Tagblatt Online, 23. Februar 2012 01:06:00
Er sorgt für grade Rücken
In einem Betrieb kontrolliert Albert Happle die Haltung der Mitarbeiter während der Arbeit. (Bild: Nana do Carmo)
Schlechte Körperhaltung führt zu Schmerzen. Oft sind es aber schlecht eingerichtete Arbeitsplätze, die die Ursache für die falsche Haltung sind. Betriebsergonom Albert Happle ist solchen Arbeitsplätzen auf der Spur.
RITA KOHN
AMRISWIL. Seit Jahren leidet die junge Frau unter Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich. Erst ein Besuch von Albert Happle kann Abhilfe schaffen. «Sie ist auf einem alten Bürostuhl gesessen, der leicht verkantet war», erklärt er. Albert Happle ist Betriebsergonom. Er weiss um die Zusammenhänge von permanenten Schmerzen und falscher Körperhaltung bei der Arbeit. Auch der jungen Frau konnte er helfen. Sie hat inzwischen einen neuen Bürostuhl, die Schmerzen sind abgeklungen.
Nicht jeder Chef hat ein offenes Ohr, wenn die Mitarbeiter sich über einen schlecht eingerichteten Arbeitsplatz beklagen. Das weiss auch Albert Happle, der seit einigen Jahren sukzessive von der Physiotherapie auf die Betriebsergonomie umgestiegen.
Vermeiden statt heilen
«Ich hatte in meiner Praxis Leute, die immer wieder mit denselben Beschwerden konfrontiert waren», sagt Happle. Oft sei dafür die falsche Haltung während der Arbeit verantwortlich. Alber Happle ist überzeugt: «Wir sollten so weit kommen, dass wir solche Schmerzen durch einen gut eingerichteten Arbeitsplatz vermeiden anstatt sie später zu behandeln.»
Doch braucht es erst mal eine Analyse der Situation, um die Schwachstellen zu erkennen und nach Lösungen zu suchen, das Problem zu beseitigen. Schon eine falsch plazierte oder falsch ausgerichtete Lampe könne zu dauerhaften Beschwerden führen, weiss Albert Happle. Nicht immer brauche es grosse Massnahmen, um einen Schmerzen verursachende Arbeitsplatz umzugestalten. «Aber es kann durchaus sein, dass für den betroffenen Mitarbeiter ein neuer Stuhl, ein höhenverstellbarer Tisch oder anderes Mobiliar angeschafft werden sollte.»
Individuell gestalten
In den neuen Räumen des Ergostore, den Albert Happle vor ein paar Wochen an der Weinfelderstrasse in Amriswil eingerichtet hat, findet sich eine Auswahl an geeignetem Mobiliar. Er sei froh, den Betroffenen die Möglichkeit zu bieten, auf die verschiedenen Stühle zu sitzen oder mehrere Tischmodelle auszuprobieren, bevor sie sich für das Geeignete entscheiden, sagt der Betriebsergonom.
Nicht jedes Mobiliar kann auf jeden Arbeitnehmer angepasst werden. «Es gibt Menschen, die ziehen es vor, an einem Stehpult zu arbeiten, während das für andere eine grosse Belastung darstellen könnte. So sollte auf die individuellen Bedürfnisse geachtet werden.
Bewusstsein wächst
Obwohl Albert Happle häufig über private oder öffentliche Versicherungen beauftragt ist, eine Arbeitsplatz-Analyse zu erstellen, kommen immer häufiger Aufträge direkt aus den Betrieben. «Das Bewusstsein der Chefs um die Bedeutung eines gut eingerichteten Arbeitsplatzes wächst» sagt Happle erfreut.
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