Abschied vom Schulhaus Breite

WALDKIRCH ⋅ Mit Spraydosen, Spirituosen und Schlaghämmern verabschiedete sich die Waldkircher Bevölkerung von ihrem Schulhaus Breite. Der Verkauf des alten Schulmobiliars ging fix über die Bühne.
18. Dezember 2017, 05:18
Manuela Bruhin

Manuela Bruhin

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Die Luft ist vernebelt, es riecht nach Farbspray. Kinder spielen mit einem Ball in der Turnhalle, während andere in einem Zimmer ihren Namen an der Wand verewigen. «Lean», «Milo» oder «Lara» waren bereits hier, um sich vom Schulhaus Breite zu verabschieden.

Im Eingang des Schulhauses, auf einer alten Holzbank, sitzen Benno und Beat. Beide haben ihre Primarschulzeit hier durchlaufen und erinnern sich an so manchen Schwank. Benno ging sechs Jahre lang in jenem Raum zur Schule, wo an diesem Samstag mit einem Hammer Wände eingeschlagen werden können; ein symbolischer Auftakt für den eigentlichen Abriss. Gebrauch habe er davon gemacht, aber keinesfalls aus Frust über seine Schullaufbahn, wie Benno lachend erklärt. «Es war schön. Vom Fenster aus sah man direkt auf die 80-Meter-Bahn. Wenn der Unterricht einmal nicht so spannend war, hatte man so andere Unterhaltung.» Es sei schon ein spezielles Gefühl, wenn man bedenke, dass bald alles in Schutt und Asche liege. Aber die Freude aufs Neue überwiege, so Benno.

Mit Spraydosen, Spirituosen und Schlaghämmern verabschiedete sich die Waldkircher Bevölkerung von ihrem Schulhaus Breite. Der Verkauf des alten Schulmobiliars ging fix über die Bühne. (Bilder: Michel Canonica)

Abdichtungen und Garderoben

Ähnlich ergeht es seinem Kollegen und Schulfreund Beat. Auch er erinnert sich – etwa an seinen stets korrekten Lehrer, welcher jeweils mit Hosenträgern erschienen sei. «Als wir vor Unterrichtsbeginn in der Turnhalle mit den Ringen spielten, traf ihn einer davon direkt am Kopf», so Beat. Er nimmt sich einige Garderoben vom Schulhaus mit nach Hause. Sein Kollege Benno greift in die Tasche und zeigt seine Errungenschaft: Eine Wasserhahnabdichtung. «Die brauche ich für das Lavabo bei mir Zuhause.» Beide werden nun gemütlich mit einem Bier auf die vergangene Zeit anstossen, und die Erinnerungen Revue passieren lassen.

«Weisch no» – Diese beiden Wörter hört man an diesem Samstag so manches Mal in den Gängen des Schulhauses. Bereits wurde viel Inventar verkauft oder verschenkt, wie Schulratspräsidentin Susanne Roth ausführt. «Vor allem Bänke, Sprossenwände und Trampoline waren begehrt.» Dass der Verkauf so gut laufe, habe man nicht erwartet. Es sei schön, dass die Leute sich gebührend vom Schulhaus verabschieden könnten. Roth kann dies verstehen – schliesslich sei es ihr bei «ihrem» ehemaligen Schulhaus in Gossau ähnlich ergangen. «Da war viel Wehmut mit dabei.» Sprachs, und macht sich gleich wieder an die Arbeit, weil jemand eine Bank oder einen Spiegel kaufen will.

Nebenan verewigt gerade Levin seinen Namen auf einer Wand. «Wir gingen hier zur Schule», sagt er, als er mit seinem Werk fertig ist. Zusammen mit seiner Schwester Simona und seiner Mutter ist er hergekommen, um sich zu verabschieden. Mitgeholfen beim Umzug haben sie, und nun sind sie gespannt auf den Abriss im Januar. Bis dahin werden die «Kunstwerke» an den Wänden also noch bestehen. Die Erinnerungen werden jedoch noch länger bleiben.


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