Auf Hüpfburgen und Spielplätze verzichtet: Auszeichnung für den Hohen Kasten

ARCHITEKTURPREIS ⋅ Der Weg rund um den Gipfel des Hohen Kasten wurde mit dem "Bronzenen Hasen" der Architektur- und Designzeitschrift Hochparterre ausgezeichnet. Daneben gingen weitere Preise in die Ostschweiz.
06. Dezember 2017, 15:49
René Hornung
Vor zwei Jahren war es das Bergrestaurant Chäserrugg, das in der Kategorie Architektur einen der "Hasen" genannten Preise der gewann. Dieses Jahr ging der dritte Preis in der Kategorie Landschaft ebenfalls auf einen Ostschweizer Berg: Das Landschaftsarchitekturbüro Nipkow Zürich gewann ihn am Dienstagabend für den Gipfelrundweg auf dem Hohen Kasten.
 
Die Jury stellt dazu fest: "Mit Bahnen erschlossene Berggipfel sind lärmige, alpine Jahrmärkte: Hüpfburgen, Restaurantterrassen und Spielplätze bestimmen ihr Bild. Nicht so auf dem Hohen Kasten: Die Landschaftsarchitekten haben die Gipfelkuppe auf­- und leergeräumt und einen ebenen Rundweg in den Berg eingepasst. Er fasst die Kuppe und lenkt den Blick vom Gipfel weg auf das Wesentliche, das atemberaubende Panorama."Der Rundweg ist auf einem horizontalen Niveau angelegt, verläuft teils dramatisch überhängend, teils in den schützenden Fels geschnitten. Plattformen setzen Akzente und zeichnen Orte aus. Für die Jury war es nicht die nüchteren Konstruktion des Weges sondern diese "befreiende Wirkung an einem hochfrequentierten Ort".

(TVO)

Der Weg ist ein Vorbild: zurück zum Berg. 

Landschaftsarchitekt Beat Nipkow hatte den Direktauftrag von der Kastenbahn erhalten, weil er in und um Appenzell kein Unbekannter ist. Er hat schon verschiedene Projekte dort realisieren können. Emil Koller, Verwaltungsratspräsident der Kastenbahn, nahm am Dienstagabend in Zürich zusammen mit dem Architekten den Preis in Empfang und schilderte am Rand der Veranstaltung, wie es auf Umwegen zu diesem Projekt kam. Zuerst schlug die Bahngesellschaft eine über den Felsen hinausragende Aussichtsplattform vor, wie sie vielerorts schon realisiert wurde. Diesen Vorschlag legte man den Schutzverbänden vor, mit denen – so betonte Emil Koller – seit der Planung des Drehrestaurants ein gutes Verhältnis bestehe. Landschafts- und Heimatschutz kritisierten denn auch die zuerst vorgeschlagene Plattform und schlugen vor, einen ausgewiesenen Landschaftsarchitekten beizuziehen. Diese Planung führte nun zum Preis. Für Beat Nipkow ist der Weg eine Interpretation eines klassischen Aussichtspunkts. Es gehe heute darum, Berge mit reduzierten gestalterischen Mitteln touristisch zu erschliessen. Integriert ist auch der schon zuvor bestehende alpine Pflanzengarten.
 

Weitere Preise gehen in die Ostschweiz

 In der Kategorie Architektur erhielt das Bürohaus der Internetagentur Namics an der Unterstrasse in St.Gallen zwar keinen Preis, aber eine Anerkennung. Geplant wurde das Gebäude von Corinna Menn und Mark Ammann. Es schliesst eine Baulücke und passt sich in seiner äusseren Erscheinung ins St.Galler Stickereiquartier ein. Raffiniert gelöst ist die gefaltete Konstruktion der stützenlosen Geschossdecken.

Und auch am «bronzenen Hasen» in der Kategorie Design ist die Ostschweiz beteiligt. Ausgezeichnet wurde die Neugestaltung der Sitzungszimmer «The Colour Rooms» des Verbandes Swiss Textiles in Zürich. Die gewobenen Teppiche entstanden in den Ateliers von Tisca mit Sitz im Ausserrhoder Ort Bühler und sind – so erklärt Andreas Tischhauser – «absolute Unikate». Für das Sitzungszimmer "The Colour Rooms" erhält der Verbandes Swiss Textiles in Zürich einen "bronzenen Hasen". Die gewobenen Teppiche entstanden in den Ateliers von Tisca im Ausserrhoder Ort Bühler.

Für das Sitzungszimmer "The Colour Rooms" erhält der Verbandes Swiss Textiles in Zürich einen "bronzenen Hasen". Die gewobenen Teppiche entstanden in den Ateliers von Tisca im Ausserrhoder Ort Bühler.

 

 Alle Gewinner in den drei Kategorien auf www.hochparterre.ch
 

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