Sauerei an den Sammelstellen

ABFALLSÜNDER ⋅ Mehrmals wöchentlich müssen Werkmeister aus der Region Entsorgungsstellen von illegalem Abfall befreien. Wer zurückverfolgt werden kann, muss unter Umständen mit einer Anzeige rechnen.
20. Dezember 2017, 06:51
Jolanda Riedener

Jolanda Riedener

jolanda.riedener@tagblatt.ch

Überfüllte Abfallkübel, Styropor, Karton, Papier oder anderer Unrat belagert die Glassammelstelle am Rorschacher Curtiplatz. Ein Bild, das auch andere Gemeindemitarbeiter in der Region nur zu gut kennen. «Tagblatt»-Leser Gieri Battaglia stört sich an Abfallsünder am videoüberwachten Curtiplatz. «Ich habe darum den Rorschacher Stadtrat gebeten, die Überwachungskamera ein ganz klein wenig nur zu schwenken, damit endlich diejenigen Personen eruiert werden können, die ihren Hausmüll dort regelmässig illegal entsorgen», schreibt Battaglia.

Gemäss Remo Städler, Werkhofleiter der Stadt Rorschach, ist die Sammelstelle am Curtiplatz ein Hotspot für illegales Entsorgen. Vor allem Karton und Papier werde dort deponiert, obwohl die Gemeinde dies regelmässig vor der eigenen Haustüre kostenlos abholen lässt. Auch PET-Getränkeflaschen würden dort regelmässig abgestellt, obwohl die Grossverteiler Migros, Coop und Denner in unmittelbarer Nähe Flaschen gratis zurücknähmen.

Privater Güsel in öffentlichen Abfallkübeln

«An gewissen Orten gibt es täglich Müll», sagt Städler. 95 Prozent des illegal entsorgten Sperrguts werde, wenn mit Gebührenmarken versehen, ebenfalls von der Kehrichtentsorgung direkt vor der Haustüre wöchentlich abgeholt. Auch gebe es einige öffentliche Abfalleimer in der Hafenstadt, die täglich überfüllt seien, weil Private ihren Kehricht lieber dort hineinwerfen würden als in Gebührensäcken korrekt zu entsorgen. «Besonders auffällig sind illegale Entsorgungen am Samstagmorgen. Zu dieser Zeit wird die Sammelstelle nicht von Werkhofmitarbeitern überwacht», sagt Städler weiter.

Mehrmals wöchentlich räumt Goldachs Werkmeister Hansruedi Geser mit seinen Mitarbeitern die Sammelstelle beim Rathaus auf. Eisen- und Metallgegenstände, Elektrogeräte, Teppiche, Bauschutt oder PET-Flaschen – alles, was eigentlich nicht an der Sammelstelle entsorgt werden kann, wird gemäss Geser regelmässig dort abgestellt. Für die Mitarbeiter bedeutet das nicht nur, den Müll zu sortieren und richtig zu entsorgen. Die Gemeinde muss auch anfallende Entsorgungskosten bezahlen. «Auch wenns nur zehn Personen im ganzen Dorf sind, die täglich etwas bei der Sammelstelle abgeben, das nicht dort hin gehört, zählt sich das», sagt Geser.

Abfallsünder können zurückverfolgt werden

Besonders ärgerlich sei Abfall, der in die Behälter für Glasrecycling geworfen werde. «Zwei Körbe, voll mit abgelaufenen Konserven, mussten wir einmal entsorgen», sagt Geser. Das heisst: Jede einzelne Büchse öffnen und den Inhalt von der Metallkonserve trennen.

Wer denkt, illegales Abfallentsorgen führt zu keinen Konsequenzen, täuscht sich. Dank adressierten Couverts oder Quittungen könnten Abfallsünder ausfindig gemacht werden. «Dann droht entweder eine Busse mit Rechnung für die Entsorgungskosten oder bei mehrfachem oder schwererem Vergehen, eine Anzeige», sagt Geser. Auch in Rorschacherberg bleibt man nicht von Abfallsündern verschont: «Es kommt vereinzelt vor, dass Müll bei der Sammelstelle abgeladen wird», sagt Leo Locher, Leiter des Werkhofs Rorschacherberg. Kein Verständnis hat er für illegale Entsorgungen, wie vor einiger Zeit an der Heidenerstrasse, wo ganze Möbelstücke im Wald abgestellt worden seien. «Unser Angebot ist wirklich gross: Wir sind gut organisiert und es gibt ausreichend Möglichkeiten, sein Sperrgut korrekt zu entsorgen», sagt Locher.


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