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Tagblatt Online, 08. Februar 2012 07:03:59

Wenn die Wasserleitung gefriert

Heizungsfachmann Martin Linsebacher Zoom

Operation an offener Leitung: Sanitär Martin Linsebacher gestern im Kältenoteinsatz in einem älteren St. Galler Haus. (Bild: Urs Bucher)

Die sibirischen Temperaturen fordern auch in der Stadt St. Gallen ihren Tribut: Seit Samstag sind Sanitäre und Heizungstechniker im Dauereinsatz. Noch nie mussten sie für vereiste Leitungen und ausgestiegene Heizungen so oft ausrücken. Auch die Autos kommen an ihre Grenzen.

ODILIA HILLER

Reto Pircher klingt erschöpft. Seit Samstag hat er kaum geschlafen. Höchstens vier Stunden pro Nacht. Dabei kam der Sanitärfachmann gerade erst aus den Sportferien zurück, als es losging: Die sibirische Kaltfront lässt seit vergangenem Wochenende auch in St. Galler Haushalten die Leitungen gefrieren. Allein am Sonntag erhielt Pircher 20 Notrufe und rückte 16mal aus, um gefrorene Leitungen aufzutauen, geborstene zu retten und Wasserschäden zu beheben. Gestern klingelte das Telefon ununterbrochen weiter.

«Das habe ich noch nie erlebt»

Und nicht nur bei ihm. Alle angefragten St. Galler Sanitär- und Heizungsfachleute standen gestern im Dauereinsatz. «Fällt die Temperatur mehr als drei Tage lang unter zehn Grad minus, frieren vor allem in schlecht isolierten Altbauten die Wasserleitungen ein», sagt Reto Rusterholz, geschäftsführender Inhaber der Spenglerei Gabler Söhne AG. Diesmal komme erschwerend die Bise hinzu, was das Ganze noch beschleunigt habe. Auch seine Männer fahren seit Samstag rund 20 Einsätze pro Tag. «Davor hatten wir drei Jahre lang keine einzige gefrorene Leitung.»

Nicht immer gehen gefrorene Leitungen gleich kaputt, erklärt Rusterholz. Deshalb ist die erste Massnahme des Sanitärs meist das Auftauen der Rohre mit Hilfe eines elektrischen Transformers. Dies funktioniert allerdings nur bei den meist älteren Kupfer- und Eisenleitungen. Gefriert das Wasser in einem Kunststoffrohr – auch das kann passieren, sofern genug kalte Luft herankommt – bleibt nichts anderes übrig, als die kalten Wände davor punktuell mit mobilen Heisslüftern zu erwärmen.

«So etwas wie jetzt habe ich noch nie erlebt», sagt Sanitär Reto Pircher. Normalerweise werde er ein- bis zweimal pro Winter wegen gefrorener Leitungen gerufen. «Das hier ist etwas anderes.» Viele habe es bei der Rückkehr aus den Sportferien «erwischt». Sie hätten die Heizungen während der Ferien heruntergefahren – und womöglich im Keller ein Kippfenster offenstehen lassen.

Die Brenner sind überfordert

Alex Staubli ist Leiter der Servicestelle St. Gallen des Heizungsgrosshändlers Walter Meier AG. Seine täglichen Einsätze haben sich seit dem Kälteeinbruch verfünffacht. «Den Leuten ist oftmals nicht klar, dass die Heizungsanlagen und Isolationen ihrer Häuser auf Aussentemperaturen bis minus acht Grad ausgelegt sind», sagt Staubli. Wer dann erwarte, dass sein Haus auch bei noch tieferen Temperaturen immer gleich warm bleibe, überfordere den Brenner seiner Heizung. «Der läuft dann 24 Stunden durch. Vor allem für Brenner, die schon sieben, acht Jahre alt sind, ist das eine zu hohe Belastung.» Doch manchmal sei die Ursache für eine ausgefallene Heizung auch viel einfacher: «Unsere erste Frage lautet immer: Haben Sie noch genug Öl im Tank?» Oft genug laute die für die Betroffenen überraschende Antwort Nein.

Fragt man die Fachleute nach Vorkehrungen, um gefrorene Leitungen und überforderte Brenner zu vermeiden, lautet die Antwort unisono «Löcher zu», – Fenster schliessen. Kurzes Stosslüften ist erlaubt, im übrigen sollte man auf ein rundum geschlossenes Haus achten, damit die Wände nicht zu stark auskühlen.

Auch mal mit 40 Grad duschen

«Und vielleicht begnügt man sich in diesen Tagen in Gottes Namen einmal mit einer etwas niedrigeren Raumtemperatur und zieht dafür einen Pulli mehr an», sagt Staubli. Und falls die Heizung so eingestellt ist, dass sie beim Warmwasser spart: Auch Duschen mit Wasser, das nur 40 Grad warm ist, hat noch niemanden umgebracht. seite 25





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