Helvetia beerdigt Tiefgarage Schibenertor in St.Gallen

ST.GALLEN ⋅ Kanton und Stadt St.Gallen sowie die Helvetia Versicherungen prüfen, die Bibliotheken ins Union-Gebäude am Oberen Graben zu zügeln. Das umstrittene Projekt für ein Parkaus Schibenertor ist damit gestorben.
Aktualisiert: 
19.06.2017, 10:00
19. Juni 2017, 10:02
Johannes Wey
Das Union-Gebäude befindet sich in Besitz der Helvetia-Versicherungen. Unmittelbar vor und unter dem Gebäude plante die Helvetia zusammen mit der Cityparking AG und weiteren Investoren eine höchst umstrittene Tiefgarage. Im vergangenen Herbst lehnte die St.Galler Baubewilligungskommission das Gesuch ab.

Nun hat sich Helvetia als Investorin aus dem Parkhaus-Projekt zurückgezogen. Damit fehlt auch das Baurecht für die Tiefgarage. Die Investorengemeinschaft, der auch die Acrevis-Bank und die Brauerei Schützengarten angehören, teilt mit, dass der Rekurs gegen die Ablehnung des Baugesuchs durch die Stadt zurückgezogen wird. Das Verfahren würde zu einer weiteren massiven Verzögerung des Baubewilligungsverfahrens führen, heisst es in einer Mitteilung. Weder die wirtschaftliche Tragbarkeit noch die Akzeptanz in der Bevölkerung seien damit gegeben. Die Verzögerung beim Bauprojekt schränke die Helvetia zudem in der Nutzung der Liegenschaft Union ein. Deshalb prüfe sie nun Alternativen, die nicht mit dem Parkhausprojekt kompatibel seien. Eine davon ist die Verlegung der Bibliotheken von Kanton und Stadt vom Provisorium in der Hauptpost ins Union-Gebäude. Kurz vor der Mitteilung der Parkhaus-Investoren hatten Kanton und Stadt St.Gallen sowie die Helvetia mitgeteilt, dass das Union als Bibliotheksstandort "intensiv geprüft" werde. Kanton und Stadt sind gesetzlich dazu verpflichtet, ihren Parlamenten bis 2019 eine Vorlage für eine gemeinsame Bibliothek zu unterbreiten, wie es in der Mitteilung von Stadt, Kanton und Helvetia heisst. Kantons- und Stadtbibliothek sind derzeit auf die drei Standorte Hauptpost, Katharinen und Notkerstrasse verteilt. Dies sei sowohl für die Nutzer als auch aus betrieblicher Sicht ein Nachteil. Die Liegenschaft Union müsse in absehbarer Zeit ohnehin umfassend saniert werden. Diese baulichen Massnahmen würden nun unter Berücksichtigung eines möglichen Bibliotheksstandorts geplant.

Streit zwischen Cityparking und der Stadt als Aktionärin

Die Tiefgaragen-Pläne mit rund 210 Abstellplätzen am Schibenertor waren jahrelang ein Streitthema in der Stadt St.Gallen. Die Gegner befürchteten eine massive Zunahme des Verkehrs in der Innenstadt. Der Streit führte auch zu einer Verstimmung zwischen Stadt und Cityparking AG, an der die Stadt mit 40,4 Prozent der Aktien beteiligt ist. An der letzten Generalversammlung enthielt sich die Stadt bei der Wiederwahl von Verwaltungsratspräsident Elmar Jud der Stimme, weil zuvor alt Stadtparlamentarier Martin Boesch (SP) als Vertreter der Stadt aus dem Gremium geworfen worden war. Anfang Juni war dann zu vernehmen, dass die Cityparking AG Interesse haben soll, ins Parkhaus UG 25 zu investieren. Dieses liegt nur wenige hundert Meter vom Schibenertor entfernt. Dies sei jedoch abhängig vom Ausgang des Rechtsverfahrens um den Bau der Parkgarage Schibenertor, das nun abgebrochen wurde.

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