11. Februar 2014, 07:06
MAX EICHENBERGER

Der Standort und das Gebäude seien seit einiger Zeit zur Disposition gestanden, sagt Daniel Gorgas, zuständig für die Liegenschaften der Neuapostolischen Kirche an deren Sitz in Zürich. Die Arboner Gemeinde der Neuapostolen werde aufgelöst, die Glaubensgemeinschaft werde sich den Nachbargemeinden anschliessen. In Rorschach hat die Freikirche in einen Ausbau investiert. Und in Romanshorn soll Gorgas zufolge im nächsten Jahr eine bauliche Erneuerung folgen.

Schlechte Bausubstanz

«Vorausgegangen ist eine Überprüfung der Kirchenstandorte in der Region», begründet Gorgas den Entscheid. Gegen Arbon habe unter anderem gesprochen, dass die Bausubstanz des Gotteshauses im Laufe der Zeit gelitten hat. «Bauliche Investitionen wären nötig geworden», sagt Gorgas. «Zudem verfügt das Gebäude über keine Nebenräume.» Weil die Gemeinschaft aber nicht nur während der Gottesdienste gepflegt werde, habe sich das Fehlen solcher Räume als nachteilig erwiesen. Neben dem Kirchensaal gibt es lediglich noch die Sakristei und WC-Anlagen. «Und das alles ist in die Jahre gekommen.» Ausserdem sei die Liegenschaft nicht unterkellert.

Zeit der Hochblüte vorbei

Zum einen habe der Zustand der Infrastruktur gegen die Aufrechterhaltung des Standortes Arbon gesprochen. Hinzu kommt, dass das kirchliche Leben an Schwung verloren hat. Daniel Gorgas formuliert es nüchtern so: «In Relation zur Anzahl der Mitglieder haben wir ein Überangebot.» Die Zeiten grossen Wachstums lägen 25 und mehr Jahre zurück, trauert Gorgas der Hochblüte nach. «Früher sind in der Schweiz pro Jahr zwölf bis 17 neue Gotteshäuser eingeweiht worden. Das ist heute längst nicht mehr so.» Strukturelle Anpassungen folgen nun dieser Entwicklung. Die verbleibenden Einheiten würden dafür mit Zusammenlegungen gestärkt. «Die Kirchenmitglieder zeigen Verständnis für den Entscheid und tragen ihn mit.»

Vorsteher pensioniert

Zuletzt machten in Arbon 140 Mitglieder die Gemeinschaft der Neuapostolischen Kirche aus, sagt Hans Kast. In Arbon wirkte er bis September 2012 nebenberuflich und ehrenamtlich als Vorsteher – seit der Einstellung des Kirchenbetriebs in Arbon in derselben Funktion in Romanshorn. Letzten Mittwoch wurde er dort in den Ruhestand verabschiedet. «Der Vorsteher versieht ein priesterliches Amt, ist aber in erster Linie seelsorgerisch tätig.» Ein Teil der Arboner Gemeinde war Romanshorn zugeschlagen worden, ein Teil orientierte sich nach Rorschach.

«Probleme mit dem Nachwuchs»

In diesem Jahr wäre die Neuapostolische Kirche Arbon 100 Jahre alt geworden. «Wie die Landeskirchen haben auch wir bei den Neuapostolen ein Problem mit den Nachwuchs», räumt auch Hans Kast ein. «Wir arbeiten alle auf ehrenamtlicher Basis.»

Wenn die Stadt Arbon das Abbruchgesuch und das Neubauprojekt bewilligt haben wird, wird das Gotteshaus vis-à-vis des Kindergartens Waldegg geschleift und anschliessend mit dem Neubau begonnen. Gut 4 Millionen Franken investiert die Kirche gemäss Daniel Gorgas in das Mehrfamilienhaus-Projekt mit neun Wohnungen, die zu günstigen Konditionen vermietet werden sollen. Die Möglichkeit einer Zwischennutzung hatte man geprüft, «es hat sich allerdings nichts ergeben».


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