Tagblatt Online, 15. Februar 2012 01:06:48
Hockey – wann im Seepark?
Eisfeld im Seepark 1959: Das in den 50er- und 60er-Jahren häufig und 2002 letztmals erstellte Eisfeld war abends beleuchtet und stets gut frequentiert. (Bild: Rorschacher Neujahrsblatt)
Auf dem Mötteliweiher in Untereggen lässt sich's Schlittschuh laufen. Eine Eisbahn wie in früheren Jahren im Rorschacher Seepark vor dem Pavillon fehlt in diesem Winter. Nun prüft die Stadt die Anschaffung einer mobilen Kunsteisanlage.
OTMAR ELSENER
REGION RORSCHACH. Das Betreten des Mötteliweihers ist verboten, während zurzeit in der ganzen Schweiz Weiher und sogar Seen zum Begehen freigegeben sind. Der Mötteliweiher ist tief gefroren, leicht schneebedeckt. Am Sonntagnachmittag spielten Väter und Grossväter mit ihren Familien Hockey. Über das Verbot setzten sie sich hinweg, in der Annahme, dass Art. 699 des ZGB über das Betreten von Wald und Weide in Privatbesitz wohl auch gefrorene Weiher miteinschliesst. Die Tragbarkeit des Eises prüften sie auf eigene Verantwortung wie einst in ihrer Bubenzeit, als noch niemand von Verboten sprach. Entlang der Ufer fanden sie perfektes Eis. Kein Krachen, keine Risse. Sie erinnerten sich, dass sie sich früher sogar aufs Eis wagten, wenn der Weiher an den Rändern noch nicht überall zugefroren war.
Schlittschuhe ausverkauft
Eislaufen auf eigene Gefahr auf gefrorenen Weihern und auf dem See war vor dem Skiboom das grosse Volksvergnügen. Schlittschuhe besass jede Familie. Ungeduldig wartete man auf kalte Wintertage. Kaum gab es tragfähiges Eis, tummelten sich an den Wochenenden Kinder und Erwachsene auf dem Mötteliweiher und der Eisfläche beim Speck in Staad. Als Ende der 50er-Jahre die Stadt erstmals eine Eisbahn im Seepark vor dem Pavillon einrichtete, gab es grossen Zulauf. Während der Seegförni 1963 entdeckten alle wieder das Eislaufen; Schlittschuhe waren damals ausverkauft, und viele Jugendliche lernten Schlittschuh laufen.
Eisbahn bleibt Wunsch
In unserer Region wurde man sich bewusst, dass kleinere Dörfer und Städte über Eishallen verfügten und ihre Hockeyclubs national bekannt waren: Rapperswil, Uzwil, Weinfelden, Romanshorn, Kreuzlingen und Widnau. So plante man im Projekt für die Sportanlage Chellen auch eine Eishalle. Doch wegen der Rezession 1974/75 legte die Genossenschaft das Projekt «auf Eis». 1981 lancierte der Präsident des einstigen Eislaufclubs Rorschach, Fritz Schmidlin, eine Petition: «Der Region fehlt, was keine Gemeinde allein erstellen kann – eine Eishalle, ein sinnvoller Treffpunkt für die Jugend.» Zu gleicher Zeit wurden auch im Rorschacher Gemeinderat Motionen eingereicht. Eine verlangte, Parkplätze am See beim Hauptbahnhof so anzulegen, dass man sie im Winter in eine Kunsteisbahn umfunktionieren könnte. Die andere wollte das Projekt Eishalle in der Chellen neu beleben. Beide Motionen wurden abgelehnt.
Eisbahn im Seepark
Letztmals erstellte die Stadtgärtnerei einen Eislaufplatz im Februar 2002. Seither habe sich der Aufwand nicht mehr gelohnt, so Stadtgärtner Walter Moser vor drei Jahren. Weshalb dieses Jahr kein Eislaufplatz geschaffen wurde, ist Stadtschreiber Bruno Seelos nicht bekannt. Er informiert hingegen, dass die Stadt im Rahmen der Planung Hafenplatz prüfe, eine mobile Kunsteisanlage zu integrieren. Diese könnte auch bei höheren Temperaturen und nicht nur bei eisiger Kälte betrieben werden. Solche temporäre Eislaufflächen werden zurzeit in anderen Städten eingerichtet, beispielsweise auf dem Bundesplatz in Bern. Eine mobile Kunsteisbahn ist eine temporär installierte Anlage, die einfach auf- und wieder abgebaut werden kann. Die Anlagen werden oft auch für Anlässe gemietet. Ob also bald alljährlich am Rorschacher Seeufer das Eislaufen möglich sein wird, dürften die Stimmbürger entscheiden, wenn die neue Seeufergestaltung vors Volk kommt. Mit dem angesagten Tauwetter ist für diesen Winter das Thema «Eisbahn im Seepark» geschlossen.
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