St. Galler Kantonsgericht mildert Strafe für Finanzbetrüger

KANTON ST.GALLEN ⋅ Das St. Galler Kantonsgericht hat die Freiheitsstrafe gegen einen 46-jährigen Finanzbetrüger von fünfeinhalb Jahren auf vier Jahre und neun Monate reduziert. Der Verurteilte soll mit einem Schneeballsystem Anleger um über zwei Millionen Franken geprellt haben.
24. November 2017, 12:15
Das Kantonsgericht bestätigte die Schuldsprüche wegen gewerbsmässigen Betrugs, Urkundenfälschung und versuchten Prozessbetrugs, wie es am Freitag bekanntgab. Der 46-Jährige hatte seine erstinstanzliche Verurteilung durch das Kreisgericht Wil angefochten und eine Strafreduktion verlangt.

Durch das vom Beschuldigten betriebene Schneeballsystem sei ein Gesamtschaden von 2,24 Millionen Schweizer Franken entstanden, begründete das Gericht sein Urteil. Der Mann habe keine Hemmungen gezeigt, ihm nahestehende Menschen zu betrügen, und sich zunächst auch durch eine laufende Strafuntersuchung nicht von weiteren Taten abhalten lassen. Sein Verschulden sei mittelschwer bis schwer.

Strafmindernd berücksichigte das Kantonsgericht, dass sich der Beschuldigte von Anfang an geständig und kooperativ gezeigt hat. Eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten sei angemessen. Das Kantonsgericht sprach auch ein Berufsverbot aus. So darf der Beschuldigte in den fünf Jahren nach seiner Entlassung keiner selbständigen und unselbständigen Tätigkeit in der Finanz-, Versicherungs- und Treuhandbranche nachgehen. An der Berufungsverhandlung vom vergangenen Mittwoch hatte der Beschuldigte beteuert, er wolle nie wieder in dieser Branche tätig sein.

«Ponzi-Trick»

Die Staatsanwaltschaft warf dem Beschuldigten vor, ein Schneeballsystem im Stil des sogenannten «Ponzi-Tricks» betrieben zu haben. Nachdem er seinen Job als Koch an den Nagel gehängt und zu einer Finanzberatungsfirma gewechselt hatte, kam er auf die Idee, sich neben seiner Tätigkeit als Angestellter ein selbständiges Unternehmen aufzubauen. Er brachte Freunde, Bekannte und Geschäftspartner dazu, ihm Geld anzuvertrauen, das er mit hohen Renditen anlegen wollte. Insgesamt flossen ihm 3,54 Millionen Franken zu.

Die Selbständigkeit entwickelte sich allerdings nicht so, wie er wollte. Pochten Anleger auf die Auszahlung ihrer Investitionen, zahlte er ihnen Einlagen neuer Anleger aus. Eine erkleckliche Summe verwendete er für den luxuriösen Lebensunterhalt für sich und seine Familie. Er soll pro Jahr rund 200‘000 Franken für sich abgezweigt haben - insgesamt über zwei Millionen. Er lebte mit seiner Familie in einer 1,4 Mi.o Franken teuren Villa, leistete sich ein Ferienchalet und kaufte alle 18 Monate einen neuen Mittelklassewagen. Am Schluss blieben 57 Geschädigte zurück.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.


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