Soforthilfe für Verdingkinder: 236 St.Galler Gesuche eingereicht

KANTON ST.GALLEN ⋅ Ehemalige Verdingkinder und andere Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen haben Anrecht auf Soforthilfe. Im Kanton St.Gallen haben sich bislang 336 Betroffene gemeldet. Die Regierung will im kommenden Jahr 300'000 Franken an die Wiedergutmachung leisten.
23. November 2017, 12:15
Ende 2014 wurde die Wiedergutmachungsinitiative eingereicht. Diese forderte 500 Millionen Franken für die Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen. Bundesrat und Parlament nahmen das Anliegen mit einer Gesetzesänderung und dem tieferen Betrag von 300 Millionen Franken auf. Um die Auszahlung nicht zu verzögern, wurde die Initiative daraufhin zurückgezogen.

Das «Bundesgesetz über die Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen vor 1981» trat am 1. April 2017 in Kraft. Die Kantone richteten Anlaufstellen ein.

Im Kanton St.Gallen ist die Stiftung Opferhilfe SG-AR-AI zuständig. Sie berät die Betroffenen und unterstützt sie bei der Suche nach Akten und bei der Vorbereitung der Gesuche um Gewährung des Solidaritätsbeitrags, wie die St.Galler Staatskanzlei am Donnerstag mitteilte.

Frist läuft noch bis März 2018

Laut Brigitte Huber, Geschäftsleiterin der Stiftung Opferhilfe, haben sich bis Mitte November 336 betroffene Personen gemeldet. Bisher seien 236 Gesuche an den Solidaritätsfonds des Bundes eingereicht worden.

Damit eine Person einen Solidaritätsbeitrag erhalte, müsse sie insbesondere ihre «Opfereigenschaft» glaubhaft machen, heisst es in der Mitteilung weiter. Die administrativen Hürden seien aber tief und die Gesuchsformulare bewusst einfach gehalten.

Gesuche an den Solidaritätsfonds können noch bis 31. März 2018 eingereicht werden. Alle Opfer werden den gleich hohen Betrag erhalten - je nach Anzahl der Gesuche zwischen 20'000 und 25'000 Franken.

Kanton leistet freiwilligen Beitrag

Der Bund hat vorgesehen, dass die Kantone einen freiwilligen Beitrag leisten. Die St.Galler Regierung anerkennt das damalige Unrecht und will sich deshalb im Sinne eines wichtigen Zeichens der Wiedergutmachung am Fonds beteiligen. Sie schlägt deshalb dem Kantonsrat im Budget 2018 eine erste Beitragstranche von 300'000 Franken vor, wie die Staatskanzlei schreibt. Das Parlament wird in der Novembersession über den Beitrag befinden.

Sofern die Zahl der Gesuche den Erwartungen entspricht, sollen in den Jahren 2019 und 2020 zwei weitere Beitragstranchen in derselben Höhe geleistet werden. Vorbehalten bleibt aber auch hier der Budgetentscheid des Kantonsrats. (sda)


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