Der Charme des alten Gebäudes

ARBON. Auf kleinen Stühlchen sitzen, von Spielsachen umgeben, den alten Raum auf sich wirken lassen: die CVP hält ihre Versammlung an der Waagstrasse ab. Ehemalige Kindergärtler sind gekommen und erinnern sich an «Tante Metzger».
14. November 2012, 01:36
HEDY ZÜGER

«Da sind noch Vorfenster eingehängt, das erinnert mich an meine eigene Kindheit», bemerkt ein CVP-Mitglied. Dies vor der unveränderten Front des Kindergartens aus dem Jahr 1879. Im Garten stehen Kinder mit Laternen. Eben war der Laternenumzug zu Ende gegangen. Der Eintritt ins Haus bedeutet, sich in das vorletzte Jahrhundert zu verschieben.

Vom Holzwurm durchwandert

Eine Holztreppe führt ins enge Obergeschoss. Sie verdeutlicht den Alterungsprozess unübersehbar, abgenützt sind die Stufen, vom Holzwurm durchwandert. Im ersten Stock, wo bis vor kurzem alt Lehrer Willi Fässler seine Malkunst ausübte, zieht der Atem der Vergangenheit durch die Nase ein. Die Information über die Zukunft des Kindergartens, die Restaurierung und den Baukredit zog auch Mitglieder anderer Parteien an. Als Erica Siegwart das Farbbild der heutigen Kindergartenschüler sieht, zieht sie eine Aufnahme aus dem Jahr 1929 aus dem sorgfältig aufbewahrten Album: Sie besuchte den Kindergarten Waagstrasse damals selber. Ihre Fotografie zeigt 33 Kinder. Mäuschenstill, mit ernsten Blicken posierten sie für den Fotografen, fotografiert zu werden, das war ein Ereignis.

Vergoldete Fadenspule

Von 1935 bis 1937 besuchte Kurt Biefer den Kindergarten – bei «Tante Metzger». Die Ehemaligen erinnern sich an die Stöckelschuhe, Seidenstrümpfe und den Fuchspelz der eleganten Frau. Geld für Bastelartikel war kaum vorhanden; die Kinder erhielten vor Weihnachten leere hölzerne Fadenspulen, verzierten sie, steckten eine Kerze hinein und trugen sie stolz nach Hause. «Wenn wir spazieren gingen, immer ein Bub und ein Mädchen nebeneinander, hielten wir uns an einem Seil, das durch die ganze Schar lief», erinnert sich Kurt Biefer.

Neue Qualitäten

Céline Stucki, die heute einem Kreis von 16 Kindern mit einiger Sprachvielfalt als Kindergärtnerin zur Verfügung steht, sagt über ihre Beziehung zum 133jährigen Gebäude: «Ich habe mich sogleich in den Charme und die Geschichte des alten Hauses verliebt, trotz einiger Mängel.» Sie stellt sich jetzt auf das vorübergehende Exil im Metropol ein.


Leserkommentare

Anzeige: