Orthopädie als Klumpenrisiko?

APPENZELL ⋅ An einem Anlass der Gruppe für Innerrhoden werden erstmals Fragen und Befindlichkeiten aus dem Volk zum geplanten Spitalneubau öffentlich. Und Frau Statthalter spricht über das Verhältnis der Hausärzte zum Spital.
15. November 2017, 07:14
Roger Fuchs

Roger Fuchs

roger.fuchs@appenzellerzeitung.ch

Aus dem Spital Appenzell soll ein «Ambulantes Versorgungszentrum plus» mit kleiner stationärer Abteilung werden. Die Landsgemeinde wird — vorbehältlich der Entscheide im Grossen Rat — nächstes Jahr über einen Kredit von 41 Millionen befinden können. «Für die Standeskommission gibt es nur eine Vorwärtsstrategie mit einem zukunfts- fähigen Betrieb und neuer Infrastruktur», hielt Frau Statthalter Antonia Fässler an einer von rund 15 Personen besuchten Veranstaltung der Gruppe für Innerrhoden (GFI) fest. In der offenen Diskussionsrunde ergänzte sie dann auf eine Frage aus der Runde, dass ein Versorgungszentrum ohne eine stationäre Abteilung allenfalls als Rückfallposition denkbar wäre. «Standeskommission und Spitalrat sind der Meinung, dass wir dem Bürger mehr bieten wollen.» Folglich setze man auf ein Spital mit kleinerer stationärer Abteilung.

Nicht alle Hausärzte stehen dahinter

Spannend wurde es sodann, als der ebenfalls anwesende CVP-Präsident Ruedi Angehrn nach dem Verhältnis der Hausärzte zum Spital fragte. «Es gibt solche, die dem Spital gegenüber negativ eingestellt sind», klärte Antonia Fässler. Und sie schilderte folgendes Problem: Einige der Hausärzte seien auch Belegärzte im Bereich der Inneren Medizin am Spital. Nicht-Belegärzte würden keine Patienten an die Innere Medizin zuweisen, weil sie sonst von anderen Hausärzten betreut würden. Viel dagegen tun lässt sich gemäss Frau Statthalter nicht. «Wir können nicht ändern, dass es Hausärzte gibt, die keine Bereitschaft zeigen, als Belegarzt zu arbeiten.»

Fachärztin Christa Meyenberger, zugleich Mitglied des Spitalrats Appenzell, ergänzte, dass es auch eine Mehrbelastung darstelle, als Belegarzt zu arbeiten. Deshalb seien nicht alle dazu bereit. Das Problem würde sich noch weiter zuspitzen, gibt sich Meyenberger überzeugt. Denn: Ganz allgemein werde es immer schwieriger, Hausärzte zu finden. Folglich werde es auch je länger je mehr zu einer öffentlichen Aufgabe, die hausärztliche Versorgung sicherzustellen. Wie beim Gesundheitsdepartement zu erfahren ist: Im Inneren Land sind aktuell elf Hausärzte in sechs Praxen aktiv. Davon sind sechs Hausärzte (aus vier Praxen) Belegärzte am Spital Appenzell.

Ein weiterer Votant wollte wissen, ob es kein Klumpenrisiko darstelle, in Appenzell stark auf die Orthopädie zu setzen. Durchaus könne man angesichts anderer Anbieter die Frage nach einer Überversorgung stellen, so Antonia Fässler. «Doch das bedeutet ja nicht, dass wir unsere Marktanteile verlieren müssen.» Wichtig sei in diesem Fall, gute Leistung und Qualität zu bieten, um diesen Bereich auch weiterbetreiben zu können.

Was den Standort des geplanten neuen Spitals betrifft, so sieht das aus einem Projektwettbewerb hervorgegangene Siegerprojekt einen Neubau an der Stelle des heutigen Personalhauses vor. Gemäss Fässler gab es im Rahmen der Eingaben auch ein Projekt, bei dem der Neubau auf dem Spitalareal vor das bestehende Spital und näher zum Alters- und Pflegezentrum (APZ) gesetzt worden wäre. «Es wäre aber alles sehr eng und keine gefreute Sache», so Antonia Fässler auf eine entsprechende Frage. Die Wege zwischen dem neuen Spital und dem Alters- und Pflegezentrum kurz zu organisieren, sei dann eine operative Aufgabe.

Kosten für den Neubau hinterfragt

Leicht ins Schwitzen kamen Antonia Fässler und Christa Meyenberger, als jemand das neue Spital Schiers zum Vergleich herbeizog. In diesem Bau würde die komplette Versorgung angeboten, und das bei Erstellungskosten von 42 Millionen Franken — also nur eine Million mehr als der vorgesehene Kredit für das nicht alles anbietende Spital Appenzell. Woher kommt diese Preisdifferenz? «Wir haben einen erfahrenen Kostenplaner. Diesem muss ich vertrauen», so Fässler. Sie erachte die Kosten aber als realistisch für das, was sie bekämen. Meyenberger zweifelte an, ob auch die technische Ausstattung in den Baukosten von Schiers enthalten ist. Im Normalfall rechne man die Ausrüstung nicht in die Baukosten hinein.


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