Tagblatt Online, 15. Februar 2012 01:06:48
Wenn der See die letzte Wärme aushaucht: Seerauch
(Bild: Andreas Walker)
REGION AM SEE. Das eisig kalte Wetter sorgt dafür, dass der Bodensee zu dampfen beginnt, auch wenn die Wassertemperatur nur noch drei bis vier Grad beträgt. Das Phänomen wird meteorologisch als Seerauch oder Meerrauch bezeichnet und beschreibt einen Nebeltyp, der auch Verdunstungsnebel genannt wird. Dieser Nebel entsteht, wenn sehr kalte Luft über relativ warmes Wasser fliesst. Dadurch wird in der feuchten Luftmasse unmittelbar über der Wasseroberfläche der Taupunkt erreicht. Es kommt zu einer Übersättigung der Feuchtigkeit in der wassernahen Luftschicht. Das überschüssige Wasser in der Luft kondensiert aus und bildet feine Nebeltröpfchen, die jedoch in der trockenen Luft bald wieder verdunsten. Aus dem See oder dem Meer steigen somit Nebelschwaden auf, ähnlich den Rauchschwaden eines Feuers. Normalerweise tritt Seerauch vor allem in der Nähe der Festlandküsten und an den polaren Eisgrenzen auf, wenn kalte Festlands- oder Arktikluft auf das offene Meer hinaus fliesst. Dieses Phänomen zeigt deutlich, dass der See buchstäblich seine letzte Wärme aushaucht. Würde diese Kältewelle noch mehrere Wochen anhalten, würde der Bodensee schliesslich zufrieren, wie dies letztmals im Winter 1962/63 der Fall war.
Meteorologe Andreas Walker berichtet in loser Folge über Wetterphänomene in der Region am See.
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