Tagblatt Online, 21. Februar 2012 01:07:00
«Nachfahren werden sich wundern»
Grabungsleiter Fabio Wegmüller erläutert das Projekt vor der gedeckten und geheizten Baustelle. (Bild: Bilder: René Schneider)
Die Hugo Dietsche AG, Besitzerin und Betreiberin der Aushub- und Inertstoff-Deponie Unterkobel in Oberriet, unterstützt die archäologische Grabung des Kantons auf ihrem Baugelände. Geschäftsführer Peter Dietsche gab uns am Rand der gestrigen Medien-Führung ein Interview.
Peter Dietsche, als der Widnauer Architekt und Hobby-Archäologe Spallo Kolb letzten Sommer Sie auf archäologische Spuren oberhalb der Deponie hinwies – hatten Sie Freude oder waren Sie besorgt?
Peter Dietsche: Zuerst glaubte ich ihm kein Wort. Aber ich liess ihn gewähren und weitersuchen. Als es sich zeigte, dass er tatsächlich archäologische Funde gemacht hatte, befürchtete ich natürlich Auswirkungen auf unsere Arbeit, die Deponie, einen Baustop oder – noch schlimmer – die sofortige Schliessung.
Trotzdem unterstützten Sie Spallo Kolb und jagten ihn nicht mit einem Redeverbot vom Gelände.
Dietsche: Nein. Natürlich nicht. Wir unterstützten seine Bemühungen um eine Begutachtung der Fundstelle durch den Kantonsarchäologen und nachher die Grabung. Druck und Verbote erzeugen nur Reaktionen und Gegendruck. Das ist meine Erfahrung. Darum suche ich die Kooperation – und das war auch diesmal der richtige Weg.
Welches waren Ihre Konzessionen als Deponie-Besitzer und-Betreiber?
Dietsche: Wir mussten uns etwas anpassen in der Planung unserer Arbeit. Und wir nahmen kleine Verzögerungen in Kauf, weil wir gut im Zeitplan sind, diese Deponie bis 2020 gefüllt und bis 2027 verlassen zu haben.
Hatten Sie auch einen Nutzen aus dem archäologischen Fund?
Dietsche: Einen kleinen, vielleicht, indirekt. Schräg oberhalb der Fundstelle lag schon immer eine lose, etwa zehn Quadratmeter grosse und 400 Tonnen schwere Platte, die herunterzustürzen drohte. Das wussten wir schon lange, und wir hätten sie schon lange gern gesprengt. Aber das Sprengen in diesem ehemaligen Steinbruch war politisch schwierig. Wir scheuten den Aufwand und die Probleme auf dem Weg zu einer einmaligen Spreng-Bewilligung aus Sicherheitsgründen. Die Kantonsarchäologie unterstützte dann unser Begehren. Jetzt ist die Deponie auch für uns sicherer.
Aber die Grabung war kein Geschäft für Sie?
Dietsche: Finanziell nicht, nein. Darum ging es uns auch nie. Wir bezahlten die Sprengung und leisteten auch andere Arbeiten für die Grabung. Unser Geschäft ist die Deponie. Wir brauchen hier kein Zusatzgeschäft.
Werden Sie die Grabung hinterher besonders rücksichtsvoll zudecken?
Dietsche: Wir werden Hand bieten für die Wünsche der Archäologen. Vielleicht wollen sie ein Vlies davorlegen oder loses Material.
Was meinen Sie, waren hier schon urzeitliche Dietsche zu Hause?
Dietsche: Wohl nicht. Die Rheintaler Dietsche stammen aus der Innerschweiz und kamen erst um 1550 zum Abt in St. Gallen und für diesen ins Rheintal.
Haben Sie wenigstens ein kleines historisches Fundstück als Andenken bekommen?
Dietsche: (lacht) Nein. Nach dem Gesetz gehören alle archäologischen Fundstücke dem Kanton.
Was werden die Archäologen in tausend Jahren über diese Deponie denken?
Dietsche: Die werden sich vielleicht wundern, warum wir hier Erde, Baumaterial und Schutt aus einem grossen Gebiet und aus vielen Jahrhunderten gemischt und zu einem grossen Berg aufgeschüttet haben.
Interview: René Schneider
ostschweiz 21
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