Tagblatt Online, 23. Februar 2012 01:06:52
Kuster rettet Gorbatschow
Trotz seiner imposanten Grösse hat Ochse Gorbatschow, der seit einem Monat bei Peter Kuster in Diepoldsau lebt, ein sanftes Gemüt. (Bild: Susi Miara)
Gorbatschow lebt seit einem Monat bei Peter Kuster in Diepoldsau. Es handelt sich natürlich nicht um den ehemalige Präsidenten der Sowjetunion, sondern um einen Ochsen aus der Toscana.
SUSI MIARA
DIEPOLDSAU. Der fünfjährige Gorbatschow wiegt 1100 Kilo, ist trotz seiner imposanten Erscheinung ein «sanfter» Riese und ein Filmstar. In «A passo di bove – im Ochsenschritt von der Toscana nach Diepoldsau» spielt er eine der Hauptrollen. Die Dokumentarfilmer Markus Baumann und Bruno Sigrist erzählen in diesem Film Walter Messmers Geschichte.
Ochsentour geplant
Der gebürtige Diepoldsauer war Leiter der Führungsausbildung bei einer Grossbank, als er sich 1986 entschloss, gemeinsam mit seinem Bruder und seiner Frau in der Toscana einen Agritoursimusbetrieb aufzubauen. Trotz guter Ausgangslage sind die Projekte in Italien jedoch nie ganz zu dem geworden, was sich Walter Messmer dereinst vorgestellt hatte. Deshalb entschloss er sich, dorthin zurückzukehren, wo er aufgewachsen ist. Auf seiner zweimonatigen Reise im Frühsommer 2010 wollte er sich von zwei seiner maremmanischen Ochsen auf einem einfachen Wagen aus der Toscana über den Apennin, durch die Poebene und über die Alpen ins heimische Rheintal ziehen lassen. Die italienische und die schweizerische Bürokratie, und die Ochsen, machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Da das italienische Landwirtschaftsministerium davon ausgeht, dass es in Italien keine Ochsen mehr gibt, konnte es keine Transportbewilligungen ausstellen. Die schweizerischen Behörden verlangten wiederum, falls Walter Messmer mit den Ochsen in die Schweiz einreist, der italienische Staat eine Rücknahmegarantie für die Ochsen abgibt. Ohne diese Transportpapiere durfte Walter Messmer mit seinen Ochsen nicht in die Schweiz einreisen und das Projekt musste um ein Jahr verschoben werden. In der Zwischenzeit hat Walter Messmer mit verschiedenen Ochsen im Zweiergespann trainiert. Galileo, Gandhi, Gorbatschow und Engels, so heissen Messmers Ochsen, wurden auf die Reise vorbereitet. Schliesslich war es Gorbatschow, der mit Walter Messmer allein die Schweizer Grenze in Au überschritten hatte. Den Sommer verbrachte Gorbatschow im Elternhaus von Walter Messmer in Walzenhausen, den Winter bei Messmers Tante in Diepoldsau. Messmer plante, einen zweiten Ochsen aus der Tosca zu holen, damit Gorbatschow mit einem Artgenossen leben kann. Dazu kam es leider nicht mehr. Vor Weihnachten erkrankte Walter Messmer und starb unerwartet am 8. Februar.
Neues Zuhause
Während Messmers Spitalaufenthalt nahm Peter Kuster aus Diepoldsau vorübergehend den zahmen Ochsen bei sich auf. «Vor allem weil der Tierschutz reklamiert hat», so Kuster. Als er dann aber hörte, dass Gorbatschow vielleicht geschlachtet werden muss, nahm er den saften Riesen bei sich auf. «Anfangs hatte ich schon ein wenig Respekt», erinnert sich Kuster. Sie hätten sich aber schnell aneinander gewöhnt. Gorbatschow bekam eine Einzelbox und im Sommer darf er mit den Mutterkühen auf die Weide. «Vielleicht spanne ich ihn im Frühling ein, und versuche mit ihm zu pflügen.»
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