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Tagblatt Online, 18. August 2011 07:25:00

Zwölf Zeilen für den Arzt

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Erfindungsreich: Florian Eugster mit dem finalen Design des Flyers für Ärzte. (Bild: Damian Zellweger)

SEEREGION. Ein Flyer soll Ärzten und Menschen mit einer Behinderung helfen, den Arztbesuch so stressfrei wie möglich zu gestalten. Entwickelt worden ist er von der Organisation Wir für uns.

Dominik Bärlocher

Der schlichte Flyer in Weiss und Grün hat Sätze wie «Sprechen Sie mich mit <Sie> an» oder «Ich habe Angst vor weisser Kleidung» darauf. Daneben Felder, die ein Patient ankreuzen kann. Die kleine Karte mit einem Dutzend Sätzen und zwei leeren Linien soll Menschen mit einer Behinderung den Arztbesuch vereinfachen. Entwickelt worden ist das Hilfsmittel von «Wir für uns», einer Organisation von Menschen mit Behinderung für Menschen mit Behinderung. Ihr Ziel: Basierend auf eigenen Erfahrungen wollen die Mitglieder der Gruppe einfache Lösungen für das Zusammenleben von Behinderten und Nichtbehinderten finden.

Respekt und Expertise

Der Flyer – gestaltet von Studenten der Fachhochschule St. Gallen – ist aus einem Workshop der dritten Behindertenkonferenz entstanden und eine erste Auflage ist derzeit im Druck. «Wir haben festgestellt, dass für Menschen mit Behinderung ein Arztbesuch zur Tortur werden kann», sagt der Rorschacher Florian Eugster, Mitglied der Gruppe. Vor allem verbal Schwächere hätten Mühe, ihre Anliegen beim Arzt kundzutun.

Trotzdem, der Satz «Sprechen Sie mich an, nicht meine Begleitperson» hat seinen Weg auf die Karte gefunden. Es sei nicht nur eine Frage des Respekts, sagt Eugster, sondern habe auch praktische Gründe: «Wer weiss denn besser als der Patient, wo es weh tut?», sagt Eugster. Und selbst wenn dieser sich nicht traut, etwas zu sagen oder dies gar nicht kann, die Kommunikation funktioniert laut Florian Eugster immer: «Es heisst ja: <Man kann nicht nicht kommunizieren.> »

Flyer nur auf Bestellung

Die Gruppe um Florian Eugster möchte, dass der Flyer bei möglichst vielen Ärzten aufliegt, denn so könne der Arztbesuch für alle Beteiligten stark vereinfacht werden. «Die Karte ist nicht nur für Behinderte gut, auch ältere Menschen könnten sie nutzen», meint das Gruppenmitglied, denn auch sie können Mühe haben, sich auszudrücken. Doch aufzwingen möchte «Wir für uns» den Flyer keinem. «Wir wollen nicht, dass der Flyer mit den ganzen anderen Wurfsendungen, die jeden Tag im Briefkasten liegen, entsorgt wird.» Eugster will, dass der Flyer bewusst aufgelegt wird und dass sich Ärzte mit ihm aktiv auseinandersetzen. Darum gibt es den Flyer mit den zwölf Feldern zum Ankreuzen und den zwei leeren Zeilen kostenlos auf Bestellung.

Bestellung: eugsterf@bluewin.ch




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