Fischer angeln sich Politiker

Die Berufsfischer bitten Bundesbern um Hilfe. Die rückläufigen Fangerträge verschärfen den wirtschaftlichen Druck auf den Berufsstand. Einige Politiker signalisieren Unterstützung.
04. Juni 2015, 02:35
SILVAN MEILE

Reto Leuch sagt, er fahre nun mit einem besseren Gefühl nach Hause. Soeben endete ein Treffen zwischen den Schweizer Berufsfischern und Bundesparlamentariern am Rande der Session. Die Fischer machten dabei auf die sinkenden Fischbestände in den Schweizer Seen und die damit verbundene Existenzangst der Berufsfischer aufmerksam. Leuch vertrat die Bodenseefischer. «Die Problematik wurde erkannt», stellt er erfreut fest.

Tiefpunkt noch nicht erreicht

Regelmässig klagen die Berufsfischer rund um den Bodensee, dass sich die ohnehin schon schlechten Fangerträge erneut verschlechtern. Noch scheint der Tiefpunkt dieser Entwicklung nicht erreicht zu sein. «Der Abwärtstrend hält an», sagt Roman Kistler von der Thurgauer Jagd- und Fischereiverwaltung. Bei ihm werden die Erträge der Thurgauer Berufsfischer erfasst, für die noch 27 Patente vergeben sind. Im Monat April des vergangenen Jahres zogen die Berufsfischer noch 5820 Kilogramm Fische aus dem Obersee. Doch für das laufende Jahr kann dieser Wert bei weitem nicht mehr erreicht werden. Im vergangenen April fischten die Berufsfischer gemäss Fischereiverwalter nur 2148 Kilogramm Fische aus dem Wasser. Das ist weniger als die Hälfte des bereits als schlecht eingestuften Vorjahresergebnisses. Davon können die Berufsfischer nicht mehr leben, ist sich auch Kistler bewusst.

Während sich der Bodensee zu seinem nährstoffarmen Urzustand zurück bewegt, droht die Berufsgattung der Fischer auszusterben. Denn zu stark lastet auf ihnen der wirtschaftliche Druck der heutigen Zeit. Die meisten Berufsfischer halten sich nur noch mit einem zweiten Erwerbszweig über Wasser.

Abwärtstrend hält an

«Bei den Fischerträgen sind wir grosse Schwankungen gewohnt», sagt Fischereiverwalter Kistler. Über alles gesehen könne aber gesagt werden, dass sich die Fischbestände im Bodensee kaum mehr vergrössern. Eher halte der Abwärtstrend weiter an. Damit bewegen sich die Erträge der Berufsfischerei weiter auf das Niveau zu, wie sie bis vor den 1950er-Jahren waren, bevor der wirtschaftliche Aufschwung an Land zu einer starken Düngung des Sees führte.

Für das Thurgauer Amt für Umwelt besteht deswegen kein Handlungsbedarf. Im Gegenteil. In diesem Zustand wollen die Behörden den Bodensee in die Zukunft führen. Dazu gehört zwangsläufig auch der aktuelle Bestand an Fischen. Die Fischer ihrerseits fanden bisher kaum Gehör mit ihrer Forderung nach einem Phosphat-Management, wonach dem See über die Kläranlagen mehr Nährstoffe zugeführt werden soll, damit sich die Fischbestände vergrössern.

Noch kein Lösungsvorschlag

Beim gestrigen Treffen in Bern, an dem auch elf Vertreter aus dem National- und dem Ständerat teilnahmen, wurden die Nöte der Berufsfischer aufgenommen. «Die anwesenden Politiker waren der Meinung, dass man etwas unternehmen muss, damit dieser Berufsstand überleben kann», sagt der Thurgauer Nationalrat Markus Hausammann, der die Zusammenkunft organisierte. Welcher konkrete Weg dafür eingeschlagen werden soll, sei noch ungewiss.


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