Streit um Connyland-Löhne

Tierschützer wollen den Behörden Lohnzettel des Freizeitparks Connyland zuspielen. Ihr Verdacht: Geld wurde schwarz ausbezahlt. Sie setzen auch den Kantonstierarzt weiter unter Druck.
12. November 2011, 08:30
DANIEL WALT

LIPPERSWIL. «Es kommen immer mehr Details über diesen Freizeitpark ans Tageslicht», sagt Jürgen Ortmüller. Er ist Geschäftsführer des deutschen Wal- und Delphinschutz-Forums (WDSF). Dieses und die Organisation ProWal machen nach dem Tod von Delphin Shadow (unsere Zeitung vom Donnerstag) weiter Druck aufs Connyland: Nun nehmen sie auch dessen Buchhaltung ins Visier.

Connyland zahlt bar auf Hand

Sechs Connyland-Lohnzettel liegen Jürgen Ortmüller vor. «Der obere Teil wurde jeweils maschinell erstellt. Unter die entsprechende Summe wurden aber handschriftlich weitere Beträge in der Höhe von jeweils bis zu 1000 Franken addiert, die zu einer handgeschriebenen Gesamtsumme führten», erklärt Ortmüller auf Anfrage. Ein Betroffener habe ausgesagt, der Gesamtbetrag sei jeweils bar ausgezahlt worden. Den Organisationen wurde laut Ortmüller bestätigt, dass dieses Vorgehen beim Connyland gängig sei. Sie wollen die Lohnzettel nun den Steuerbehörden übergeben, um prüfen zu lassen, ob sich das Connyland strafbar gemacht hat.

Was sagt Erich Brandenberger, Mediensprecher des Connylands, zu den neuen Vorwürfen? «Sie zeigen, dass es diesen Organisationen nicht um die Sache geht, sondern darum, uns mit allen Mitteln zu schaden.» Laut Brandenberger zahlt das Connyland alle Löhne bar auf die Hand aus – «das ist in unserer Branche Usus». Die handschriftlichen Zusätze auf den Zetteln erklärt er als Abrechnungen für Spesen der Mitarbeitenden. Er ist überzeugt: Die Vorwürfe werden verpuffen.

«Fachkompetente Personen»

Wenige Tage nach dem Tod von Delphin Shadow haken die Tierschützer auch diesbezüglich nach. Zunächst stellen sie fest, der Delphin habe schon im September Anzeichen einer Krankheit gezeigt. Erich Brandenberger vom Connyland bestätigt Pigmentflecken beim Tümmler – «sie stellten sich aber als harmlos heraus und regenerierten sich wieder», sagt er. Ganz grundsätzlich ist für die Tierschützer aus Deutschland klar: Künftig soll nicht mehr der Thurgauer Kantonstierarzt für die Delphine zuständig sein, sondern «unabhängige und fachkompetente Personen». Jürgen Ortmüller: «Wir haben einige angefragt, ob sie zur Verfügung stehen, und werden sie dem Bundesveterinäramt vorschlagen.»


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