Das Take-away-Gipfeli ist in der Ostschweiz angekommen

Unternehmer Roger Mohn ist ein innovativer Geist. In Sulgen lässt der «junge Wilde», wie er sich selber gerne bezeichnet, die erste Drive-in-Bäckerei im Kanton Thurgau errichten.
20. Oktober 2013, 02:35
GEORG STELZNER

SULGEN. Die Idee stammt aus den USA und ist in Europa vor allem durch die Fast-Food-Kette McDonald's bekannt geworden: Man besorgt sich die Verpflegung mit dem Auto, muss beim Einkauf aber nicht aussteigen, sondern bekommt die gewünschten Speisen und Getränke direkt ins Fahrzeuginnere gereicht. In Deutschland und Österreich machen sich dieses Konzept inzwischen auch Bäckereien zunutze, in der Schweiz ist bisher nur in Chur eine solche Drive-in-Bäckerei in Betrieb.

Produktion und Verkauf

«Ich bin im Geschäftsleben immer bestrebt, etwas vor- statt nachzumachen», sagt Roger Mohn, Inhaber der im Bereich Bäckerei/Konditorei tätigen Mohn AG mit Firmensitz im thurgauischen Berg. «Ich packe gerne Neues an; etwas, mit dem ich mich von der Konkurrenz auch abheben kann.» Im aktuellen Fall spricht Mohn von seinem Neubauprojekt an der nördlichen Peripherie Sulgens. Zwischen dem Kreisel und dem Weiler Uerenbohl entstehen an der Kreuzlingenstrasse nicht nur eine neue Produktionsstätte, ein Laden und ein Café, sondern auch die erste Drive-in-Bäckerei der Ostschweiz. Den Kostenaufwand für das ganze Projekt beziffert der 41jährige Firmeninhaber mit rund acht Millionen Franken.

Sortiment im Schaufenster

Roger Mohn ist im benachbarten Ausland auf diese Einrichtung aufmerksam geworden. Das Konzept faszinierte ihn. Mohn erkannte darin eine Marktlücke und erkundigte sich umgehend bei Roni Merz, der in Chur die bislang einzige Drive-in-Bäckerei der Schweiz betreibt. Der Lokalaugenschein in der Bündner Metropole bestärkte Mohn in der Absicht, im Rahmen seines Neubauprojekts auch eine Drive-in-Bäckerei zu errichten. «Ein entscheidender Faktor war das Bauland an einer gut frequentierten Strasse; ohne ein gewisses Verkehrsaufkommen macht das Ganze keinen Sinn», erklärt Mohn.

Mit der Planung der ersten Thurgauer Drive-in-Bäckerei beauftragte Mohn die BLP Baumanagement GmbH aus Sulgen. Projektleiter Hugo Brüschweiler erklärt, wie das Prinzip in Sulgen funktionieren wird: «Zum Schalter, wo die Backwaren abgegeben werden, gelangen die Autofahrer von der Kreuzlingenstrasse über eine neu zu erstellende Strasse, die Wegfahrt erfolgt über die bereits bestehende Leimackerstrasse.» Laut Brüschweiler passieren Kunden auf dem Weg zum Schalter ein rund drei Meter breites Schaufenster, in dem das Angebot der Bäckerei präsentiert wird. Die Zufahrt zum überdachten Schalter wird mit Fahrzeugen bis zu einer Maximalhöhe von drei Metern möglich sein. Auf dem Areal wird es zudem 18 Kundenparkplätze geben.

Neue Kunden ansprechen

Roger Mohn verspricht, dass der persönliche Kontakt zwischen den Kunden und dem Verkaufspersonal auch am Schalter des Drive-in gewährleistet sein werde. «Es ist eine Face-to-Face-Bedienung vorgesehen; darauf lege ich grossen Wert», betont der Spross einer seit 1894 bestehenden Thurgauer Bäckerdynastie.

Das Bauvorhaben wird von den ortsansässigen Bäckern mit Argusaugen verfolgt. Macht sich da am Dorfrand etwa eine unliebsame Konkurrenz breit? Mohn beruhigt: «Wir wollen niemandem etwas wegnehmen; vielmehr ist es unser Ziel, mit der Drive-in-Bäckerei einen neuen Kundenkreis anzusprechen.» Mohn meint damit Leute, die – aus welchen Gründen auch immer – eine zeitsparende und bequeme Ausser-Haus-Verpflegung bevorzugen.

In Chur sofort erfolgreich

Und welche Erfahrungen hat der Schweizer Pionier in Sachen Drive-in-Bäckerei seit der Eröffnung im Oktober 2010 gemacht? «Extrem positive», versichert Roni Merz. Der Geschäftsführer untermauert diese Aussage mit Zahlen: «25 bis 30 Prozent unseres Umsatzes erwirtschaften wir heute mit dem Geschäft aus dem Drive-in.» Er sei vom Konzept von Anfang an überzeugt gewesen, der durchschlagende Erfolg habe ihn dann aber selber überrascht.

Die Churer Drive-in-Bäckerei ist täglich – auch am Wochenende – während zwölf Stunden geöffnet. Von Kunden aufgesucht wird sie laut Merz vor allem morgens, über Mittag und abends. Bedient sei sie aber während der gesamten Öffnungszeit.


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