Mr. Teflon räumt seinen Stuhl

GOSSAU ⋅ Am Freitag hat Alex Brühwiler, der erste Stadtpräsident Gossaus, seinen Rücktritt auf Ende Mai 2018 angekündigt. Niederlage und Angriffe prallten von ihm ab, als wäre er mit Teflon beschichtet. Einen aufgeräumten Schreibtisch wird er nicht übergeben.
21. April 2017, 14:34
Johannes Wey
Schon wieder ein Rücktritt aus dem Gossauer Stadtrat: Anfang April hatte Stefan Lenherr sein Ausscheiden auf Ende Monat angekündigt. Am Freitag teilte Stadtpräsident Alex Brühwiler mit, dass er Ende Mai 2018 aufhört. Die Ankündigung hängt mit Lenherrs Rücktritt zusammmen: Damit Kandidaten für beide Vakanzen gesucht werden können, kommunizierte Brühwiler rund einen Monat früher als geplant.

Der Zeitpunkt seines Rücktritts hingegen habe für ihn selber schon lange festgestanden – schon bevor der Parteilose sich im September zur Wiederwahl stellte. "Ich habe seit rund zwei Jahren eine glasklare Vorstellung von meinem Abgang", sagt Brühwiler. Im Hinblick auf die angestrebte Fusion mit Andwil, die Anfang 2018 erfolgt wäre, habe er mindestens bis Ende 2017 im Amt bleiben wollen.
 

«Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht»

Er habe noch Visionen, sagte Brühwiler, als er 2016 seine erneute Kandidatur bekannt gab. Einige davon könne er noch immer anstossen oder gar umsetzen, sagt der heute 62-Jährige. Er nennt die Richtplanung, die bis zum Rücktritt stehen soll, die Anpassung der Leitsätze der Stadtenwicklung und natürlich den Masterplan Sportanlagen, bei dem es "einen happigen Schritt vorwärts" zu machen gelte.

Die entscheidende Phase bei diesem Jahrhundertprojekt, die Abstimmung(en) und gegebenenfalls die Umsetzung, wird Brühwiler nun aber verpassen. "Es gibt nie den perfekten Zeitpunkt, um als Stadtpräsident einen aufgeräumten Schreibtisch übergeben zu können." Seine Rolle beim Masterplan Sportanlagen dürfe zudem nicht überschätzt werden. Das Projekt hänge nicht von einem einzelnen Stadtrat ab, sondern vom Zusammenwirken aller Beteiligten und Anspruchsgruppen.
 

Vom Neustart als Stadt an im Amt

Zurücktreten wird Brühwiler nach über 17 Jahren. Ein Résumé über seine Höhepunkte im Amt habe er noch keines gezogen. Besonders spannend seien aber seine ersten Jahre gewesen – als erster Stadtpräsident von Gossau. Denn auf 2001 hin wurde die Einheitsgemeinde gebildet, das Parlament eingeführt und Gossau nannte sich fortan Stadt. "Wir konnten ganz neu anfangen. Und trotzdem blieb in Gossau selber ja vieles beim Alten." Er habe gute Voraussetzungen und grossen Gestaltungsspielraum vorgefunden.

In den Jahren danach herrschte in Gossau aber nicht nur Aufbruchstimmung. Brühwiler wurde auch oft angegriffen oder erlitt empfindliche Abstimmungsniederlagen. 2011 wollte die SVP einen Gegenkandidaten aufstellen, Ende 2013 geriet die Stadt mit dem "Solardebakel" in die Schlagzeilen, im Februar 2016 lehnten die Andwiler die Fusion ab, im Juli desselben Jahres die Gossauer den Durchgangsplatz für Fahrende. Brühwiler erweckte stets den Eindruck, als liessen ihn solche Niederlagen völlig kalt. Anwürfe prallten von ihm ab als wäre er mit Teflon beschichtet. So geht es ihm bis heute: "In einem öffentlichen Amt muss man sich exponieren. Jede Haltung, die man vertritt, läuft anderen Interessen zuwider." Und wenn man vom Parlament oder dem Volk überstimmt werde, müsse man sich auf die neue Ausgangslage einlassen. Angriffe auf seine Person habe er immer einordnen können. "Ich bin aber auch der Meinung, dass ich immer Paroli bieten konnte", sagt Brühwiler. Das politische Klima sei härter geworden. Und angesichts der Kämpfe in anderen Gemeinden, die teils in Abwahlen mündeten, sei seine Situation "ziemlich bequem" gewesen.

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