Seine Tanne lernt bald fliegen

CHRISTBAUM ⋅ Am Donnerstag wird der Christbaum auf den St.Galler Klosterplatz geflogen. Der Bauunternehmer Markus Morant hat die Tanne gespendet. Er ist damit gross geworden.
14. November 2017, 06:18
Luca Ghiselli

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

Ja, der Christbaum kommt noch. Wer sich wunderte, warum noch kein Weihnachtsbaum auf dem Klosterplatz steht, obwohl es schon Mitte November ist, kann beruhigt sein: Am Donnerstag wird der diesjährige Christbaum im Verlauf des Vormittags mit dem Helikopter angeflogen – sofern das Wetter passt. Der Flug fällt dieses Jahr kürzer aus als auch schon: Gerademal 1,6 Kilometer Luftlinie liegen zwischen dem Klosterplatz und dem Ort, wo der Baum heute steht: an der Kreuzbleichestrasse im Lachenquartier.

Im Garten der Kreuzbleichestrasse 13 steht die Tanne, die dieses Jahr als prominentester Christbaum der Stadt dient. Stolze 3,5 Tonnen schwer und rund 17 Meter hoch ist der Baum und überragt damit auch das Haus, zu dem er gehört. Spender der Tanne ist Markus Morant. Das Büro des Bauunternehmens, das er in dritter Generation führt, befand sich von Mitte der 1940er-Jahre bis 2008 an dieser Adresse, und nur ein Haus weiter ist der Unternehmer und ehemalige Stadtparlamentarier aufgewachsen. Wer genauer hinsieht, merkt schnell: Es wurde bereits für den Transport übermorgen vorgesorgt: Zwischen den Nadeln blitzt eine Halterung mit Ketten hervor, an welcher der Baum vom Helikopter hochgehoben wird. Dafür ist ein 80 Meter langes Seil nötig. «Die Mieter im Haus werden angeschrieben, dass sie alles, was nicht niet- und nagelfest ist, vom Balkon entfernen sollten», sagt Morant. Nicht, dass noch etwas vom Wind verweht wird.

Aus Wittenbacher Wäldchen

Der Helikopterflug am Donnerstag wird nicht der erste «Umzug» der Tanne. Seit über 60 Jahren steht sie zwar am Rand der Kreuzbleiche, zuvor wuchs sie aber in einem Waldstück nahe der Sitter in Wittenbach. «Mein Grossvater besass dort eine kleine Parzelle. Von dort nahm er die Tanne Anfang der 1950er-Jahre mit», sagt Morant. Der Grossvater, ein Jäger und Waldliebhaber, pflanzte die Tanne dann in den Garten des damaligen Büros. Schon damals sei der Baum über einen Meter gross gewesen, sagt Morant. So prächtig die Tanne heute in die Höhe ragt, hat sie auch ihre Schattenseiten – und zwar im wörtlichen Sinn. Weil sie auf der Südseite des Wohnhauses steht, scheint die Sonne dort kaum mehr durch die Fenster. Das sei auch der Grund, warum es nicht allzu sehr schmerze, sich vom Baum zu trennen, sagt Morant. «Es war ein Bedürfnis der Mieter.» Diese hätten die Tanne im Verlauf der Jahre zwar durchaus lieb gewonnen. «Sie vermissen aber die Sonne.»

Ein kleiner Laubbaum soll folgen

Auch der kleine Garten habe mit der Zeit an der mangelnden Sonneneinstrahlung gelitten. «Es lag kaum mehr Rasen, sondern vor allem Moos.» Der Garten der Kreuzbleichestrasse 13 bleibt aber nicht einfach kahl. Sobald der Winter vorbei ist, soll nämlich ein neuer Baum gepflanzt werden, sagt Morant. «Es soll ein kleiner, junger Laubbaum sein.» Dieser lasse im Winter auch einige Sonnenstrahlen mehr durch als sein nadliger Vorgänger.


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