Verfolgungsjagd im Lachen-Quartier: Wie eine Hündin zur Heldin wurde

ST.GALLEN ⋅ Im Lachen-Quartier ist die Verfolgungsjagd vom Donnerstag noch präsent. Nach dem Schrecken macht sich Erleichterung breit. Die Heldin der Lachen ist eine Hündin.
22. Dezember 2017, 19:24
Christoph Renn
Vor der Migros Lachen warten Passanten auf den Bus. Quartierbewohner rennen mit prall gefüllten Einkaufstaschen über die Strasse und fliehen vor den kalten Regentropfen. Es herrscht Alltag. Doch noch am Donnerstag war nicht daran zu denken, denn das Quartier wurde Schauplatz einer Verfolgungsjagd. Gemäss Mitteilung der Stadtpolizei stiegen drei Einbrecher gegen 10.45 Uhr in Herisau in eine Wohnung ein. Um elf Uhr morgens bauten sie dann bei einem Überholmanöver direkt neben der Bushaltestelle Lachen einen Unfall. Schnell waren Polizeiautos vor Ort. Doch die Täter setzten ihre Flucht zu Fuss fort.

Die drei Einbrecher rechneten jedoch nicht mit Lyonnesse, dem Bluthund des Quartierpolizisten Christian Gisler. «Zwei Flüchtige konnten wir bereits nach wenigen hundert Metern fassen», sagt Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen. Den Dritten konnte die Polizei dank Lyonnesse kurze Zeit später in einem Schuppen in der Nähe aufspüren und festnehmen.
 

Überall waren Polizisten in Uniform

Lyonnesse ist auch einen Tag nach dem Vorfall die Heldin im Lachen-Quartier. «Die Leute wissen, dass der Hund den letzten Flüchtigen gefasst hat», berichtet die Verkäuferin des Kiosks, der direkt gegenüber der Unfallstelle liegt. Ihm gelte der Dank. «Doch kurz nach dem Vorfall wussten die Leute noch nicht, was geschehen war.» Als bekannt geworden sei, dass drei Personen zu Fuss auf der Flucht seien, habe sich Angst breitgemacht. «Es herrschte eine Unsicherheit», ergänzt sie. Alle hätten wissen wollen, was genau vorgefallen sei.

Dies bestätigt auch eine Verkäuferin des Vögeli-Becks, der ebenfalls auf der gegenüberliegenden Strassenseite des Unfallortes eine Filiale betreibt. «Kurz bevor ich in die Pause wollte, sah ich Personen die Schönbrunnstrasse runter rennen», sagt sie. Doch habe sie nicht gewusst, was genau geschehen sei. Blaulicht und Sirenen hätten das Quartier danach für rund drei Stunden auf Trab gehalten. Etliche Schaulustige hätten das Treiben beobachtet.
Doch nicht nur auf der Hauptstrasse wurde das Geschehen registriert. Auch Mitarbeiterinnen des Kindergartens am Isenringweg wurden Zeuginnen der Verfolgungsjagd, denn die Flüchtigen rannten am Schulhaus vorbei. «Überall waren Polizisten», berichtet eine Mitarbeiterin. Doch die Kinder hätten von der Verfolgungsjagd nichts gemerkt. Das sei das Wichtigste gewesen. Der Unterricht habe normal weitergeführt werden können.

Auch wenn sich im Lachen-Quartier am Donnerstag Angst breitgemacht hatte, überwog gestern bei den Quartierbewohnern die Erleichterung, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Und vor allem darüber, dass die Einbrecher gefasst wurden.
 

Die Täter sind zwischen 21 und 26 Jahre alt

Die drei Einbrecher sitzen momentan in Haft, wie Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei, bestätigt. «Die drei Männer stammen aus Rumänien, Kroatien und Mazedonien. Sie sind zwischen 21 und 26 Jahre alt.» Das Auto ist in Italien eingelöst worden. «Bei den drei Einbrechern handelt es sich um typische Kriminaltouristen», sagt Krüsi. Sie hätten sich in einem Hotel in der Stadt niedergelassen und seien mit gefälschten Papieren unterwegs gewesen. Momentan laufen Abklärungen, ob die Männer mit anderen Delikten in Verbindung gebracht werden können.