Olympia-Saison der Bestätigung

SKICROSS ⋅ Der 26-jährige Oberegger Marc Bischofberger startet heute Donnerstag in Val Thorens in die Weltcup-Saison. Er macht sich berechtigte Hoffnungen auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Pyeongchang (Südkorea).
07. Dezember 2017, 05:20
Yves Solenthaler

Yves Solenthaler

Im französischen Val Thorens, dem mit 2300 m ü. M. höchstgelegenen Skiort in Europas Alpen, ging der Stern des Skicrossers Marc Bischofberger auf – in den Savoyen gewann er im Januar 2015 sein erstes und bisher einziges Weltcuprennen.

Bis er konstant an der Weltspitze fahren konnte, dauerte es aber bis zum letzten Winter. Zwei Podestplätze (Zweiter in Idre Fjall und Dritter in Montafon) und fünf weitere Top-8-Plätze ­bescherten Bischofberger den sechsten Platz im Gesamtweltcup. Die WM in Sierra Nevada, für die er und das gesamte, im Weltcup starke Schweizer Team so grosse Hoffnungen gemacht hatten, beendete er als bester Skicrosser des Landes, dennoch war der zehnte Platz in Spanien für ihn eine grosse Enttäuschung.

Die Olympischen Spiele überstrahlen alles

Mit Grossanlässen hat Marc Bischofberger noch eine Rechnung offen. Auch an seiner ersten Weltmeisterschaft – 2015 im steirischen Kreischberg – war er im Viertelfinal ausgeschieden. Vielleicht kann er dieses Jahr reüssieren, wenn am 21. Februar im Rahmen der Olympischen Spiele in Pyeongchang im Phoenix Ski Park der Final des Männer-Skicross stattfindet. Die Schweiz stellt mit dem inzwischen zurückgetretenen Mike Schmid immerhin den ersten Olympiasieger in dieser jungen Sportart (Vancouver 2010).

Allerdings muss sich der seit gut einem Jahr in Marbach wohnende Innerrhoder zuerst für ­diesen Anlass qualifizieren. Vier Startplätze stehen der Schweiz zur Verfügung, mit einer ähnlich guten Saison wie im Vorjahr ­würde sich Bischofberger seinen Startplatz in Pyeongchang wohl sichern.

«Klar, die Olympischen Spiele überstrahlen vor dieser Saison alles», sagt Bischofberger, «wir werden auch dauernd darauf angesprochen.» Aber für ihn sei es wichtig, den Fokus auf die die Saison eröffnende Cross Alps Tour zu richten. Auch im Hinblick auf die Olympischen Spiele: Die bis Weihnachten dauernde Alps Tour umfasst sechs Rennen, nachher sind es bis Pyeongchang nur noch deren drei: «In den Dezember-Rennen dürfte sich deshalb bereits abzeichnen, wer das Ticket für Südkorea löst.»

Sieg in einem Fis-Rennen im November

Die Schweizer trainieren seit August in Saas-Fee auf Schnee. Bischofberger hat in der Vor-Weltcup-Phase bereits ein paar Rennen bestritten. Nicht weil er musste – als Nationalkadermitglied hat er seinen Weltcup-Startplatz auf sicher. «Aber es gibt mir Sicherheit, vor dem eigentlichen Saisonstart schon mal eine Startnummer getragen zu haben», sagt der Oberegger, «so komme ich eher in den Rennrhythmus.» Die Resultate in den Vorbereitungsrennen bestätigen im Grossen und Ganzen seine Einschätzung, «körperlich und skitechnisch gut in Form zu sein». Denn ein Fis-Rennen in Saas-Fee konnte Bischofberger gewinnen.

Im Oberwalliser Skiort probte das Schweizer Skicross-Nationalteam auch bereits für den Phoenix Ski Park, in dem die Olympischen Spiele stattfinden – vor allem den Start, wo die Skicrosser im freien Fall drei Meter in die Tiefe stürzen. Einen ähnlichen Start hat es im letzten Winter bereits in Feldberg (Schwarzwald) gegeben, allerdings betrug dort die Fallhöhe nur eineinhalb Meter. Marc Bischofberger hatte bei regulären Starts lange Mühe, sofort auf Touren zu kommen, der freie Fall dagegen behagte dem starken Springer von Anfang an.

Im Sommer zwei tägliche Einheiten im Kraftraum

Marc Bischofberger konnte vor dieser Saison mehr trainieren als früher. Vom Arbeitgeber liess er sich von August bis Ende Saison freistellen. Damit blieb Zeit und genug Regenerationsmöglichkeit, um im Rotor-Training in Balzers zwei Konditionseinheiten täglich zu bestreiten: «Diesen Effekt spüre ich: Meine Kraft- und Konditionswerte sind so gut wie noch nie.»

Im Materialbereich hat Bischofberger direkt im Anschluss an die letzte Saison ein bisschen getestet, aber nicht mehr so intensiv wie im Vorjahr, als er seine Skimarke wechselte (von Salomon zu Head). Bischofberger hat nach dem starken letzten Winter Vertrauen in sein Material und auch in seine Fitness.

Beim Weltcupauftakt in Val Thorens gilt in der Diktion der Skicrosser: «Lass es krachen, Bischi!»

 

Weltcup-Saison 2017/18

7./9. Dezember: Val Thorens (Frankreich) – 12. Dezember: Arosa – 15. Dezember: Montafon (Österreich) – 21./22. Dezember: Innichen (Italien) – 13./14. Januar: Idre Fjall (Schweden) – 20. Januar: Nakiska (Kanada) – 3./4. März: Sunny Valley (Russland) – 17. März: Megève (Frankreich).

Olympische Spiele

21. Februar: Phoenix Ski Park in Pyeongchang (Südkorea).


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