Tagblatt Online, 16. Februar 2012 01:04:00
Die Schatzsuche geht weiter
Schreibstube im «Ex-Ex Libris»: Barbara Camenzind und Richard Lehner haben sich in den leerstehenden Räumen eingemietet und arbeiten an einer Schatzkarte und an einem Buch. Im Hintergrund bemalt Barbara Camenzinds Tochter das Schaufenster. (Bild: Lea Müller)
Barbara Camenzind und Richard Lehner haben in den Räumen des ehemaligen Ex Libris eine Schreibwerkstatt eingerichtet. Der Rorschacher Stadtrat begrüsst ihre Arbeit an Schatzkarte und Buch – grundsätzlich auch jene als private Schatzsucher.
LEA MÜLLER
RORSCHACH. Neugierig bleiben Passanten stehen, drücken ihre Nasen ans Schaufenster: Im ehemaligen Ex Libris beim Trischliplatz tut sich etwas. Antike Möbel stehen im Raum, erinnern an eine Theaterkulisse. Auf die Bühne treten zwar keine Schauspieler, dafür zwei stadtbekannte Figuren: Barbara Camenzind und Richard Lehner. Die ehemaligen Schatzsucher der Stadt Rorschach haben eine gemeinsame Schreibwerkstatt eröffnet. Nach der Fasnacht stürzen sie sich in die Arbeit: Die publizistische Aufarbeitung von zwei Jahren Amtszeit als Schatzsucher steht ihnen bevor. Am Ende sollen daraus eine Schatzkarte und ein Buch entstehen.
Unerzählte Geschichten
«Dieser Raum mitten im Zentrum der Stadt ist ideal für uns», schwärmt Richard Lehner. Bei der Stadt Rorschach als Vermieterin hätten sie offene Türen eingerannt. Diese stellt die Räume nämlich temporär zur Verfügung (siehe Kasten). Barbara Camenzind und Richard Lehner stehen noch ganz am Anfang ihrer Arbeit – auch finanziell. «Die Suche nach Sponsoren geht erst los», sagt Richard Lehner. Die Stadt Rorschach habe aber bereits einen Beitrag in Aussicht gestellt.
Die Schreibwerkstatt von Camenzind und Lehner hat keine festen Öffnungszeiten, da die beiden hier nebenberuflich arbeiten. Sind sie aber vor Ort, ist Besuch willkommen. «Wir wollen die Bevölkerung am Prozess teilhaben lassen», sagt Barbara Camenzind. «Man kann uns gerne über die Schultern schauen.» Im Gespräch mit der Bevölkerung könnten neue Ideen und Geschichten entstehen.
Die offizielle Rorschacher Schatzsuche ist beendet. Doch für Barbara Camenzind und Richard Lehner geht sie weiter. «Auf privater Basis, aber immer noch im Sinne des Erfinders», sagt Barbara Camenzind augenzwinkernd. Die Notizbücher seien vollgeschrieben und viele Geschichten noch nicht erzählt. Einige davon fänden vielleicht Platz im neuen Buch, andere vielleicht auf einer gemeinsamen Website, die zurzeit im Aufbau sei.
Vereinbarung in Vorbereitung
«Das Schatzfieber lässt die beiden nicht los», sagt der Rorschacher Stadtschreiber Bruno Seelos. Der Stadtrat begrüsse die Pläne von Barbara Camenzind und Richard Lehner, die Ergebnisse ihrer Amtszeit anhand einer Schatzkarte und eines Buches zu dokumentieren. Für dieses Projekt sei im Budget 2012 denn auch ein Betrag vorgesehen.
Auch das Vorhaben, die Schatzsuche auf privater Basis weiterzuführen, kann sich der Stadtrat laut Bruno Seelos grundsätzlich vorstellen. Der Übergang von offizieller zur privaten Schatzsuche sei ursprünglich aber nicht vorgesehen gewesen. Weil der Schatzsucher eine öffentliche Stadtfigur ist, sei dem Stadtrat wichtig, dass die Qualitätssicherung auch ohne Coaching sichergestellt und die Idee nicht kommerzialisiert werde. Eine schriftliche Vereinbarung sei in Vorbereitung, ein formeller Beschluss des Stadtrates über die Entlassung in private Hände aber noch nicht erfolgt, informiert Bruno Seelos.
Initiant gibt grünes Licht
Als der Stadtrat 2008 erstmals die Stelle eines Schatzsuchers ausschrieb, ermöglichte er die Umsetzung einer Idee von Mark Riklin. Bei ihm liegen die Urheberrechte. Gibt er grünes Licht für die private Schatzsuche von Barbara Camenzind und Richard Lehner? «Dass die städtische Schatzsuche ohne Zustupf aus der Stadtkasse auf privater Basis eine Fortsetzung findet, ist die Krönung des Schatzsucher-Gedankens», sagt Mark Riklin. «Das ist allerbestes städtisches Empowerment: ermöglichen, aktivieren, anschieben, bestärken und dann in die Selbständigkeit entlassen.»
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