Tagblatt Online, 17. Februar 2012 01:05:00
Auf der Suche nach Musicalstars
Die Musikschule Goldach feiert dieses Jahr ihr 30jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass produziert sie zusammen mit der Oberstufe das Musical «True Colors». Am Casting sangen 34 Schülerinnen und Schüler um die Hauptrollen.
CORINA TOBLER
GOLDACH. Nervös sitzen Noemi und Arta an den Tischen vor der Aula. Arta hat gross «Casting» auf ihre Hand geschrieben, in der sie genau wie ihre Freundin einen Stapel Noten hält, die sie nervös durchgeht. Sie sind erst in zwei Stunden dran, wollen aber nichts riskieren. Schliesslich steht eine Hauptrolle im Musical «True Colors» auf dem Spiel. «Ich war noch nie bei einem Casting. Ob wir uns wohl vorstellen müssen?», fragt Noemi und übt schon mal.
Jury verzieht keine Miene
Alessandro und Moritz, die ihren Auftritt schon hinter sich haben, bieten grinsend an, den Mädchen wie bei DSDS Startnummern anzukleben. Einen «Recall»-Zettel haben sie schon an die Wand geklebt – obwohl beide mit ihrer Leistung nicht zufrieden sind. Die Laune verderben lassen sie sich deswegen aber nicht; was die Jury zu ihrem Auftritt meint, können sie ohnehin nur erahnen. «Die sagen einfach nichts!»
Tatsächlich herrscht in der Aula eine völlig andere Stimmung. Raphael singt gerade als Letzter für die Rolle von Kay vor. Kaum hat er den ersten Refrain beendet, stoppt Guido Schwalt die Musik. «Danke, du kannst gehen», sagt er und verzieht keine Miene – genau wie Sarina Lendi, Sabine Dudler, Georg Göggel, Jan Iffländer und Bernhard Krempl. Diskutiert wird erst, wenn die Jury unter sich ist; ihre Entscheidung wird erst einige Tage später bekanntgegeben.
Vorbereitung läuft seit Herbst
Die Lehrkräfte nehmen das Casting sehr ernst, denn «True Colors» wird eine grosse Produktion. Wer eine der elf Hauptrollen bekommt, wird diese in sieben Vorstellungen in der Wartegghalle singen. Das Projekt bewegt sich im gleichen Rahmen wie schon «Tom's Musical Dream» vor zehn Jahren. Das Budget liegt im Bereich von mehreren 10 000 Franken – von denen ein Grossteil durch die Eintrittspreise wieder eingespielt werden soll. «Wenn der Zulauf so gross ist wie damals, werden wir dieses Ziel erreichen», ist Schwalt zuversichtlich.
«True Colors» ist aber nicht einfach eine Wiederholung des erfolgreichen Konzepts von 2002. Vieles am diesjährigen Musical ist eigene Arbeit. «Ich selbst bin seit Herbst drei bis vier Stunden pro Tag mit dem Arrangieren der Musik fürs Orchester beschäftigt», sagt Schwalt. Lehrer Georg Göggel hat die Handlung entwickelt, die sich um eine Gruppe Jugendlicher und ihre Familien dreht, die mit Problemen zu kämpfen haben. «Die Dialoge sind noch nicht geschrieben, damit warte ich, bis wir die Hauptrollen besetzt haben. Der Grundriss steht aber», sagt er.
Kein Profi am Regiepult
Dazu gehört auch die Musik. Anders als vor zehn Jahren handelt es sich nicht ausschliesslich um Musicalnummern, auch Hits von Green Day, Bruno Mars oder Pink sind dabei. Wichtig auch: Kein Lied wird in der Originalversion gesungen, sondern in eigener deutscher Übersetzung. «Es soll ein richtiges Musical entstehen, in dem die Lieder einen Teil der Geschichte erzählen», begründet Schwalt. Eine Besonderheit ist auch die Schlussnummer, die Bernhard Krempl komponiert. All dies bedeutet für die Lehrkräfte viel Arbeit. Schwalt ist aber von den Fähigkeiten des Teams überzeugt. «Wir arbeiten sogar ohne professionellen Regisseur.» Hilfe von aussen wird hingegen beim Tanz und bei der Technik beigezogen, denn die Inszenierung der Show in der Wartegghalle ist sehr aufwendig. An den Aufführungen im Juni wird die ganze Oberstufe in irgendeiner Form beteiligt sein.
Den Schritt auf die Bühne schafft aber nur, wer im Casting überzeugt. Zur grossen Freude der Jury haben sich 34 Jugendliche beworben – ein Luxus, der jedoch die Aufgabe für alle Beteiligten erschwert. Das weiss auch Donabelle, die jetzt aufgerufen wird. Ein letztes tiefes Durchatmen ist zu hören, dann schliesst sich die Tür hinter ihr.
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