Tagblatt Online, 11. Februar 2012 01:03:00
Spurensuche im Andwiler Moos
Das Rehwild sucht im Winter Schutz und Ruhe zwischen Sträuchern und Gebüsch. Werden die Tiere von Wintersportlern aufgeschreckt, geraten sie in extremen Stresszustand. (Bild: fotolia)
Der Tannenberg ist bei Wintersportlern beliebt. Hier gibt es einen Skilift und Loipen. Allerdings kommt es immer wieder vor, dass Schneeschuhläufer quer durch das Naturschutzgebiet Andwiler Moos laufen – eine Gefahr für das Rehwild.
NINA RUDNICKI
ANDWIL. Viel Schnee und viel Sonne – von beidem gibt es auf dem 800 Meter über Meer gelegenen Tannenberg derzeit genug. Deshalb zieht es täglich viele Wintersportler hierher. Hauptsächlich Langläufer sowie Spaziergänger und seit drei Jahren – wie Revierförster Erwin Keller schätzt – auch immer häufiger Schneeschuhläufer. Diese Sportart ist es auch, die Keller Sorgen bereitet.
Stress für das Rehwild
Was viele Schneeschuhläufer nicht wissen ist, dass die Langlaufstrecke um das Naturschutzgebiet Andwiler Moos herum führt. «Es kommt daher immer wieder vor, dass einige Personen eine Abkürzung quer über das Andwiler Moos nehmen, anstatt neben den Loipen zu laufen», sagt Keller. Böswilligkeit will der Revierförster den Sportlern aber nicht unterstellen. Vielmehr glaubt er, dass Unwissenheit der Grund ist.
Die Pflanzen sind zwar durch die Schneedecke geschützt. Sie sind aber nicht das Hauptproblem, sondern das Rehwild und die Vögel, die aufgeschreckt werden. «Im Winter verstecken sich viele Rehe in den Hecken und im Gebüsch. Durch die Schneeschuhläufer werden sie gestört und flüchten», sagt Keller. Die Tiere, die sich in einer Ruhephase befinden, verbrauchen durch die plötzliche Flucht viel mehr Energie. «Das bedeutet für ihren Körper Stress pur und ist deshalb für die Tiere sehr gefährlich», sagt er. Hinzu kommt, dass ein aufgeschrecktes Reh wegen des angestiegenen Energieverbrauchs auch mehr fressen muss. Das wiederum verursacht ein weiteres Problem. «Die Rehe beissen, wenn sie einen grösseren Hunger haben, viel häufiger die Knospen und Triebe der Jungbäume ab», sagt er. Diese Bäume würden dann nicht gleich schön wachsen. Für eine gesunde Natur sei aber beides wichtig, ein ausgeglichener Wildtier- genauso wie der Baumbestand.
Nach der Eiszeit entstanden
Nicht nur wegen der Tiere ist das Andwiler Moos ein Schutzgebiet. Auf dem zehn Hektar grossen Landstück gibt es verschiedene Pflanzen wie Sumpfgräser, Seggen, Binsen, Sträucher und mehrere Arten von Orchideen. Als Flachmoor sei es zudem ein Zeuge der letzten Eiszeit, wie Keller erklärt. Nachdem das letzte Eis geschmolzen sei, habe sich durch das viele Grundwasser, den geringen Sauerstoffgehalt und durch die sich langsam zersetzenden Pflanzen Torf gebildet. Auf diese Weise sei ein Hochmoor entstanden. «Leider wurde dann zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr viel Torf zu Brennzwecken abgetragen. Heute würde man dafür keine Bewilligung mehr bekommen», sagt er. Langsam entwickle sich das Flach- wieder zum Hochmoor zurück. «Wenn wir Glück haben, ist es in 500 Jahren soweit, wenn wir Pech haben, in 1000.»
Mit Infotafeln warnen
Rund um das Andwiler Moos stehen Hinweistafeln, die auf das Naturschutzgebiet aufmerksam machen. Zusätzliche Warntafeln anbringen möchte Keller nicht. «Der Tannenberg ist vor allem ein Erholungs- und Freizeitgebiet. Das soll auch so bleiben und zu viele Warntafeln verderben nur die Freude», sagt er. Keller möchte auch keine Busse verteilen, wenn er einmal einen Schneeschuhläufer auf frischer Tat ertappt. In einem solchen Fall werde er die Person zur Rede stellen und aufklären. Er sagt: «Am wichtigsten ist es, die Leute für das Thema zu sensibilisieren.»
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