Tagblatt Online, 22. Februar 2012 01:04:00
Seilziehen ums Präsidium
In Waldkirch kommt es zum Kräftemessen – Gleich zwei Kandidaten treten dieses Jahr zur Wahl für das Gemeindepräsidium an. (Bild: Archivbild: Michel Canonica)
WALDKIRCH. Aurelio Zaccari kandidiert für das Amt des Gemeindepräsidenten. Einen Tag nach der Bekanntgabe seiner Ambitionen, spricht er Klartext und ortet Kommunikationsprobleme zwischen Bürgern und Behörde. Franz Müller winkt ab.
NINA RUDNICKI
Aurelio Zaccari will im kommenden Herbst der neue Gemeindepräsident von Waldkirch werden – das hat er gestern der Öffentlichkeit bekanntgegeben. Für viele, vor allem für den amtierenden Gemeindepräsidenten Franz Müller (CVP), ein überraschender Schritt. Dennoch, der Entscheid sei «wohl und lange überlegt», sagt Zaccari. Schon vor vier Jahren habe ihn seine Partei, die FDP, darauf angesprochen, ob er nicht für das Amt des Gemeindepräsidenten kandidieren wolle. Doch damals habe er sich nach nur einer Amtsdauer noch nicht bereit dazu gefühlt.
Strukturen aufbrechen
Jetzt allerdings, nach fast weiteren vier Jahren sieht die Situation anders aus. Rückmeldungen der Parteien und der Bevölkerung haben Zaccari bestätigt, dass «die richtige Zeit» gekommen sei. Das Vertrauen in die Gemeinde wieder herzustellen, sei dabei ein wichtiger Punkt. «Es ist ein Misstrauen seitens der Bürger gegenüber der Behörde spürbar und eine daraus resultierende Unzufriedenheit», sagt Zaccari. Vor allem Transparenz, Offenheit und Kommunikation zu schaffen, sei ihm ein wichtiges Anliegen. Ausserdem sollen die Bürger durch Infoveranstaltungen mehr einbezogen anstatt im dunkeln gelassen werden– laut Zaccari daher der richtige Zeitpunkt, die alten Strukturen aufzubrechen. Würde er gewählt, wolle er vor allem die Führung der Gemeindeverwaltung neu organisieren. «Als Chef einer Gemeinde muss man den Abteilungsleitern und Gemeinderäten mehr Eigenverantwortung und Kompetenzen übertragen», sagt er. Einen ersten Schritt in diese Richtung habe er getan, als er vor vier Jahren das Ressortsystem vorgeschlagen habe. Seither sei nun jedem Gemeinderat ein Kompetenzbereich zugeteilt.
Ein neues Konzept
Ein Misstrauen seitens der Bevölkerung, wie Zaccari es beschreibt, ist laut Gemeindepräsident Franz Müller nicht feststellbar. Erst vor einem Jahr sei ein neues Kommunikationskonzept erarbeitet worden. Damit habe man frühere «Missstände» behoben. Zum einen sei bereits geplant, die Bevölkerung über neue Projekte an Infoveranstaltungen zu orientieren, sagt er. «Zum anderen gibt es das neue, wöchentlich erscheinende Mitteilungsblatt.» Ausserdem hätte Aurelio Zaccari als Gemeinderat und Vizepräsident ja jederzeit weitere Vorschläge einbringen können, sagt Müller. «Schliesslich herrscht im Gemeindehaus eine offene Gesprächskultur.» Bezüglich der Informationspolitik müsse er sich keine Vorwürfe gefallen lassen.
Nicht nur die Kommunikation mit den Bürgern, sondern auch mit den Ortsparteien soll, wenn es nach Zaccari geht, verbessert werden. «Mein Ziel ist ein parteiübergreifender Austausch», sagt er.
Laut Müller ist man hierbei bereits auf bestem Weg. Der erste Schritt dafür sei das Parteigespräch im vergangenen November gewesen, in welchem die Parteien den Wunsch angebracht hätten, mehr in die Geschäfte und Entscheide einbezogen zu werden. Das werde man in Zukunft berücksichtigen.
Unterstützung der Bürger
Beide, Zaccari und Müller, sind sich sicher, genügend Rückhalt in der Bevölkerung zu haben, um die Wahl im Herbst zu gewinnen – das zumindest ist ihnen gemeinsam. Zaccari setzt dabei auf den direkten Kontakt mit den Waldkirchern. «Mit der FDP zusammen habe ich schon viel für die Waldkircher gemacht», sagt er. So habe er unter anderem auf Bauernhöfen mitgeholfen, runde Tische organisiert und sich immer darum bemüht, herauszufinden, wo die Bürger der Schuh drücke. «Deshalb glaube ich durchaus, dass man mir das Vertrauen entgegenbringt und mich in meinem Vorhaben unterstützt», sagt er. Seine Erfahrung als Dienststellenchef der Kantonalen Notrufzentrale bei der Kantonspolizei dürfte ihm bei der Wahl als Gemeindepräsident entgegenkommen, glaubt der 41-Jährige.
Müller nennt als seinen entscheidenden Vorteil die über 20jährige Erfahrung als Gemeindepräsident und seine Zeit als Kantonsrat: «Dank meiner persönlichen Kontakte kann ich viele Geschäfte und Wünsche der Gemeinde beim Kanton anbringen.»
- Artikel empfehlen:










Zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden.
Kommentar schreiben