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Auf der Strasse richtig entscheiden

ALTSTÄTTEN ⋅ Das Berufsbildungszentrum Rorschach-Rheintal sensibilisiert seine Schülerinnen und Schüler in Präventionsveranstaltungen der Stiftung Roadcross für ein verantwortungsvolles Verhalten im Strassenverkehr.
15. November 2017, 07:17
Max Tinner

Max Tinner

Mitten in der Nacht. Das Telefon klingelt. Die Polizei ist dran. Der Mutter ist klar: Dem Kind, das mit Kollegen im Ausgang ist, muss etwas passiert sein … Vielleicht hat schon diese erste Filmszene gestern den einen oder andern Schüler des Berufsbildungszentrums Rorschach-Rheintal (BZR) nachdenklich gestimmt.

Eine andere tat es bestimmt: Ein junger Mann erzählt, wie er mit gegen 140 Sachen unterwegs ist, auf dem Heimweg nach einem Treffen mit seiner Clique. Er kennt die Strecke, überholt vor einer Kurve noch zwei Autos. Dann verliert er die Kontrolle über sein Auto und donnert in einen Baum. Nachdem lange nicht klar war, ob er überhaupt jemals wieder auf die Beine kommen würde, geht er heute am Stock. Statt Auto fährt er jetzt ein dreirädriges Elektrotöffli. Er wird sein Leben lang Medikamente gegen Schmerzen und Depressionen nehmen müssen. Und er wird sein Leben lang Schulden abstottern. Und mit ihm leiden seine Angehörigen. «Es ist eben nicht so, dass man nur selbst ein Problem hat, wenn man einen Unfall baut», sagt der Mann im Video.

Um die 1500 Schülerinnen und Schüler des BZR besuchen in diesen Tagen an den beiden Schulstandorten in Altstätten und Rorschach eine Präventionsveranstaltung der Stiftung Roadcross. «Uns ist wichtig, dass jede unserer Schülerinnen und jeder unserer Schüler das einmal gesehen hat», sagt Rektor Rolf Grunauer. Das BZR lädt die Stiftung darum alle paar Jahre nach Altstätten und Rorschach ein.

Roadcross versucht, mit Betroffenheit zu überzeugen. Dabei setzt man nicht nur auf erschreckende Bilder von Unfällen, sondern auch auf eine räumliche Nähe: Robert Nyfeler, der gestern als Roadcross-Referent in Altstätten war, zeigte auch Fotos von Unfällen, die sich hier in der ­Region ereignet haben – vor drei Wochen in Altstätten, vor ein paar Monaten in Berneck …

Es könnte auch einen selbst treffen

Es soll dabei klar werden: Die ­Unfälle, von denen man täglich in der Zeitung liest, die ereignen sich nicht irgendwo, sondern hier. Und man könnte selbst in diese Unfälle verwickelt sein. Weil jemand unvernünftig oder unvorsichtig unterwegs war – oder weil man es selbst war.

Zu schnelles Fahren, Unaufmerksamkeit, besonders wenn man während des Fahrens telefoniert – oder noch ärger: wenn man während des Fahrens Nachrichten in sein Smartphone tippt, Essen und Trinken am Steuer, Fahren nach dem Konsum von Alkohol oder Drogen, Nichteinhalten von Verkehrsregeln … Dies alles sind häufige Ursachen von schweren Verkehrsunfällen.

Ziel der Präventionsveranstaltungen von Roadcross ist es, den teilnehmenden Jugendlichen das nötige Wissen zu vermitteln, damit sie selbst entscheiden können, welches Verhalten richtig ist, wenn sie auf der Strasse unterwegs sind oder wenn sie später noch auf die Strasse müssen.

Dies können sie auch während eines interaktiven Lernfilms, in dem sie die junge, hübsche Nina kennenlernen. Dabei werden die Jugendlichen mit Situationen konfrontiert, in denen sie sich jeweils für eine von zwei Verhaltensweisen entscheiden müssen: Den Drängler hinter einem vorbeiziehen lassen oder schneller fahren, damit er einem nicht mehr so am Heck klebt, und so vielleicht grad auch noch Nina ein wenig imponieren? Um in Stimmung zu kommen den Joint annehmen, der einem angeboten wird, oder besser nicht? Wenn man schon etwas getrunken hat, selbst noch heimfahren oder ein Taxi nehmen?

Ein Thema in der Präventionsveranstaltung ist auch, wie man als Mitfahrender aus einem Auto wieder heil rauskommt, wenn man feststellt, dass der Fahrer nicht fahrtüchtig ist oder viel zu schnell fährt. «Sagt einfach, dass es euch schlecht wird», empfiehlt Robert Nyfeler, «der Fahrer wird garantiert anhalten – keiner will, dass man ihm das Auto vollkotzt.»

Hinweis

Auf www.datenina.ch kann man selbst auf die oben genannten Situationen reagieren und sehen, ob einen die Entscheidungen in die Arme von Nina oder ins Krankenhaus bringen. Mehr auch auf www.roadcross.ch.


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