Der erste Schritt nach Frauenfeld

KRADOLF-SCHÖNENBERG. Am Tag danach ist Walter Schönholzer die Freude über die Nomination zum FDP-Regierungsratskandidaten noch deutlich anzumerken. Die Arbeit für Kradolf-Schönenberg werde nicht leiden, versichert der Gemeindepräsident.
31. Oktober 2015, 09:10
GEORG STELZNER

«Regierungsratskandidat – das tönt schon gut», sagt Walter Schönholzer, seit 2006 Gemeindeammann beziehungsweise Gemeindepräsident von Kradolf-Schönenberg. «Ich werde deswegen aber bestimmt nicht abheben, dazu bin ich ein zu bodenständiger Mensch», erklärt der 50jährige Politiker. Zudem sei er ja auch erst nominiert und noch nicht gewählt worden.

Befürchtungen, dass er sich nun in den Wahlkampf stürzen und die Tätigkeit in der Gemeinde vernachlässigen könnte, zerstreut Schönholzer umgehend. Er sei gewählt worden, um in Kradolf-Schönenberg einen guten Job zu machen und fühle sich der Bevölkerung weiterhin und unvermindert verpflichtet. Seiner Regierungsratskandidatur werde er sich hauptsächlich in den Abendstunden und an Wochenenden widmen.

Vom Sport profitiert

«Ich war am Donnerstagabend keineswegs die Ruhe selbst, sondern angespannt», gesteht Schönholzer. Für ihn sei viel auf dem Spiel gestanden. Seit zweieinhalb Jahren habe er sich gedanklich mit einer Kandidatur für den Regierungsrat befasst. In der entscheidenden Situation, als es darum ging, die Parteimitglieder von den eigenen Fähigkeiten zu überzeugen, hätten ihm die Erfahrungen von seinen Skitouren im Hochgebirge und vom Armbrustschiessen geholfen. Dort habe er gelernt, sich in ganz bestimmten Momenten voll zu konzentrieren.

«Beruflich wäre die Welt für mich nicht untergegangen, wenn die FDP-Mitglieder anders entschieden hätten; eine bittere Niederlage wäre es gleichwohl gewesen», räumt Schönholzer ein. Eine Erklärung für den klaren Erfolg an der Nominationsversammlung habe er nicht. Sein hoher Bekanntheitsgrad und das sehr gute Abschneiden der FDP Thurgau bei den Nationalratswahlen am 18. Oktober seien aber sicher hilfreich gewesen. Seit rund zwei Jahren präsidiert der nunmehrige Regierungsratskandidat die Kantonalpartei.

Über den bevorstehenden Wahlkampf habe er sich noch keine grosse Gedanken gemacht. Er werde ein Team zusammenstellen, dieses jedoch nicht selber leiten, führt Schönholzer aus. Der auf ihn nun zukommenden Doppelbelastung blickt er gelassen entgegen. «Ich werde diese Zeit als eine Art Trainingslager für die allfällige Tätigkeit als Regierungsrat betrachten.»

Seit 20 Jahren in der Politik

Sollte Schönholzer gewählt werden, wäre das gleichbedeutend mit dem Ende seiner Karriere als Kommunalpolitiker in Kradolf-Schönenberg. Er befürchtet nicht, dass ihm die Wähler den Wechsel in die Kantonshauptstadt übelnehmen würden. Er engagiere sich seit zwei Jahrzehnten für die Gemeinde, und es sei ein normaler Prozess im Leben eines Menschen, sich weiterzuentwickeln.

«Ich bin den Wählern von Kradolf-Schönenberg dankbar, dass sie mir die Chance zum Einstieg in die Politik gegeben haben», sagt Schönholzer. Entscheidende Weichenstellungen in seiner Biographie seien die Wahl in den Gemeinderat und der Wechsel von der Privatwirtschaft in das Amt des Gemeindeammanns gewesen. «Ich würde es als Kompliment auffassen, wenn die Leute meine Neuausrichtung nun bedauern», erklärt Schönholzer.


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