Richtungswahl

Kandidatin und Spitzenkandidatin

10. Mai 2015, 02:35

In 23 Wochen wählt die Schweiz ein neues Parlament. Wer als Bisherige oder Bisheriger antritt, hat beim Wahlvolk erfahrungsgemäss einen Bonus. Wiederkandidierende gelten bei Parteien und Interessengruppen denn auch als Zugpferde und werden in aller Regel zuoberst auf der Liste plaziert.

Der Thurgauer Gewerbeverband tickt etwas anders. Zwar hat er seinen Präsidenten Hansjörg Brunner (FDP) zum Spitzenkandidaten ernannt. Spitzenkandidatin ist allerdings nicht die bisherige SVP-Nationalrätin Verena Herzog. sondern Verbands-Vizepräsidentin Diana Gut- jahr, ebenfalls von der SVP. Herzog, Mitglied des Gewerbeverbands, fühlt sich düpiert.

Derweil Verena Herzog noch grübelt, womit sie diese Zurücksetzung verdient hat, macht Gutjahr schon wacker Wahlkampf. Im Oberthurgau sind die Autos und der Anhänger mit ihrem Bild drauf nicht zu übersehen, und den Amriswilern hat sie auf dem Marktplatz bereits ein Alphornkonzert beschert. Der Terminkalender der rührigen Jungunternehmerin ist bereits gut bestückt. Sollten die Kräfte kurzzeitig einmal nachlassen, greift Gutjahr nicht zu dubioser Chemie, sondern zum traditionellen Aufputschmittel Ovomaltine. «Es geht nicht besser», meint sie treuherzig, «aber länger».

Auch für den Fall, dass sie in der Hitze des Wahlkampfs einmal überborden sollte, hat die 31-Jährige vorgesorgt. Am 20. September ist sie in Roggwil als Festrednerin eingeschrieben – zum Buss- und Bettag. Und weil trotz der Qualifikation als gewerbliche Spitzenkandidatin der Sieg noch längst nicht eingefahren ist, freut sich Diana Gutjahr nicht wie alle anderen über ihre Nationalratskandidatur. Sie freut sich explizit über «meine erste Nationalratskandidatur». Auch wenn Verena Herzog es nochmals schaffen sollte – so rasch ist sie ihre Konkurrentin offensichtlich nicht los. (lü)


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