Tagblatt Online, 15. Februar 2012 01:06:48
Ein Flugzeugträger vor Rorschach
USS John F. Kennedy: Der Flugzeugträger hat nie vor Rorschach geankert, hinterliess aber Eindruck. (Bild: pd)
Das Bild geistert seit Jahrzehnten durch Rorschach: Ein Flugzeugträger, der neben dem Rorschacher Kornhaus vor Anker liegt. Jedes Mal staunen die Bewohner der Seeregion, kaum einer weiss jedoch, woher das Bild stammt. Die Suche nach dem Ursprung des Bilds gestaltet sich schwierig, denn zu diesem Bild gibt es viele Geschichten. Es war einst auf einem Flyer für ein Quartierfest, in Schülerzeitungen, dann tauchte es auf einem Blog auf. Es war bei den Eltern im Fotoalbum und so weiter. In einem sind die Rorschacher sich aber einig: Es hat nie ein Flugzeugträger beim Kornhaus vor Anker gelegen.
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Eine Datierung des Bildes fällt leicht. Eine Nachfrage in einem einschlägigen Internetforum ergibt, dass es sich bei den Flugzeugen auf dem Deck des Flugzeugträgers um Grumman A6 Intruder handle. Diese flogen zwischen 1963 und 1997 für die US Navy Einsätze. Beim Flugzeugträger handle es sich um die USS John F. Kennedy. Das Schiff stand zwischen 1967 und 2007 im Dienste der Navy. Es ist 321 Meter lang, 58,52 Meter hoch, etwa acht Meter höher als die Hochhäuser im Rorschacher Stadtwald und etwa so lang wie die Distanz zwischen Kornhaus und Pavillon im Seepark. Ein weiterer Hinweis findet sich an der Steuerbordseite von «Big John». Die Antennenkonstruktion war laut den Marine-Experten nur bis kurz nach Ende des zweiten Golfkrieges am Schiff befestigt. Der Krieg endete 1991. Doch auch der Hintergrund des Bildes gibt Aufschluss: Die Rorschacher Hafenmole ist noch nicht renoviert, daher kann das Bild spätestens um 1994 entstanden sein. Ansonsten gleicht die Hafenstadt sich selbst. Der entscheidende Hinweis auf die Herkunft des Bildes stammt aus der Redaktion des Tagblatts. Es könnte sich um eine Werbeaktion der ehemaligen Konkurrenzzeitung «Die Ostschweiz» gehandelt haben, die 1997 vom Tagblatt übernommen wurde. Es gibt noch ehemalige «Ostschweiz»–Journalisten in den Reihen der Tagblatt-Redaktoren. Eine Nachfrage ergibt, dass die Werbung «in den späten 1980er- oder frühen 1990er-Jahren» entstanden sein muss. Die Recherche führt von der Zentralredaktion an der Fürstenlandstrasse weiter nach Zürich, denn dort ist die Werbefirma ansässig, die damals die Bildmontage realisiert hatte.
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«Es handelt sich beim Bild um einen Teil einer Werbekampagne aus dem Jahr 1988», sagt Urs Fürer, Senior Art Director der Werbefirma Wirz AG. Es sei eine ungewöhnliche Werbung für eine Tageszeitung gewesen. Weitere Motive der Kampagne waren unter anderem Nashörner in der St. Galler Innenstadt, zwei Punkerinnen mit Alphorn und das St. Galler Kloster, das um die Ringe des Saturns schwebt. Journalisten der ehemaligen «Ostschweiz» erinnern sich gerne an die Kampagne: «Die Kampagne hat eingeschlagen wie eine Bombe», sagt einer. Ein anderer meint schmunzelnd, dass, wenn die Zeitung so gut wie die Werbung gewesen wäre, sie nicht eingegangen wäre. Ein dritter lobt die starke Bildsprache der Motive und, nach kurzem Nachdenken, fügt er lachend an: «So ein Flugzeugträger wäre nicht einmal das Hässlichste, das auf dem See herumschippert. Denn das dürfte wohl die Sonnenkönigin bleiben.» Dominik Bärlocher
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