Die Maitlisek öffnet sich

GOSSAU ⋅ Die Maitlisek nimmt ab Sommer 2019 auch Realschülerinnen auf. Gleichzeitig soll eine neue Leistungsvereinbarung die Finanzierung vereinfachen. An der Geschlechtertrennung aber hält die Schule fest.
20. Dezember 2017, 06:51
Noemi Heule

Noemi Heule

noemi.heule@tagblatt.ch

Im Volksmund ist sie die Maitlisek. Kurz und bündig sagt der Name denn auch alles über die Schule aus, die sich formell katholische Sekundarschule Gossau nennt. Seit über 100 Jahren bildet die Institution Mädchen aus, genauer Sekundarschülerinnen. Nun bricht sie mit der Tradition. Ab 2019 sollen in den historischen Mauern erstmals auch Realschülerinnen willkommen sein.

Neue Leistungsvereinbarungen mit der Stadt Gossau und der Schulgemeinde Andwil-Arnegg regeln die Finanzierung der Schule neu, die sich weiterhin als Verein organisiert. Gleichzeitig öffnet sie sich für Realschülerinnen, die gemeinsam mit den Sekschülerinnen unterrichtet werden sollen. «Integrative Oberstufe» heisst das Schlagwort.

Dass sich die Schule für alle Leistungsstufen öffnet, war ein langjähriges Anliegen der Stadt Gossau, wie sie in einer Mitteilung schreibt. Dadurch werde die Zusammensetzung der Klassen in den Schulen Rosenau und Buechenwald homogener. Schulratspräsident Urs Blaser spricht denn auch von einer Bedingung für die neue Leistungsvereinbarung. Von einem logischen Schritt spricht dagegen Birgit Berger-Cantieni, Schulratspräsidentin der Maitlisek. Schliesslich sei die Öffnung im Sinne des Bildungsplatzes Gossau. Bereits vor zwei Jahren wandte sich die Schule mit dem Anliegen an den Gossauer Stadtrat. Im November hiess der Erziehungsrat das Modell gut.

«Ringen um Schülerinnen fällt weg»

Die neue Leistungsvereinbarung, die voraussichtlich im Frühling im Stadtparlament und an der Schulbürgerversammlung verhandelt wird, soll vor allem eines: Vereinfachen. Momentan regeln zwei verschiedene Abkommen das Verhältnis zur Stadt Gossau und zur Schulgemeinde Andwil-Arnegg. Sie sollen vereinheitlicht werden.

Derzeit bezahlt die Stadt pro Schülerin und Schuljahr pauschal 17000 Franken. Künftig soll der effektive Aufwand abgegolten werden. Dadurch werde Druck von der Schule genommen, sagt Urs Blaser. «Das Ringen um einzelne Schülerinnen fällt weg», bestätigt Birgit Berger. Die Gelder der öffentlichen Hand machten einen Grossteil des Budgets der Maitlisek aus. Weitere Einnahmen stammen aus Elternbeiträgen – das Schulgeld beträgt für Gossauer Eltern 500 Franken pro Schuljahr – sowie von kirchlichen Institutionen. Schulgeld soll auch weiterhin anfallen. Auch die Schülerzahl soll sich nicht verändern, noch immer ist sie auf zwei Klassen pro Jahrgang beschränkt. Sollten sich mehr Schülerinnen anmelden, entscheidet das Los. Urs Blaser bezeichnet dieses Verfahren als «einzige faire Lösung». Für Birgit Berger ist die Platzbeschränkung der Knackpunkt des neuen Modells. Dennoch: «Es macht keinen Sinn, die Schule auszubauen, wenn andere öffentliche Schulen freie Plätze haben.»

Die Maitlisek hat in ihrer über 100-jährigen Geschichte viele Veränderungen vollzogen. Längst steht sie nicht nur Katholikinnen, sondern Angehörigen aller Religionen offen – sofern sie sich zu den christlichen Werten der Schule bekennen. Eines aber stand nie zur Debatte: die Geschlechtertrennung. Zwar sei sie nicht mehr zeitgemäss, sagt Urs Blaser, dennoch müsse die Stadt Verständnis zeigen für die jahrhundertealte Tradition. Die Maitlisek bleibt also Mädchen vorbehalten und dem Namen treu – zumindest teilweise. Mit ihrem Spitznamen möchte die Institution nämlich keinesfalls brechen.


Anzeige: