Zwei Minuten für die Sicherheit

HEFENHOFEN ⋅ Eine Interessengemeinschaft will die Situation auf dem Schulweg zum Sonnenberg mit bezahlbaren Massnahmen entschärfen. Die Kinder sollen zur Schule laufen können. Profitieren soll jedoch generell der Langsamverkehr.
29. Mai 2017, 05:17
Manuel Nagel

Manuel Nagel

manuel.nagel@thurgauerzeitung.ch

«Sie haben nur zwei Minuten länger», steht auf dem Plakat, welches vor der Ortstafel von Chressibuech hängt. Man solle doch über die Kantonsstrasse ausweichen, werden Automobilisten gebeten. Auch bei Moos kann der aufmerksame Autofahrer – sofern er nicht achtlos daran vorbeifährt – diese Bitte lesen. Es sind zugleich die beiden Problemstrecken. Viele Autofahrer wählen anstelle der Neustudenstrasse (Spange Hölzli) die kürzere Strecke, biegen bei Hatswil oder Moos ab.

«In erster Linie geht es uns um sichere Schulwege», sagt Pascal Reis. Zusammen mit Rebekka Schenk, Susanna Schnyder und Silvia Steinlin bildet Reis die Kerngruppe der «IG –Sicher zur Schule».

Schulhausschliessung hat Situation verschärft

Auslöser für die Interessengemeinschaft war die bevorstehende und mittlerweile vollzogene Schliessung des Schulhauses in Hatswil. «Plötzlich war uns in Moos und Hatswil bewusst, dass nun selbst die Kleinsten in den Sonnenberg hochmüssen», sagt Steinlin, die in Hatswil wohnt. Besonders der Berufsverkehr am Morgen und am Mittag ist ein Problem, da er sich zeitlich mit dem Schulweg deckt. Aber auch am Abend sind Kinder auf di­versen Strecken zum Schulhaus unterwegs.

«Im Sonnenberg steht die Turnhalle», sagt Silvia Steinlin. Die sei wichtig für das Vereinsleben in der Gemeinde. Zu Beginn habe sie die Kinder noch mit dem Velo in die Mädchenriege begleitet, «aber ich habe schnell gemerkt, dass ich das zwischen halb fünf und halb sechs nicht mehr mache». Also fährt Steinlin ihre Kinder, was sie jedoch angurke.

Das Quartett der IG hält jedoch fest, die Situation sei nicht durchgehend schlecht. Es brauche lediglich punktuelle Verbesserungen. Wichtig ist den vieren auch die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Hefenhofen. Man sei regelmässig an Gemeinderats­sitzungen dabei, was man sehr schätze, versichert Pascal Reis.

Im Gegensatz zu seinen drei Mitstreiterinnen aus der Kerngruppe ist Reis noch nicht selber betroffen. Seine beiden Kinder sind erst in ein paar Jahren schulpflichtig. Dennoch engagiert er sich, weil er weiss, «dass die Mühlen langsam mahlen». Es gehe aber nicht nur um Schulkinder, sagt Reis, sondern generell um einen besseren Schutz für den Langsamverkehr. Viele der Wege seien auch offizielle Wander- und Velowege – und der Schutz auf diesen sei mässig bis schlecht.

Massnahmen sollen für Gemeinde finanzierbar sein

«Uns geht’s nicht darum, die Autos wegzuhaben», sagt Silvia Steinlin, aber auch die schwächeren Verkehrsteilnehmer hätten das Recht auf einen sicheren Weg. Ihr sei bewusst, dass sie die Hauptverantwortung für ihre Kinder trage, meint die dreifache Mutter, aber sowohl Gemeinde als auch Schule würden ebenfalls in der Pflicht stehen, einen sicheren Schulweg anzubieten. «Es ist uns ein Anliegen, dass die Kinder zur Schule laufen oder mit dem Velo fahren können», meint Rebekka Schenk, die sich ebenfalls gegen Elterntaxis ausspricht.

Dennoch will die «IG –Sicher zur Schule» keine teuren Luxuslösungen, wie beispielsweise einen Veloweg. «Wir wollen Massnahmen, die für die Gemeinde ­finanzierbar sind und ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis haben», sagt Steinlin. Für Schenk ist es zudem wichtig, dass die Lösungen in nützlicher Frist da sind. Jetzt habe es viele Kinder. Man habe an anderen Orten verschiedene Lösungen gesehen und trage diese nun zusammen, erzählt Schenk. Ihr sei es ein grosses Anliegen, dass man merke, es sind Bemühungen da, die Situation zu entschärfen, auch wenn es noch nicht das Nonplusultra sei.

So hat die IG unter anderem auch mit dem kantonalen Tiefbauamt die 80er-Strecke zwischen Chressibuech und Sonnenberg angeschaut. Das Aufstellen von Leitpfählen wäre eine kostengünstige Massnahme, die schnell umgesetzt werden könnte und vom Kanton auch unterstützt würde.

Grosse Unterstützung erfährt die IG auch von den Gemeindebewohnern. Obwohl die nördlich des Schulhauses gelegenen Weiler nicht betroffen sind, haben rund 400 Leute für das Anliegen unterschrieben. Ziel sei es, die ­Situation auch ausserhalb der Gemeinde bewusst zu machen – bei den Automobilisten, die dort täglich durchfahren. Und die Tat­sache, dass der Zeitgewinn nicht einmal zwei Minuten beträgt.

Kontakt und Informationen

unter www.pascalreis.com

(«IG – Sicher zur Schule»)


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