Heraushören, was gemeint ist

AMRISWIL. «Wir meinen, etwas zu sagen, aber wir sagen gar nichts», sagt Patrick Rohr. Im Kulturforum gab er den Zuschauern Tips, wie man ein gutes Gespräch führt.
25. Februar 2011, 01:10
Hugo Berger

Gelangweilt hat sich während des gut einstündigen Vortrags des Journalisten und Kommunikationsfachmannes Patrick Rohr am Mittwochabend im Kulturforum keiner der rund 200 Zuhörerinnen und Zuhörer. Mit seinen spitzen Formulierungen sorgte der Referent immer wieder für Lacher.

Tabuthemen gebe es nicht, nur falsch geführte Gespräche, betonte Rohr. Warum misslingen so viele Gespräche? «Wir kommunizieren wie die Wilden, aber wir reden immer weniger miteinander», ist er überzeugt. Der Anlass wurde von der Igea und der Volksschule organisiert.

Wie man Vertrauen schafft

Kommunikation sei eine komplexe und schwierige Angelegenheit, macht Rohr deutlich. «Es ist wie ein Puzzlespiel; alle Teile müssen zusammenpassen.» Grundlage für ein gutes Gespräch sei das gegenseitige Vertrauen. Ob man jemandem vertrauen schenken wolle, entscheide sich in den ersten sieben Sekunden.

Eine entscheidende Rolle spielt nach den Worten des Referenten die Körpersprache.

Denn die Signale, welche im Gespräch durch Mimik und Körperhaltung ausgesendet werden, hinterlassen beim Gesprächspartner den grösseren Eindruck, als das gesprochene Wort es vermag. Wie wirkt man glaubwürdig? Ganz einfach: durch Ehrlichkeit.

Eine Aussage deuten

Viele Unstimmigkeiten entstehen durch Missverständnisse, denn nicht immer kommt die Botschaft beim Gegenüber so an, wie sie gemeint ist.

Dies machte Rohr an einem Beispiel deutlich: «Da vorne ist grün», sagt der Mann zu seiner Frau, die am Steuer sitzt. Ist das eine sachliche Feststellung? Ein Appell, schneller zu fahren, weil er ungeduldig ist; oder will er damit gar andeuten, sie könne nicht zügig Autofahren? Je nachdem, wie die Frau den Satz versteht, fällt ihre Reaktion aus.

Die Kunst bestehe darin, herauszuhören, was der Gesprächspartner tatsächlich meine. «Viele Konflikte könnten vermieden werden, wenn man bei Unsicherheit einfach nachfragt», betonte Rohr.

Richtigen Zeitpunkt wählen

Am Ende der Veranstaltung nutzten die Zuhörer die Gelegenheit, dem bekannten Fernsehmann, der heute in Zürich seine eigene Kommunikationsfirma führt, Fragen zu stellen.

«Wie bringe ich meinen Chef dazu, dass er mir nicht nur das Negative unter die Nase reibt?», wollte eine Zuhörerin wissen. «Führen Sie mit Ihrem Chef ein Gespräch, aber bereiten Sie sich darauf vor, und warten Sie den richtigen Zeitpunkt ab», so der Rat. Wichtig sei zudem, dass sie ein gutes Gesprächsklima schaffe, etwa durch die Andeutung, dass ihr die Arbeit in der Firma Spass mache.

Mit einem anderen Problem kämpft eine Arzthelferin. Sie wollte wissen, wie sie den Redeschwall, den eine Patientin beim Arztbesuch jeweils über sie ergiesse, auf höfliche, aber bestimmte Art unterbrechen könne. Hier konnte der Referent auf seine Erfahrung als Moderator der Sendung «Arena» zurückgreifen: «Oft hilft es, wenn man die Person mit dem Namen anspricht. Jeder horcht auf, wenn er seinen Namen hört.

» Im geschilderten Fall könne es aber auch sein, dass das grosse Bedürfnis zu reden, der Angst der Patientin entspringe. «Versuchen Sie der Frau die Angst zu nehmen, etwa indem Sie sagen: », riet der Gast.


Leserkommentare

Anzeige: