Es wird ernst

ZÜGELWOCHE ⋅ Die Tage im alten Schulhaus Breite in Waldkirch sind gezählt: Diese Woche wird das gesamte Mobiliar ins Provisorium gezügelt. Eine logistische Herausforderung, wie ein Blick hinter die Kulissen verrät.
14. Dezember 2017, 05:21
Manuela Bruhin

Manuela Bruhin

redaktiongo

@tagblatt.ch

Im Schulzimmer von Nicole Heppler im Schulhaus Breite herrscht eine konzentrierte Atmosphäre. Während ihre Erst- und Zweitklässler eifrig Matheaufgaben lösen, hat die junge Lehrerin einige Minuten Zeit, um inne zu halten und die vergangenen Wochen reflektieren zu lassen. Wochen, in denen das Unterrichtsmaterial in Kisten verstaut und ausgemistet wurde. Einige Kartonschachteln am Rande des Schulzimmers verraten den nahenden Umzugstermin. «Ansonsten versuchen wir, den Kindern Normalität und Alltag zu vermitteln», sagt Nicole Heppler. Die Schüler seien gespannt – auf den Moment, wenn es richtig losgeht. Aber auch das Abschiednehmen sowie das Verpacken in Kisten beschäftigen derzeit die Menschen im Schulhaus. «Wir sind nervös und freuen uns auf das, was kommt», sagt Heppler mit einem Lächeln. Noch könne man sich nicht richtig vorstellen, wie sich der Schulalltag im Provisorium gestalten werde. Die Motivation der Kinder sei jedoch hoch, sagt Heppler. «Es macht Spass, mit ihnen den Umzug zu gestalten.»

Ausnahmezustand vermeiden

Dass ein Umzug jedoch nicht nur von freudigen Gefühlen begleitet wird, kann wohl jeder bestätigen, der sein gesamtes Hab und Gut bereits einmal vollständig ein-, und am neuen Ort wieder ausgepackt hat. Was bei einer Familie schon eine Herausforderung ist, wird bei rund 100 Kindern und zehn Lehrpersonen nicht einfacher – im Gegenteil. «Es ist eine logistische Herausforderung», bringt es Schulleiter Stephan Blumer auf den Punkt. «Es muss an wahnsinnig viel gedacht werden.» Beispiele fallen ihm einige ein: Wann kann der Pausengong umgehängt werden, damit er auch im Provisorium gehört wird? Die Telefon- und IT-Anlagen müssen morgen noch im Altbau funktionieren, am Montag dann bereits in den Containern. Wo kann das Material zwischengelagert werden, damit die Lehrpersonen keinen allzu weiten Weg in Kauf nehmen müssen? Und wie sieht es mit der Schulwegführung während des Baubetriebs aus? Diese und noch viele weitere Fragen mussten im Vorfeld von einer Subkommission geklärt werden. «Uns war und ist es ein grosses Anliegen, dass der reguläre Schulbetrieb aufrechterhalten wird – und kein wochenlanger Ausnahmezustand herrscht», sagt Blumer.

Nach einer langen Vorbereitungsphase steht nun der eigentliche Umzug an. Gestern Nachmittag wurden Kästen, Schränke, Leinwände, Tafeln sowie Bildschirme demontiert. Heute ist die letzte Räumung von den Materialien angesetzt. Und morgen helfen die Schüler aktiv beim Umzug mit. Gemäss eines Planes zügeln die Klassen unter Mitwirkung einer Oberstufenklasse leichtes Schulmaterial. «Uns war wichtig, dass die Kinder einen Beitrag dazu leisten können», sagt Blumer. Das schwere Material wird dann am Wochenende von einer Umzugsfirma transportiert.

Am Samstag nochmals in Erinnerungen schwelgen

Ebenfalls diesen Samstag findet die «Austrinkete» statt. Interessierte Personen können Gegenstände des Altbaus erwerben und sich von den Räumen verabschieden. «Der Umzug ist natürlich mit grosser Nostalgie verbunden», erklärt Blumer. Vorfreude und Spannung würden sich mit Wehmut mischen – schliesslich erlebte man in den alten Räumen viele gemeinsame Stunden. Ernst gilt es am kommenden Montag, wenn der reguläre Schulbetrieb im Provisorium aufgenommen wird. Eine Umstellung wird es werden, sagt Blumer. Sowohl für Lehrpersonen wie auch für die Schüler. «Wir müssen viele Einschränkungen hinnehmen. Beispielsweise gibt es ein Fünftel weniger Zimmer.» Doch die Professionalität aller Beteiligten lassen den Schulleiter auch in der heiklen Phase des Umzugs gut schlafen. «Bisher verlief alles reibungslos. Deshalb kann ich nur ein grosses Lob an alle Beteiligten aussprechen.»

Abschied nehmen

Übermorgen Samstag, von 16 bis 22 Uhr im Schulhaus Breite


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