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Tagblatt Online, 15. Februar 2012 01:06:48

Grenzen beeinflussen Realität

Francesca Falk Zoom

Francesca Falk entlarvt Bilder und Begriffe rund ums Thema Grenze. (Bild: Archivbild: Tonia Bergamin)

Die Rheineckerin Francesca Falk entlarvt die Macht von Bildern rund um das Thema der Grenze. Ihre Dissertation hinterfragt die täuschende Selbstverständlichkeit.

MATTHIAS UFFER

RHEINECK. Das Kulturfest der KIR (Kultur in Rheineck) mit dem Thema «Grenzen grenzenlos» liess im Hotel Hecht Grenzen überbrücken: Ein internationales Buffet liess kulinarisch-kulturelle Grenzen auf der Zunge verschmelzen. Daraufhin rüttelte Francesca Falks Buchpräsentation an unverrückbaren Grenzen, und das Duša Orchestra beeindruckte durch die kreative Verbindung verschiedener Musikgenres.

Geistreicher Denkanstoss

Wortmächtig entlarvt Francesca Falk die Macht von Bildern und Begriffen rund um das Thema der Grenze. Ihre Dissertation mit dem Titel «Eine gestische Geschichte der Grenze» hinterfragt gekonnt die täuschende Selbstverständlichkeit nationalstaatlicher Grenzen und hält den Grenzen den Spiegel vor: Künstlich ist nicht die Grenzüberquerung oder Grenzverwischung. Künstlich ist die Grenze selbst, da der Mensch sie macht. Umgekehrt beeinflussten diese Grenzen in einschneidender Weise die menschliche Realität. Warum inszenierten Fotos im 19. Jahrhundert Nordamerika als «leeres Land»? Warum bezeichnet der flüchtlingspolitische Diskurs der Schweiz während des Zweiten Weltkrieges das Land als «volles Boot»? Warum spricht eine Initiative von Masseneinwanderung?

Francesca Falk führt durch die Geschichte der Kolonialisierung Amerikas bis hin in die Gegenwart der Migrationspolitik. Sie zeigt dabei Bilder – und zeigt, was die Bilder nicht zeigen: Leeres Land darf man besiedeln. Bilder hiervon legitimieren die Landaneignung und verschweigen die Existenz einheimischer Völker.

Das «volle Boot» suggeriert Raummangel: Mehr Flüchtlinge und das Land geht unter. Auch heute beschwören Begriffe wie «Masseneinwanderung» in der migrationspolitischen Debatte Gefühle der Enge herauf.

Grenzüberquerende Musik

Auf Falks Denkanstoss folgte entspannende Musik des The Duša Orchestra. Die Gruppe spielte sich über die Grenzen musikalischer Stilrichtungen hinweg. Die instrumentelle und stilistische Vielfalt bestach.

Wer zuvor daran gezweifelt haben mochte, erkannte, dass Alpenmusik, balkanische Stilrichtungen, Jazz und Tango durchaus bereichernd vermengt werden können.





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