Weihnachtsschmaus: Wie man trotz geschlossener Metzgereien an frisches Fleisch kommt

GOSSAU ⋅ Ein Metzger will sein Geschäft am Sonntag, dem 24.Dezember öffnen. «Geht nicht», sagt der Kanton. Viele Metzger bringen ihr Fleisch an Heiligabend dennoch an Mann und Frau.
22. Dezember 2017, 06:40
Adrian Lemmenmeier

Adrian Lemmenmeier

adrian.lemmenmeier@tagblatt.ch

Es ist das beliebteste Menü an Weihnachten: Fondue chinoise. Und Herr und Frau Schweizer mögen es frisch von ihrem Metzger. Denn erstens entstehen auf dem rohen Fleisch Flecken, wenn man es länger lagert, und zweitens passt die riesige Fleischplatte bei manchen kaum in den ohnehin mit festlichem Essen gefüllten Kühlschrank. Die meisten Leute holen deshalb ihr Fleisch möglichst an dem Tag vom Metzger, an dem sie es auch servieren.

Da kommt es ungelegen, dass der 24. Dezember in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt. Das dachte sich auch Patrick Sager von der Metzgerei Hirschen in Waldkirch. Er beantragte deshalb bei der Gemeinde eine Sonderbewilligung, damit er seine Metzgerei auch an Heiligabend öffnen kann. «Bei der Gemeinde hat man sehr entgegenkommend reagiert», sagt Sager. Aber der Kanton habe sein Anliegen abrupt gestoppt. «Unmöglich», habe es beim Arbeitsinspektorat geheissen, «das würde gegen das kantonale Gesetz verstossen.»

Bäcker dürfen, Metzger nicht

«Anscheinend dürfen nur Bäckereien geöffnet sein», sagt der Metzger aus Waldkirch. «Ich verstehe nicht, weshalb für Metzgereien, die ja ebenfalls ein frisches Produkt verkaufen, andere Regeln gelten.» Beim Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons verweist man auf eine Verordnung des eidgenössischen Arbeitsgesetzes. «Das Verkaufspersonal in Bäckereien darf ohne behördliche Bewilligung am Sonntag beschäftigt werden», schreibt das Amt auf Anfrage. Für Metzgereien gelte diese Bestimmung nicht. Und weil Heiligabend auf einen Sonntag falle, würde grundsätzlich keine Beschäftigung bewilligt.

Die «Hirschen Metzg» in Waldkirch bleibt deshalb am 24. Dezember geschlossen. «Schade», findet Patrick Sager. «Für die Kunden wäre es natürlich ideal, wenn die Metzgerei geöffnet hätte. Die Nachfrage über die Festtage ist gross.»

Abholen statt kaufen

Andere Metzgereien haben einen Weg gefunden, damit ihre Kunden an den Festtagen dennoch an frisch geschnittenes Fleisch kommen. Guido Brändli von der Metzgerei Ochsen in Gossau löst das Problem so: «Bei uns können die Kunden am 24. Dezember zwischen 10 und 13 Uhr die Fleischplatte abholen, die sie zuvor bestellt haben.» Am gleichen Tag würden vor der Metzgerei Würste grilliert und verkauft. «Wir machen das seit Jahren so», sagt Brändli, «auch wenn mit Weihnachten und Stephanstag üblicherweise nur zwei Feiertage hintereinander kommen.»

Ähnlich tönt es bei der Konkurrenz. «Auch bei uns kann man zwischen 10 und 13 Uhr Fleisch abholen», sagt Rafael Grübler, Inhaber und Geschäftsführer der Metzgerei Grübler in Gossau. «Schliesslich muss das Fleisch frisch aufgeschnitten sein», so Grübler. «Und die meisten Leute haben an den Festtagen keinen Platz im Kühlschrank, um eine Fleischplatte lange zu lagern.» Handgeschnittenes Fondue chinoise sei besonders im Trend. Auch bei der Metzgerei Forster in Arnegg kann man am 24. Dezember seine Bestellung abholen. «Ich bin dann sowieso in der Metzgerei», sagt Marcel Forster. «Dann können die Leute auch schnell vorbei kommen.» Ein anderer Metzger will lieber nicht von seinem Abholservice in der Zeitung lesen. «Sonst rennen mir die Leute die Bude ein», sagt er. Er hätte ohnehin schon sehr viele Bestellungen.

Solange keine Angestellten beschäftigt werden

Die Metzgerei Hirschen muss am 24. Dezember geschlossen bleiben. Dürfen denn die anderen Metzgereien ihre Kunden per Abholservice mit Fleisch versorgen? Grundsätzlich müsse man unterscheiden «zwischen der Bewilligung der politischen Gemeinde für Ausnahmen von den gesetzlichen Ladenöffnungszeiten und der Bewilligung des kantonalen Arbeitsinspektorates für die Sonntagsarbeit, welche sich auf das eidgenössische Arbeitsgesetz stützt», schreibt das kantonale Amt für Wirtschaft und Arbeit. Die Gemeinden können also entscheiden, ob sie Geschäftern die Bewilligung erteilen, an Feiertagen zu öffnen, oder nicht. Aus Sicht des Arbeitsinspektorates sei es nur dann problematisch, wenn am Feiertag Mitarbeiter beschäftigt würden. Metzger Sager könnte also seine Metzgerei mit Bewilligung der Gemeinde am 24. Dezember öffnen, solange keine Angestellten hinter dem Tresen stehen.

Dies ist denn auch die gängige Praxis bei den befragten Metzgereien. «Die Angestellten sollen die Feiertage geniessen», sagt etwa Metzger Forster aus Arnegg.Er ist am 24. Dezember allein im Geschäft. Auch bei den anderen Metzgereien verweist man auf Lösungen innerhalb des Familienbetriebs. Für Läden, die höchstens eine Fläche von 120 Quadratmetern haben und hauptsächlich Lebensmittel anbieten, gelten sowieso andere Massstäbe. Sie profitieren von erweiterten Ladenöffnungszeiten und können an öffentlichen Ruhetagen von 7 bis 21 Uhr geöffnet haben – ohne eine spezielle Bewilligung der Gemeinde.