Der Freihof hält stand

MÖRSCHWIL ⋅ Nach einem jahrelangen Hickhack wagt der Gemeinderat in der Causa Freihof einen neuen Versuch. Das Haus soll zwei Bürgerentscheidungen zum Trotz erhalten und saniert werden.
21. Dezember 2017, 06:24
Noemi Heule

Noemi Heule

noemi.heule

@tagblatt.ch

Die funkelnden Sterne, die derzeit den Freihof in Mörschwil in Weihnachtsstimmung tauchen, können nicht darüber hinwegtäuschen: Die ehemalige Brauerei ist keine Schönheit. Der alte Glanz ist gewichen. Das Licht hinter der Fassade in schmutzigem Beige bereits seit 15 Jahren gelöscht. So lange schon sucht die Gemeinde nach einer Lösung für den markanten Bau, der gemeinsam mit dem «Ochsen» und dem «Adler» den Ortskern markiert. Die Gemeinde will nun das Haus sanieren.

Zweimal haben die Mörschwiler Bürger einen Abriss gutgeheissen. Beide Male blockierten Einsprachen und Rechtsverfahren das Vorhaben. Im Frühling wird die Bürgerversammlung erneut über die Causa Freihof befinden. Geht es nach dem Gemeinderat, sollen die Mörschwiler ihre Stimme diesmal nicht gegen, sondern für den Freihof erheben. Für eine Sanierung und einen Kredit in Höhe von 2,5 Millionen Franken.
 

Nicht auf Feld null starten

«Bisher wurde nur geplant und gestritten», fasst Gemeindepräsident Paul Bühler die Ausgangslage zusammen. «Endlich» soll nun eine Lösung her. Nach zwei langwierigen Rechtsverfahren, vielen Versammlungen und unzähligen Gesprächen hält der Mörschwiler Gemeinderat eine Sanierung für die einzige «zielführende Lösung». Zwar wird das Dorf wiederum um Jahre zurückgeworfen, sie muss aber nicht erneut auf Feld null starten. Denn der Vorschlag wartet seit 2012 in der Schublade. Damals präsentierte die Arbeitsgruppe «Freihof – wohin?» drei mögliche Nutzungen des Gebäudes, darunter eine Studie des Architekten Paul Knill.

Der Vorschlag will die Aussenfassade des Freihofs erhalten, genauso den alten Festsaal, während im Erdgeschoss Raum für das Gewerbe entstehen soll. Dort, wo das Haus heute in die Strasse hineinragt, soll ein Durchbruch für Fussgänger entstehen. An der Bürgerversammlung 2013 wurde der Vorschlag noch verworfen; nun soll er umgesetzt werden. Architekt Paul Knill hat dafür die damalige Machbarkeitsstudie überarbeitet und die Kosten neu geschätzt. Inhaltlich aber habe sich nichts verändert, versichert Knill. Er ist sich sicher: ein Abriss hätte eine Lücke im Ortsbild hinterlassen. «Der Freihof ist zwar kein Prachtshaus», sagt er, «dennoch schliesst er durch seine Position den Dorfplatz optimal ab.» Auch Baudepartement und Verwaltungsgericht hatten in ihren Entscheiden gegen einen Abriss stets das Ensemble der drei historischen Häuser im Ortskern hervorgehoben.

Während sich der Entscheid des Gemeinderates über die Mehrheit der Bürger hinwegsetzt, feiert ihn eine Minderheit als Sieg. «Zehn Jahre haben wir dafür gekämpft, um das Gesicht des Dorfes zu erhalten», sagt etwa Kunsthistorikerin Elisabeth Keller vom Verein zum Schutz des Ortsbildes. Der Vorschlag von Paul Knill sei die «beste, billigste, schnellste und sinnvollste Lösung.» Gekämpft hat auch eine Gruppe rund um Anwohnerin Beatrice Mülli, die sich zweimal erfolgreich mit Einsprachen für den Erhalt des Freihofs einsetzte. Sie zeigte sich noch im September angriffslustig und versicherte, sich auch in Zukunft quer zu stellen.

Seine Fangemeinde preist den Freihof als «Schmuckstück» an; seine Gegner dagegen bezeichnen ihn als «Schandfleck». Und während die Fassade über die Jahre weiter bröckelte, haben sich die Fronten nur verhärtet. An der kommenden Bürgerversammlung wird sich zeigen, ob sie sich erweichen lassen, damit der Freihof irgendwann erneut in altem Glanz erstrahlt.

Am 24. Januar, 16 bis 19.30 Uhr, kann der Freihof besichtigt werden, anschliessend findet eine Infoveranstaltung im Gemeindezentrum statt.