Albtraum für Camper

FIES ⋅ Die Münchwiler Womo AG verkauft einem Thurgauer einen VW-Bus, verschweigt aber den Motorschaden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Veruntreuung, eventuell Betrug.
04. Mai 2017, 05:18
Ida Sandl

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ida.sandl

@thurgauerzeitung.ch

Patrick Bieri hätte weiterkämpfen können. Seine Rechtsschutzversicherung hätte mitgemacht. Es reicht, genug geärgert, haben er und seine Freundin sich statt­dessen gesagt. Der gebürtige Bischofszeller hat sich gegen eine Strafanzeige und für Ferien entschieden. Momentan ist er mit der Freundin in Holland. Sie beide und der VW-Bus, um den sich alles dreht. Der Motor ist ausgetauscht, 3500 Franken hat Bieri dafür zahlen müssen. Doch der Bus fährt, und die Ferien sind schön.

Jetzt will Patrick Bieri nur noch vergessen und andere warnen vor einer Firma, mit der nicht nur er schlechte Erfahrungen ­gemacht hat: die Womo AG in Münchwilen, spezialisiert auf gebrauchte Wohnmobile.

Der Motor sei in sehr gutem Zustand, hiess es

Bieri fand unter den Occasionen seinen ganz persönlichen Traum von Freiheit: einen VW-Bus für 16000 Franken. Der Verkäufer habe ihm versichert, dass der Motor in sehr gutem Zustand sei, sagt Bieri. Lediglich 30000 Kilometer seien damit gefahren ­worden.

In den Fahrzeugpapieren stand, der Motor sei erst vor kurzem ausgetauscht worden. Deshalb war Bieri über den Zusatz «reparaturbedürftig» im Kaufvertrag nicht gross beunruhigt. Für ihn war klar, das können nur Kleinigkeiten sein. Schon auf der ersten längeren Fahrt blinkt das Warnlicht. Das Ziel Italien erreicht das Paar nicht. Es muss ständig Kühlerflüssigkeit nachfüllen. Bieri lässt den Bus von einem Experten überprüfen. Der stellt fest, dass der Motor undicht ist. Abgas gelangt ins Kühlwasser und heizt es auf.

Bieri hatte bei der Womo AG sogar noch eine Motorver­sicherung für 450 Franken ab­geschlossen. «Eine Pseudover­sicherung», sagt er heute. Sie deckt den Schaden nicht ab, da er bereits vor dem Abschluss be­standen habe. Ohnehin zahle sie höchstens 1500 Franken, bei einem Selbstbehalt von 300 Franken. «Lächerlich!» Bieri fühlt sich abgezockt. «Das sind Lügner.» Er macht den Vorbesitzer ausfindig und findet heraus, dass die Womo AG vom Motorschaden gewusst hat. Deshalb hat sie nur 3500 Franken für den Bus bezahlt.

Bieri wendet sich an den «Kassensturz», der das Thema aufgreift. Es stellt sich heraus: Die Methode hat System. «Der Occasionshändler verkauft die Wohnmobile im Auftrag seiner Kunden, speist sie aber mit viel zu tiefen Preisen ab. Den Gewinn sackt er ein.» Viele Betroffene hätten sich gemeldet, heisst es.

Einige Geprellte erstatten Anzeige. Die Staatsanwaltschaft Frauenfeld habe ein Strafverfahren wegen Verdachts auf Veruntreuung, eventuell Betrug gegen den Geschäftsführer eröffnet. «Gegenstand der Untersuchung sind gebrauchte Wohnmobile», sagt Stefan Haffter, Sprecher der Thurgauer Staatsanwaltschaft. Es gebe mehrere Anzeigen sowie Übernahmeersuche von anderen Kantonen. Es gilt die Unschuldsvermutung, sagt Haffter. Dem Geschäftsführer gehört auch die Mobi-Cars AG und eine Immobilienfirma. «Kassensturz» hat her-ausgefunden, dass bei Mobi-Cars Rechnungen von rund 200000 Franken offen sind. Viele Forderungen würden nicht oder mangelhaft gelieferte Wohnmobile betreffen.

Die Womo AG war gestern weder für eine telefonische noch eine schriftliche Stellungnahme erreichbar.


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