Tagblatt Online, 08. Februar 2012 01:04:00
Enormer Einsatz für Sicherheit
Wintersportgebiet
Deutlich mehr Aufwand: Die enormen Neuschneemengen bedeuten für die Mitarbeiter der Bergbahnen (hier bei der Bahn auf dem Chäserrugg) viel zusätzliche Arbeit. (Bild: Heini Schwendener)
WILDHAUS. Der extreme Winter stellt hohe Ansprüche an Fahrzeuge und Material in den Wintersportgebieten. Auch die Mitarbeiter sind fast pausenlos im Einsatz, um die Sicherheit und das Vergnügen der Wintersportler sicherzustellen.
THOMAS SCHWIZER
Weit vor dem Morgengrauen beginnt der Einsatz der Pistenarbeiter, die mit ihren Raupenfahrzeugen dafür sorgen, dass die Bedingungen für die Wintersportler gut sind, wenn die Bahnanlagen um 8.30 Uhr in Betrieb gehen. Üblicherweise können die Mitarbeiter dann tagsüber etwas Ruhezeit einziehen, weil oft ein reduzierter Einsatz genügt.
Extrem hohe Belastung
Ganz anders war es in diesem Winter. In den vergangenen Wochen wurden Mann und Maschine extrem belastet. Fast anhaltende intensive Schneefälle «warfen» täglich bis zu einem halben Meter und mehr Schnee auf die Pisten. Dieser musste umgehend verarbeitet werden, damit man «Pisten gut» vermelden konnte. Und das von morgens 4.30 Uhr den ganzen Tag über bis weit in die Abendstunden.
Erschwerend kamen die ungewohnt häufigen und kräftigen Sturmwinde hinzu, welche für gewaltige Schneeverfrachtungen sorgten. Mit grossem Aufwand waren diese wegzuräumen.
In den tieferen Lagen der Wintersportgebiete im Obertoggenburg sorgten die wechselnden Temperaturen ausserdem dafür, dass – kaum waren die grossen Neuschneemassen für gute Pistenverhältnisse «verarbeitet» – Regen die geleistete Arbeit praktisch wieder zunichte machte.
Das schildert Walter Tobler, der auf viele Jahre als Technischer Leiter bei den Bergbahnen Wildhaus zurückblicken kann. So viel Schnee wie in diesem Winter habe er in dieser langen Bähnler-Zeit noch nie erlebt. Damit die Wintersportler so sicher wie möglich ihre Schwünge in den Schnee ziehen können, sind die Pistenarbeiter fast ohne Pause im Einsatz.
So sicher wie möglich
Im obwaldnerischen Lungern ist am Sonntag ein Mast mitsamt Betonfundament von langsam «kriechenden» Schneemassen verschoben worden. Zu diesem Unglück sagt Walter Tobler: «Wir sind nun noch aufmerksamer als eh schon.» Im nachhinein sei es immer einfach zu sagen, man hätte das bemerken sollen, nimmt Walter Tobler seine Kollegen in Lungern in Schutz. Derweil warnt ein Geologe, dass dies auch andernorts passieren könne, weil die derzeit extrem grosse Schneemenge ein enormes Gewicht aufweist. Tatsächlich hafte auch im Obertoggenburg der Schnee nicht so gut auf dem Boden wie andere Jahre – wegen der warmen Monate November und Dezember. Das bestätigt Walter Tobler. Der betreffende Hang in Lungern sei aber exponierter und nicht mit den Hängen im Obertoggenburg vergleichbar. Grundsätzlich sei das Problem mit dem Gleitschnee bekannt. Wegen des Vorfalls in Lungern, der seines Wissens schweizweit der erste dieser Art war – Mast samt Fundament verschoben –, achte man aber auch in Wildhaus spezifischer auf diese mögliche Gefahr, vor allem auf Rissbildungen im Schnee.
Der Vorfall belegt laut Walter Tobler, dass es trotz aller Vorsichtsmassnahmen nie 100prozentige Sicherheit gibt bei technischen Anlagen. Aber wir tun alles, dass wir so nahe wie möglich an 100 Prozent kommen, versichert er.
Aufwand und Kosten höher
Die enormen Neuschneemengen, die in den Wintersportgebieten wochenlang Tag für Tag zu guten Pisten «verarbeitet» werden mussten, schlagen sich auch auf der Kostenseite nieder.
Viele zusätzliche Arbeitsstunden, vor allem im Pistenunterhalt, und höhere Treibstoffkosten schlagen zu Buche, sagt der Technische Leiter der Bergbahnen Wildhaus. Aber auch die hohe Zahl der Betriebsunterbrüche einzelner Liftanlagen – wegen fast alltäglichen Sturmwinden von über 100 Stundenkilometern ist auffallend. Laut Walter Tobler ist sie diesen Winter bereits höher als in den letzten beiden Jahren zusammengezählt. Beim Gamserrugg-Lift ist das Seil gar mehrfach aus den Rollen und den «Seilfängen» gerissen worden – aber immer als der Betrieb sicherheitshalber bereits eingestellt war.
«So wie es seit einigen Tagen ist, ist es herrlich», stellte Tobler fest. Einzig das richtig schöne Wetter fehlt zur vollständigen Zufriedenheit.
- Artikel empfehlen:








Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.
Kommentar schreiben