Tagblatt Online, 03. Februar 2012 08:05:00
Wil spricht mit den Moslems
Gut besuchtes Podium: Der grosse Publikumsaufmarsch wurde auch von zahlreichen Medienschaffenden begleitet. (Bild: Benjamin Manser)
WIL. Die Islamische Gemeinschaft Wil hat ihr Bauprojekt zum geplanten islamischen Zentrum der Bevölkerung an einer Podiumsdiskussion vorgestellt. Die Wiler Zeitung hat Stimmen eingefangen.
MONIQUE STÄGER/SILVAN MEILE
«Ich bin stolz auf die Wiler.» Dieses Lob kam aus dem Mund von Beda Meier, Leiter Kompetenzzentrum Integration des Kantons St. Gallen, nach einem rund zweistündigen Informationspodium zum islamischen Begegnungszentrum in Wil. «Ich habe diesen Abend als äusserst positiv erlebt, er war von hoher Qualität», führte Meier weiter aus.
Interreligiöser Dialog gepflegt
Die Qualität der Auseinandersetzung auf so hohem Niveau sei ein Zeichen dafür, dass in Wil seit Jahren ein intensiver, interreligiöser Dialog gepflegt werde. Damit eine Auseinandersetzung in einer respektvollen Atmosphäre möglich sei, müsse man sich kennen, und das hätten die Wiler geschafft.» Der Leiter des Kompetenzzentrums Integration holte sogar noch weiter aus: «Ich habe so etwas in einer anderen Region noch nicht erlebt.»
Auf dem Podium diskutierten die Vertreter aus Politik, der Behörde und den Landeskirchen über das geplante Projekt des islamischen Begegnungszentrums. Es gab Applaus, es gab Gemurmel – teils beipflichtend, teils unwillig –, doch blieb die Veranstaltung bis zum Schluss fair.
Einen Kritikpunkt fanden verschiedene Besucher der Veranstaltung in der Tatsache, dass viele grundsätzlich religiöse Fragen und Ausführungen über den Islam thematisiert worden seien, was die Diskussion leicht vom effektiven Bauprojekt abschweifen liess. Einige zeigten sich überrascht, dass sich nicht mehr Gegner des geplanten Baus an der Veranstaltung zeigten. Diesbezüglich wurde aber auch die Vermutung geäussert, dass sich gerade Kritiker des Projekts respektive des Islams mit Voten zurückhielten. Insgesamt herrschte eine sehr positive Stimmung gegenüber den moslemischen Mitmenschen und ihrem Wunsch nach eigenem Raum. Unter den mehr als 200 Besuchern in der Aula der kantonalen Psychiatrischen Klinik machten sie knapp die Hälfte der Podiumsteilnehmer aus.
Gleichstellung der Geschlechter
Die bekannten Diskussionspunkte führten im Publikum zu unterschiedlichen Reaktionen. So unterstrich Mario Schmitt (SVP) das Anliegen seiner Partei auf gleiche Rechte für Mann und Frau und kritisierte, dass die Männer und Frauen zwar im gleichen Raum beten werden, jedoch getrennt voneinander. Während man im Publikum einerseits beipflichtendes Kopfnicken und verhaltenen Applaus vernahm, äusserten sich vier junge Muslimas gegenteilig. «Das ist keine Frage des gleichen Rechts, ich fühle mich einfach wohler, wenn dicht neben und hinter mir eine Frau betet und nicht ein Mann», sagt Amire Djeladini. Samira Djeladini und Gabrjela Kavacevic zeigen mit Kopfnicken, dass sie gleicher Meinung sind. Es sei für sie einfach wichtig, dass sie in einem würdigen Rahmen beten dürfen. «Ich denke, dass auch die Christen sich für ihr höchstes Gebet lieber in der Kirche als in einer Garage oder einem Keller treffen», fügt Valentina Shala hinzu. Und es war schliesslich der katholische Stadtpfarrer Roman Giger, der als Podiumsteilnehmer ein kleines Mädchen seines Glaubens nach dem Besuch des bestehenden islamischen Zentrums an der Titlisstrasse mit den Worten «einen besseren Raum hätten die Moslems schon verdient» zitierte.
Probleme mit dem Verkehr
Adrian Bächle, Mitglied der IG Wiler Süden, kritisiert Mario Schmitt und findet: «Wir sind heute abend keinen Schritt weiter gekommen.» Der SVP-Vertreter habe sich in einer religiösen Debatte verloren und die Sachpolitik und Aspekte zum Projekt nicht vorgebracht. «Heute abend hätte man den Standort auch einmal in Frage stellen sollen. Wir haben in Wil bessere Standorte, an denen ein solches Projekt aus verkehrstechnischer Sicht besser zu realisieren wäre.
Enttäuscht zeigt sich auch Heinz Baumgartner. «Der Abend hat nicht gebracht, was ich mir erhofft habe.» Er wohnt an der Ilgenstrasse, in der Nachbarschaft zur Parzelle der Islamischen Gemeinschaft. Baumgartner kritisiert, dass die Anwohner nicht auf dem Podium vertreten waren. «Es wurde über Religionen diskutiert und nicht über das Projekt.» Auch Urs Etter und Willy Bähler wohnen an der Ilgenstrasse. «Der Abend läuft so, wie ich erwartet habe», sagt Urs Etter und verweist auf die Zusammensetzung des Podiums: «Kritische Fragen kommen nur von der SVP.» Willy Bähler stimmt seinem Nachbarn zu und fügt an: «An der Rosenstrasse ist es zu eng.»
Ebenfalls enttäuscht über den Verlauf des Abends zeigte sich eine weitere Anwohnerin des Südquartiers, die auch Einsprache gegen das Bauvorhaben einreichte. Es besuchte die Podiumsveranstaltung, um auch das weitere Vorgehen zur Behandlung der Einsprachen zu erfahren. «Die Stellung des Stadtrats ist undurchsichtig», sagte sie mit Verweis auf Stadtrat Marcus Zunzers Aussage, aufgrund des laufenden Verfahrens diesbezüglich keine Stellung beziehen zu können.
Im Grundsatz einig
«Die Positionen sind bezogen. Der Abend hat wohl kaum dazu beigetragen, dass die Leute ihre Meinung ändern», sind sich Heinrich und Ruth Frick einig. Die beiden wohnen ebenfalls im Süd-quartier. Man sei sich zwar einig, dass den Moslems eine würdige Gebetsstätte zustehe, doch keiner wolle sie in der Nachbarschaft. «Hier braucht es Toleranz und Offenheit. Wenn der Bau zonenkonform ist, dann wird und soll er auch kommen.» ostschweiz 29
- Artikel empfehlen:








Kommentar lesen
okifinoki (05. Februar 2012, 10:43)
zitat.........
.....pfarrer heinz angehrn, abtwil im sg-tagblatt vom 04.02.12 :....so sehr bin ich der meinung, dass mit dem islam und seinen vertretern in unserem land nicht lieb und nett sondern knallhart diskutiert werden muss. also etwa so : KEINE RELIGIONSZENTREN UND ÜBERHAUPT RELIGIONSANSPRÜCHE OHNE VORBEHALTLOSES JA ZU SÄMTLICHEN GRUNDWERTEN UNSERES STAATSWESENS!! stimmt, die einzige sprache die diese vereingungen und deren mitglieder verstehen !!! -
Beitrag kommentierenKommentar schreiben