Das Handy schickt ihn Brot kaufen

AMRISWIL. Der Amriswiler Michele Sorice hatte die Idee, eine App zu entwickeln, die dann an ein Ereignis erinnert, wenn es gerade am sinnvollsten ist. In über 60 Ländern ist die App schon heruntergeladen worden.
07. Juli 2015, 02:40
RITA KOHN

Sobald sich Michele Sorice vom Büro aus auf den Heimweg macht, meldet sich sein Handy: «Unbedingt noch Brot kaufen!» So kann der Amriswiler gleich die Bäckerei ansteuern und mitbringen, was er besorgen sollte. Eine Erinnerung zur richtigen Zeit also. «Es nutzt wenig, wenn man sich eine Notiz irgendwo hinlegt und sie dann viel zu spät erst wieder bemerkt», sagt er.

Weil es ihm selber immer wieder passiert ist, dass etwas vergessen gegangen ist, hat er nach einem Weg gesucht, Erinnerungen zum richtigen Zeitpunkt zu erhalten. Dabei stand für ihn eine App im Vordergrund, denn das Handy ist immer dabei.

Einfach in der Anwendung

Sorice, Inhaber der Multimedia-Agentur Vidyo GmbH in Amriswil, weiss, wie wichtig es ist, Anwendungen möglichst einfach zu gestalten, damit sie im Alltag bestehen können. Deshalb stand für ihn fest, dass es eine App geben sollte, die sich so einfach bedienen lässt, dass auch Menschen, die nicht ganz so vertraut sind mit neuen Medien, sie benutzen können.

«Es braucht wirklich nur ganz wenige Handgriffe», versichert Michele Sorice und greift zum Iphone, das auf dem Tisch liegt. Sekundenbruchteile später hat er über die App das Erinnerungsprogramm geöffnet. Mit wenigen Fingerbewegungen ist eine neue Erinnerung gesetzt, die der Erfinder mit ein paar Worten aufs Handy gesprochen hat. «Wenn ich diesen Umkreis betrete, wird mir mein Handy nun automatisch wiedergeben, was ich vorher aufgenommen habe», erklärt Sorice.

In über 60 Ländern

Was sich Michele Sorice in Amriswil ausgedacht hat, kommt schon in über 60 Ländern zur Anwendung. Denn die App wird fleissig heruntergeladen. Sogar in den USA wurden bereits 800 Apps abgesetzt. «Wir haben dafür keine Werbung gemacht, bieten sie im App-Store aber mit einer Gratis-Version an», sagt der Amriswiler. Das habe gereicht, um das Projekt zu einem kleinen Selbstläufer zu machen. Unter der Bezeichnung ricord@me ist die App derzeit in den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Portugiesisch zu haben. Weitere Sprachen sollen bald folgen, so etwa Spanisch.

Nicht davon leben

Für Michele Sorice ist klar, dass die App vorläufig kaum etwas einbringt. Die Gratisversion mit bis zu drei Anwendungen gleichzeitig ist begehrt, doch auch die Vollversion zum Preis von einem Franken wird heruntergeladen. «Wenn mal an die 100 000 Apps verkauft wären, hätten wir die Entwicklungskosten problemlos eingespielt», sagt der Amriswiler. Vorläufig sei das aber keine realistische Grösse. «Wir wussten jedoch, dass wir mit der App keine Reichtümer ansammeln werden.» Vielmehr gehe es darum, den Boden für andere, weitere Entwicklungen zu ebnen.

Entwickelt hat Michele Sorice die App zusammen mit einem Partner, der darin bereits Erfahrung hat. «Ich selber bin kein Programmierer», bekennt der Geschäftsleiter der Vidyo GmbH. Gearbeitet hätten sie rund zwei Monate daran, bis die erste Version angeboten werden konnte. Seither würden sie das Programm stetig verfeinern und überarbeiten.

Noch gibt es die App ausschliesslich für Iphones. Besteht Bedarf, wird sie auch für andere Smartphones ausgearbeitet. Das will aber gut überdacht sein, die Modellvielfalt macht dies zu einem schwierigen Unterfangen.


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