Die wundersame Baulandvermehrung im Kanton St.Gallen und dem Thurgau

BAUFLÄCHEN ⋅ Auf dem unverbauten Bauland in den Kantonen St.Gallen und Thurgau haben noch mindestens 130'000 neue Ostschweizer Platz. Das lässt die Bauzonenstatistik des Bundes vermuten.
31. Dezember 2017, 12:04
Kaspar Enz

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Um 1500 Hektaren ist die Fläche der Bauzonen im Kanton Thurgau zwischen 2012 und 2017 gewachsen. Das steht in der Bauzonenstatistik, die das Bundesamt für Raumentwicklung alle fünf Jahre herausgibt. Damit wären die Bauzonen um rund 16 Prozent gestiegen, während sie im Schweizer Durchschnitt konstant geblieben sind. Und während der Durchschnittsschweizer im Vergleich zu 2012 weniger Bauzone braucht, noch 291 statt 309 Quadratmeter, lebt der Thurgauer auf grösserem Fuss: 416 Quadratmeter weist die Statistik aus, 20 mehr als 2012.

Beim Thurgauer Amt für Raumentwicklung ist man überrascht über den plötzlichen Zuwachs. Denn seit Annahme des Raumplanungsgesetzes gilt auch hier: Bis es umgesetzt ist, wird nichts mehr eingezont. Eine Nachfrage beim Bund klärt die Sache auf: Der Thurgau ist einer von vier Kantonen, die neu auch die Verkehrszonen zu den Bauzonen zählen. Die Fläche für Strassen und Schienen taucht anderswo nicht in der Statistik auf. Abzüglich der 1328 Hektaren Verkehrsflächen wuchsen die Bauzonen also nur noch um rund 100 Hektaren – lässt man die Unschärfe weg, die fünf bis sechs Prozent der Fläche ausmacht. Und auch diesen Zuwachs kann Hubert Fromelt vom kantonalen Amt für Raumentwicklung erklären: Golfplätze zählen neuerdings ebenfalls zur Bauzone.

Während die Bauzonen in den letzten fünf Jahren also praktisch gleich gross blieben, nahm hingegen die Bevölkerung stark zu, um 7,4 Prozent oder rund 19000 Einwohner. Entsprechend gingen die Baulandreserven zurück: Noch 1000 bis 1600 Hektaren bleiben übrig. Der Thurgau könnte auf dem bestehenden Bauland also noch eine ganze Weile so weiterwachsen, sagt Fromelt. Tatsächlich: Teilt man das neu verbaute Land durch die Neueinwohner, hat es noch Platz für 30'000 bis 50'000 Thurgauer.

Mehr Platz hätte es, rückten die Thurgauer enger zusammen. Im Kanton wurde, so suggeriert die Statistik, mehr Land verbaut als in St.Gallen, das gleich viele neue Einwohner zu beherbergen hatte. Dort hätten demnach noch 54'000 bis 88'000 neue Einwohner Platz, wenn gleich dicht gebaut wird wie in den letzten fünf Jahren. Gesamtschweizerisch habe es noch Platz für eine Million zusätzliche Einwohner. Das sagt zumindest das Bundesamt für Raumentwicklung.


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